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Kommentar : Plötzlich Realpolitiker

Zusammenarbeit statt Konfrontation: Was wohl der Wahlkämpfer Donald Trump zur Rede des Präsidenten in Riad gesagt hätte? Bild: Reuters

Mit seinem bemerkenswerten Aufruf gegen den islamistischen Extremismus beweist Donald Trump, dass er sich in seiner Haltung zur islamischen Welt fortentwickelt hat.

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          Donald Trump ist nicht George W. Bush, und er ist gewiss nicht Barack Obama, obwohl man in seiner Rede vor den Führern muslimischer Länder gelegentlich den einen und manchmal den anderen Vorgänger zu hören glaubte.

          Der Kampf gegen den Terrorismus ist eine Schlacht zwischen Gut und Böse und nicht zwischen Religionen – das hatte auch Bush gesagt. Goldene Zukunftsbilder hat auch Obama gemalt. Vor allem aber ist Präsident Trump nicht mehr Kandidat Trump, der seine Zuhörer mit pauschalen Angriffen gegen den „radikalen Islam“ entzückt; jetzt ist der „islamistische Extremismus“ der Feind. Und das trifft zu.

          Dieser Aufruf ist bemerkenswert. Denn er verrät eine Fortentwicklung, was Trumps Haltung zur islamischen Welt anbelangt. Als frühe Amtshandlung hat er ein, von Gerichten gestopptes, Einreiseverbot für Bürger einer Reihe muslimischer Länder verhängt. Nun redet er einem Zusammenprall der Kulturen nicht mehr das Wort; einem Demokratieexport sowieso nicht. Nun sucht er eine große Koalition zu schmieden gegen islamistisch motivierte Terroristen, wobei der Hauptkampf von den muslimischen Ländern selbst zu tragen sei.

          Weihnachten für Trump in Riad

          Einige Zuhörer, nicht zum ersten Mal Adressaten solcher Appelle, haben das in der Vergangenheit nur halbherzig getan. Nicht zuletzt gilt das für Personen und Einrichtungen in Saudi-Arabien. Die saudische Führung hat Trump enthusiastisch willkommen geheißen; sie hatte sich mit Obama überworfen, weil der aus Sicht Riads dem Rivalen Iran gegenüber trotz dessen Hegemoniebestrebungen und der Politik regionaler Destabilisierung zu nachgiebig war. Den neuen Präsidenten, der sich innenpolitisch, gerade mal vier Monate im Amt, in eine große Bredouille gebracht hat, überhäufte sie mit Großaufträgen, die sich zu einem gigantischen Volumen addieren. Weihnachten für Trump in Riad (was freilich Frager nach einer Russland-Verbindung nicht verstummen lassen wird).

          Trump ist zu Beginn seiner ersten Auslandsreise mit geopolitischen und ideologischen Themen konfrontiert worden, die schon seine Vorgänger in Beschlag nahmen: dem Kampf gegen den Terrorismus, Amerikas Rolle in der Region, der Eindämmung Irans, dem Verhältnis von innerer (undemokratisch-repressiver) Ordnung und enger Sicherheitspartnerschaft. „Prinzipienfester Realismus“ hat Trump seinen Ansatz getauft.

          Man wird sehen, wie weit und wohin (ihn) das trägt.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

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