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Letzte Rede vor dem Amtseid : Trump gibt sich versöhnlich

  • Aktualisiert am

Donald Trump und seine Frau Melanie am Tag vor der Amtseinführung Bild: AP

Kurz vor seiner Vereidigung zum Präsidenten schlägt Donald Trump moderate Töne an. In New York protestieren gleichzeitig Tausende Menschen gegen ihn, darunter auch Prominente. Weitere Proteste sind geplant.

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          Am Vorabend seines Amtsantritts hat der künftige amerikanische Präsident Donald Trump angekündigt, das politisch wie gesellschaftlich stark polarisierte Land zusammenzuführen. „Wir werden unser Land vereinigen“, sagte Trump in einer Rede während eines Konzerts, das zu seinen Ehren in Washington gegeben wurde. Unter Anknüpfung an seinen Wahlkampfslogan sagte Trump, dass er Amerika zu einem „großartigen“ Land für alle machen wolle. Ähnlich hatte sich der Republikaner auch direkt nach seinem Wahlsieg geäußert. Seither sorgte er aber immer wieder mit aggressiven und provokativen Äußerungen, vor allem über den Kurzbotschaftendienst Twitter, für weitverbreitete Empörung.

          Es habe eine Bewegung begonnen, wie es sie auf der Welt noch nicht gegeben habe, fügte Trump hinzu. Man wolle nun echten Wandel im Land. Abermals machte Trump in Auftreten und Aussagen starke Anleihen an seinen Wahlkampf. Er wiederholte seine Slogans zu Jobs, der Mauer nach Mexiko, zu den Themen Handel und Militär. „Ich verspreche, dass ich hart arbeiten werde.“

          Trump wurde beim Besuch des Konzerts von seiner Familie begleitet. Das Konzert, bei dem neben anderen die Country-Sänger Lee Greenwood und Toby Keith sowie die Rockband 3 Doors Down aufgetreten waren, gehörte zum Auftakt der Feierlichkeiten um die Vereidigung.

          Laut Umfragen tritt der rechtspopulistische Immobilienmilliardär das Amt mit historisch niedrigem Rückhalt in der Bevölkerung an. Nur rund 40 Prozent der Bürger sehen ihn positiv. Sein Vorgänger Obama verlässt dagegen mit hohen Popularitätswerten das Weiße Haus.

          Die Feier am Vorabend der Amtseinführung zeugt schon vom Gespür für machtvolle Bilder Bilderstrecke
          Trump in Washington : Am Vorabend der Amtseinführung

          Mehrere dutzende Abgeordnete der Demokraten wollen die Vereidigungszeremonie boykottieren. Für Samstag ist dann ein „Frauenmarsch“ gegen Trump in der Hauptstadt geplant, zu dem Hunderttausende erwartet werden.

          Tausende demonstrieren in New York

          Bereits am Donnerstagabend protestieren in New York Tausende Menschen gemeinsam mit Stars wie Alec Baldwin und Robert De Niro. Mit Plakaten und Sprechchören versammelten sie sich mitten in Manhattan, wo mehrere Wolkenkratzer Trumps Namen tragen. „Trump ist ein schlechtes Beispiel für dieses Land, für diese Stadt“, sagte Schauspieler De Niro von einer Bühne zu den Demonstranten.

          Sein Kollege Baldwin nahm seine aus der Comedy-Show „Saturday Night Live“ bekannte Trump-Rolle ein. „Donald Trump und Steve Bannon und Mike Pence denken, dass ihr euch ducken werdet. Sie verstehen nicht, dass New Yorker sich nicht ducken.“ Auch die Schauspieler Mark Ruffalo und Julianne Moore, der Regisseur Michael Moore und der Bürgermeister der Millionenmetropole, Bill de Blasio, waren unter den Demonstranten. In den kommenden Tagen sind weitere Proteste in New York und vielen anderen amerikanischen Städten geplant.

          In der Hauptstadt Washington kam es zu Demonstrationen vor dem National Press Building, wo der sogenannte Deplorables Ball (übersetzt etwa: Ball der Beklagenswerten) von Trump-Anhängern stattfand. Die Bezeichnung ist eine Anspielung auf eine Äußerung von der Trump unterlegenen demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton im Wahlkampf. Sie hatte von den Trump-Anhängern als einem „Basket of Deplorables“ gesprochen. Die Polizei musste einschreiten, Demonstranten hatten vor dem Gebäude, in dem auch deutsche Medien ihre Redaktionsräume haben, kleinere Feuer gelegt.

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