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Amerikas Präsident unter Druck : Immer Ärger mit Donald

  • -Aktualisiert am

Es wird dunkler und dunkler im Weißen Haus: Donald Trump sitzt nun bald ein Jahr in Amerikas Schaltzentrale. Bild: Reuters

Eigentlich sollte es eine Woche der Triumphe werden – doch dann ging die Alabama-Wahl schief und Donald Trump hat mal wieder Ärger an allen Fronten. Immerhin ein Projekt des amerikanischen Präsidenten steht kurz vor der Vollendung.

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          Die Zeitung „USA Today“ ist nicht dafür bekannt, die Speerspitze der Anti-Trump-Bewegung zu sein. Das Blatt ist oftmals die einzige überregionale Zeitung, die im ländlichen Amerika in den Tankstellen und Diners zu haben ist – und sie wird gelesen, von drei Millionen Bürgern am Tag. Deswegen erregte es große Aufmerksamkeit, als nun ein Leitartikel in eben dieser „USA Today“ verkündete, der Präsident sei „nicht einmal geeignet dafür, die Toiletten der Präsident-Barack-Obama-Bibliothek zu putzen oder die Schuhe von George W. Bush zu polieren“. „So einen Artikel habe ich in meiner ganzen Karriere noch nicht gelesen“, bemerkte der ehemalige Vizepräsident Joe Biden.

          Anlass war ein Tweet – wie könnte es anders sein. Trump hatte sich über die New Yorker Senatorin Kirsten Gillibrand geärgert, die angesichts der Vorwürfe von Frauen, dass er sie sexuell belästigt habe, eine Untersuchung im Kongress fordert. Trump schrieb: „Senatorinnen-Leichtgewicht Kirsten Gillibrand, ein absoluter Lakai von Charles E. Schumer und jemand, der früher in mein Büro kam und um Wahlkampfspenden bettelte (und alles dafür zu tun bereit war), ist nun im Ring, um gegen Trump zu kämpfen. Sehr illoyal gegenüber Bill und Verlogen-BENUTZT.“

          Ohne Not für Empörung gesorgt

          Der letzte Teil des Tweets wird von Historikern dereinst vielleicht als Hinweis auf die Clintons entschlüsselt werden – im suggestiven ersten Teil sahen die meisten Beobachter eine sexuelle Anspielung, die so gegenüber einem Mann nicht fallen würde. Kein guter Zeitpunkt dafür.

          Gillibrand nannte Trumps Tweet eine sexistische Beleidigung mit dem Ziel, ihre Stimme zum Schweigen zu bringen. Die Zeitung „Washington Post“ schrieb: „Der Präsident sollte erwägen, sich bei Kirsten Gillibrand dafür zu entschuldigen, dass er sie eine Hure genannt hat.“ Prominente, Journalisten, Demokraten stellten sich hinter Gillibrand – nur abgelenkt von Doug Jones‘ Sieg in Alabama. „Empörungskultur“, gifteten Kommentatoren von rechts – aber Trump hatte wieder einmal selbst und ohne Not für die Empörung gesorgt.

          Trumps Beliebtheitswerte sind am Boden – eine neue Umfrage der Monmouth Universität sieht die Zustimmung zu seiner Amtsführung bei 32 Prozent. Seine jüngste politische Niederlage, der Sieg von Doug Jones in Alabama, ist aus Trumps Sicht unterdessen die Schuld der Anderen: „Ich habe Alabama gewonnen, und ich hätte Alabama wieder gewonnen“, soll er laut der Zeitung „Washington Post“ gesagt haben.  

          Vor Journalisten gab er sich gelassen: „Ich wünschte, wir hätten den Sitz bekommen. Viele Republikaner sehen das anders. Sie sind sehr glücklich darüber, wie es gekommen ist. Aber als Chef der Partei hätte ich den Sitz gern gehabt.“ Trumps Umfeld verbreitete, er sei trotz der Niederlage guter Stimmung. Das Gebot der Stunde heißt Distanzierung von Roy Moores Schlappe: Er habe stets gesagt, man brauche starke Kandidaten, um zu gewinnen, twitterte Trump.

          Wahlversprechen auf der Zielgeraden

          Eigentlich sollte diese Woche ja gut werden für Trump: Selbst, wenn die Wahl in Alabama verloren ging, ist da schließlich noch das neue Steuergesetz. Die Republikaner sind entschlossen, über die finale Version des Gesetzes in beiden Kongresskammern abzustimmen, bevor Demokrat Doug Jones aus Alabama vereidigt wird und das Stimmengleichgewicht sich empfindlich verschiebt.

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