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Donald Trump : Innenansichten eines Getriebenen

  • -Aktualisiert am

Donald Trump bei einem Treffen mit Senatoren im Weißen Haus Bild: dpa

Der neue amerikanische Präsident kassiert vor Gericht eine Niederlage nach der anderen. Auch Enthüllungen über seinen Arbeitsalltag irritieren. Anonyme Mitarbeiter des Weißen Hauses tratschen über den Präsidenten, seine Konzentration und Bademäntel.

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          Es ist eine Geschichte, die sich erst einmal ganz lustig anhört, dann aber doch nachdenklich macht. Mitten in der Nacht, genauer gesagt um drei Uhr morgens, soll Donald Trump vor kurzem seinen nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn angerufen haben. Dann soll er ihn gefragt haben, ob denn nun ein starker Dollar oder ein schwacher Dollar besser für die amerikanische Wirtschaft sei.

          Die Frage ist alles andere als trivial, wie viele führende Volkswirtschaftler schnell bestätigen. Doch auch sie macht stutzig, dass der Präsident sich damit ausgerechnet bei Flynn meldete, und dann auch noch zu nachtschlafender Zeit. Der frühere General, so wird aus dessen Umfeld berichtet, sei selbst überrascht gewesen und habe Trump geraten, doch lieber jemanden zu fragen, der sich besser im Thema auskenne. Das wiederum soll dem Präsidenten nicht gefallen haben.

          So weit, so bizarr, aber auch so normal. Dass Mitarbeiter des Weißen Hauses und anderer Behörden Interna aus dem Leben und Arbeitsalltag des amerikanischen Präsidenten ausplaudern, ist schließlich nichts Neues. Die Schlagzahl, mit der Beobachtungen und Informationen derzeit „geleakt“ werden, ist allerdings, gerade im Vergleich zu früheren Präsidentschaften, durchaus bemerkenswert.

          Trotzdem: Das Erregungspotential mancher in den Medien groß aufbereiteter Alltagsenthüllungen hält sich durchaus in Grenzen. Dass Trump etwa nachts im Bademantel allein durch die Gänge des Weißen Hauses tigere, zu viel Kabelfernsehen schaue und sich danach regelmäßig über die ihm gegenüber frechen Moderatoren beschwere, mag seltsam erscheinen, dürfte wohl allein kein Grund sein, an seinen präsidialen Fähigkeiten zu zweifeln. Ebenso wenig wie seine angebliche Kritik an den zu harten Handtüchern an Bord der Air Force One.

          Trumps Dünnhäutigkeit

          Dass der Präsident der Vereinigten Staaten aber offenbar keine langen Vorträge über sich ergehen lassen kann und stattdessen darauf bestehe, dass ihm alle wichtigen Informationen zu einem Thema stichpunktartig auf nicht mehr als einer Seite präsentiert werden, ist da schon deutlich seltsamer. Auch der rüde Ton, den er Insidern zufolge im Gespräch mit ausländischen Staatschefs an den Tag lege, liefert Grund zur Beunruhigung.

          Das eigentlich Alarmierende aber, so die Meinung vieler Beobachter, sei, dass sich all die angeblichen Charakterschwächen des Präsidenten, die in den durchgesteckten Innenansichten aus dem Weißen Haus durchschimmern (sollen), sowieso in der Politik und den öffentlichen Auftritten von Trumps gerade einmal dreiwöchiger Amtszeit zeigen.

          Dass Trump mit seinem überstürzt implementierten Einreisebann für Menschen aus sieben überwiegend muslimisch geprägten Staaten nun schon an zwei Gerichten gescheitert ist, lässt in den Köpfen vieler Amerikaner in der Tat das Bild eines inhaltlich schlecht vorbereiteten Getriebenen entstehen. Dass Trump im Laufe der Auseinandersetzung die zuständigen Richter wiederholt persönlich beleidigte, scheint zudem einmal mehr die viel zitierte Dünnhäutigkeit des Präsidenten unter Beweis zu stellen.

          Den Mund halten oder abhauen

          Diplomaten im eigenen Außenministerium, die Einwände gegen die präsidiale Agenda haben? Sollten besser gehen, ließ Trumps Pressesprecher Spicer ausrichten. Kritische Journalisten? Sollten besser „den Mund halten“, so Trumps Chefstratege Stephen Bannon. Die Botschaft ist klar: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns. Und wer unvorteilhafte Umfragezahlen präsentiert, ist „fake news“.

          Spicer und Trumps Chefberaterin Kellyanne Conway, die inzwischen sogar öffentlich für die Modekollektion von Trumps Tochter Ivanka Werbung macht, sehen sich offenbar sogar genötigt, „alternative Fakten“ zu bemühen, wenn ihr Chef sich in Verschwörungstheorien zum Zuschauerandrang bei seiner Inauguration oder einem angeblichen Betrug bei der Präsidentschaftswahl im November ergeht.

          Charakterlich ungeeignet?

          Dass Trump „charakterlich ungeeignet“ für die Präsidentschaft sei, hatten Hillary Clinton und andere politische Gegner im Wahlkampf immer wieder warnend prophezeit. Inzwischen ist der Ton noch unangenehmer geworden: Er glaube nicht, das Trump ein „psychisch gesunder Präsident“ sei, ließ Eliot Cohen, einst führender außenpolitischer Berater von Trumps republikanischem Vorgänger George W. Bush, in dieser Woche gegenüber der „Huffington Post“ verlauten.

          Trump über Senator : „Wir zerstören seine Karriere“

          Wie tickt Trump? Was geht in ihm vor? Wie lebt und arbeitet er im Weißen Haus? Es sind diese Fragen, die in diesen Tagen viele Menschen in den Vereinigten Staaten umtreiben. Einige anonyme Mitarbeiter Trumps, die immer neue Interna ausplaudern, scheinen ein besonderes Bedürfnis zu haben, die Fragen zumindest teilweise zu beantworten.

          Durch seine Dauerpräsenz in Reality-TV und Klatschpresse war Donald Trump auch vor seinem Wechsel in die Politik vielen Amerikanern bekannt. Jetzt aber lernen sie ihn erst richtig kennen. Als Präsidenten.

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