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Kommentar : Trumps enge Weltsicht

Unverhüllte Drohung nach Nordkorea: Donald Trump vor den UN Bild: AP

Manche mögen sich bei Trumps Litanei der Gefahren und Missstände an dessen Vorvorgänger Bush erinnert fühlen. Wie dessen Krieg im Irak endete, sollte auch dem Nachnachfolger eine Warnung sein.

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          Für einen, der im Wahlkampf kein gutes Haar an den Vereinten Nationen gelassen und allenfalls Häme und Spott für sie übrighatte, war das, was Präsident Trump im „Tempel des Multilateralismus“ zu sagen hatte, auffallend gemäßigt. Man wird ja nicht sagen können, dass die Aufforderung zur Entbürokratisierung des Apparats und zu mehr Effizienz maßlos wäre.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

          Selbst wenn Trumps eine enge Weltsicht verratende Parole „Amerika zuerst“ lautet, so ist er auch nicht der erste amerikanische Präsident, der den UN mit Kürzungen der Beiträge gedroht und der vor allem amerikanische Interessen im Sinne hätte. Und neu ist es auch nicht, dass ein Präsident die Vollversammlung der Vereinten Nationen mit der Forderung eröffnet, die sogenannte Weltgemeinschaft müsse sich konsequent den echten Bedrohungen und Gefahren für ebendiese Welt stellen; und zu denen gehören nun mal auch die dreisten nordkoreanischen Provokationen mit Atomversuchen und Raketentests. Die Mahnung, davor nicht den Kopf in den Sand zu stecken, ist kein Frevel. Die unverhüllte Drohung, die Trump in Richtung Nordkorea richtete, war unmissverständlich.

          Manche mögen sich bei Trumps Litanei der Gefahren und Missstände an dessen Vorvorgänger Bush erinnert fühlen. Auch der hatte die UN, genauer: den Sicherheitsrat, gedrängt zu handeln, bevor er die Sache selbst in die Hände nahm; das Ergebnis im Irak ist bekannt und sollte auch dem Nachnachfolger eine Warnung sein. Trump wird sich also ganz pragmatisch die Frage stellen, ob die Vereinten Nationen ein Vehikel sind, mit dessen Hilfe er amerikanische Ziele verfolgen kann, zum Beispiel die Denuklearisierung Nordkoreas.

          Dieser Konflikt wird ihm bislang zwar gezeigt haben, wie mühsam es ist, Einigkeit unter Akteuren mit disparaten Interessen herzustellen, und wie viele Abstriche man dabei machen muss. Aber er ist eben auch ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, den unilateralen Versuchungen, die im mörderischen Chaos enden könnten, zu widersagen und sich um internationale Geschlossenheit zu bemühen. Man muss die Vereinten Nationen nicht überhöhen. Aber sie zu schwächen und materiell ausbluten zu lassen kann nicht im Interesse Amerikas sein.

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