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Trump über Folter : Bier und Zigaretten statt Waterboarding

Im Gespräch mit der „New York Times“ räumt Donald Trump einige seiner Wahlversprechen ab. Bild: AP

Im Wahlkampf fand Donald Trump die Foltermethode Waterboarding zu lasch und wollte „noch höllisch Schlimmeres“ einführen. Jetzt ließ er sich angeblich von einem pensionierten General überzeugen, dass Terrorverdächtige anders befragt werden sollten.

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          Zwei Wochen nach der Präsidentenwahl hat sich Donald Trump ganz anders über Folter geäußert als noch im Wahlkampf. Zum ersten Mal sprach er jetzt als gewählter Präsident über das Waterboarding, dessen Wiedereinführung er seit Monaten vehement gefordert hatte. Und gibt Zweifel an der Wirksamkeit dieser Foltermethode zu erkennen. Die Zweifel hat angeblich ein Mann gestreut, den Trump „ernsthaft, sehr ernsthaft“ als künftigen Verteidigungsminister in Erwägung zieht: der pensionierte General James Mattis.

          Stefan Tomik
          Redakteur in der Politik.

          Trump traf Mattis am Wochenende in seinem Golfklub in New Jersey und ist seitdem voll des Lobes. In einer spannungsgeladenen Begegnung mit der „New York Times“ sagte Trump am Dienstag, er habe Mattis gefragt, was der vom Waterboarding halte. „Er sagte – ich war überrascht – er sagte, ‚Ich fand es nie nützlich‘. Er sagte, ‚Ich war immer der Meinung, gebt mir eine Packung Zigaretten und ein paar Bier, und ich werde damit erfolgreicher sein als mit Folter‘. Und diese Antwort hat mich sehr beeindruckt.“

          So klingt eine 180-Grad-Wende. So klingt Trump, der gewählte Präsident.

          Trump, der Wahlkämpfer, hatte noch ganz anders gesprochen: „Würde ich Waterboarding unterstützen?“, sagte er während eines Auftritts in Ohio. „Wetten Sie Ihren Arsch darauf, dass ich das tun würde. Nur ein Idiot würde sagen, dass das nicht funktioniert.“

          Trump wollte „noch höllisch Schlimmeres“

          Trump hatte das Waterboarding nicht nur immer wieder verteidigt. Er hatte es auch als zu lasch bezeichnet und angekündigt, er würde noch „höllisch Schlimmeres zurückbringen“. Er wolle die Gesetze „erweitern“, damit die Vereinigten Staaten mit der Taktik von Terrororganisationen wie dem „Islamischen Staat“ „mithalten“ könnten. Für seine Sicherheit müsse Amerika „Dinge tun, die fast undenkbar sind“. Waterboarding würde er zulassen, ohne mit der Wimper zu zucken. Denn „es funktioniert“, so Trump immer wieder, und wenn es nicht funktionieren sollte, wenn es also nicht zu den erhofften Informationen führte, „hätten sie (die Terrorverdächtigen) es trotzdem verdient für das, was sie getan haben“.

          Damit hatte Trump Befürchtungen genährt, er könnte als Präsident tatsächlich an die schwärzesten Zeiten der Bush-Regierung anknüpfen, in denen die CIA alle Zügel im Antiterrorkampf abstreifte. Sie griff damals auf immer brutalere Verhörmethoden zurück, unter ihnen das Waterboarding. Dabei wird der Gefangene auf ein Brett mit 10 bis 15 Grad Neigung gebunden, seine Füße höher als der Kopf. Der wird fixiert und ein Tuch über das Gesicht gespannt. Dann gießt ein Vernehmer Wasser auf das Tuch. Der Atemwiderstand steigt bedrohlich. Im Blut des Gefangenen reichert sich immer mehr Kohlendioxid an, der Atemreiz wird unerträglich groß, er schnappt nach Luft, aber er kriegt keine. Panik überkommt ihn. Er hat das Gefühl zu ertrinken, zu ersticken. Nach 20 bis 40 Sekunden, so heißt es in einem Memo des amerikanischen Justizministeriums aus dem Jahr 2002, sei die Prozedur „für drei oder vier volle Atemzüge“ zu unterbrechen - bevor sie wieder von vorn beginnt.

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