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Donald Trump : „Eine Amtsenthebung wird zum Krieg führen“

Trump-Anhänger: Was machen seine Fans, wenn er wirklich des Amtes enthoben würde? Bild: dpa

Eine Amtsenthebung Donald Trumps scheint nicht mehr nur eine Wunschvorstellung linksliberaler Medien zu sein – doch viele seiner Fans wollen das nicht hinnehmen. Manche prophezeien schon Unruhen, falls das „Establishment“ ihr Idol stürzen sollte.

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          Der Hass der amerikanischen Rechten auf die „korrupten Eliten“ war schon immer groß – aber jetzt, da Donald Trump immer mehr in Bedrängnis gerät und das Wort Amtsenthebungsverfahren immer häufiger fällt, kennt er endgültig kein Halten mehr. „Sie wollen Trump eliminieren – egal, was es das Land kostet“, hetzte der Verschwörungstheoretiker Paul Joseph Watson in dieser Woche in einem Video auf der rechtspopulistischen Internetseite „infowars.com“.

          Oliver Georgi
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

          Von einer „hysterischen, sechs Monate langen Medienkampagne“ gegen Trump sprach Watson und von einem „Blitzkrieg“ des Establishments, das den Präsidenten loswerden wolle – koste es, was es wolle. „Diesen Sommer könnte die Situation explodieren. Der Weg zu einer Amtsenthebung von Trump wird zum Krieg führen – außerhalb von Amerika oder hier auf unseren Straßen“, sagte Watson und machte mit unterlegten Videobildern von Steine werfenden Linksradikalen klar, wer seiner Meinung nach dafür verantwortlich sein werde. Für Trump gebe es derzeit nur zwei Möglichkeiten, so Watson: Entweder er „säubere“ seine Regierung von der „Fünften Kolonne“ und tausche sein Kommunikationsteam vollständig aus, um dem „tiefen Staat“ Einhalt zu gebieten. „Der tiefe Staat hat Trump den Krieg erklärt. Es ist Zeit, zurückzuschlagen.“ Die andere Option, sagte Watson, sei Krieg.

          Trumps Anhänger am äußersten rechten Rand, das zeigt auch dieses Video, das auf „infowars.com“ fast 2500 Mal kommentiert wurde, sind nicht mehr nur besorgt angesichts der dramatischen Lage ihres Präsidenten, sie sind alarmiert. Trump selbst trage keine Schuld an dem Desaster, sondern ausschließlich das „System“, lautet das Narrativ – und es gibt einige, die offen mit Gewalt drohen, sollte Trumps Präsidentschaft in einem Amtsenthebungsverfahren enden. Die Seite „infowars.com“ wird von dem Radiomoderator Alex Jones betrieben, einem ultrarechten Verschwörungstheoretiker, der den 11. September für von der amerikanischen Regierung inszeniert und Homosexualität für eine Krankheit hält, die durch vom „tiefen Staat“ vergiftetes Leitungswasser  entsteht.

          Krude Botschaften mit großer Verbreitung

          Jones mag ein rechter Spinner sein, aber er ist einer mit großer Reichweite. Der Texaner verbreitet seine kruden Botschaften nicht nur auf der Seite „infowars.com“, die allein im vergangenen Monat nach Schätzungen weltweit mehr als fünf Millionen Leser hatte, sondern auch in seinem eigenen Internet-Fernsehsender „prisonplanet.com“ und einem Youtube-Kanal. Seine tägliche Radiosendung „Alex Jones Show“, die er in Austin produziert und in der er Hass und Verschwörungstheorien gegen die Demokraten, die korrupte Elite, die Klimaerwärmung und Homosexualität verbreitet, wird bei mehr als 100 Radiostationen in den Vereinigten Staaten gesendet.

          Allein am Sonntag erreicht Jones damit regelmäßig Millionen Zuhörer – pro Woche. Vor allem auf dem flachen Land ist es schwer, seinen Hetzparolen zu entkommen – und nicht nur in den Overfly-States sind auch viele gemäßigte Trump-Anhänger durchaus für sie empfänglich. Die wenigsten von ihnen würden wohl tatsächlich einen handgreiflichen „Krieg“ gegen das Establishment unterstützen. Trotzdem vergiften Männer wie Watson und Jones das politische Klima mit ihrer Kriegsrhetorik nur noch weiter, indem sie das Misstrauen gegenüber dem „System“ schüren.

          Sonderermittler : Ex-FBI-Chef soll Trumps Russland-Verbindungen untersuchen

          Wie tief der Graben ist, der zwischen glühenden Trump-Anhängern und erbitterten Gegnern mitten durch Amerika verläuft, zeigte sich in dieser Woche auch einmal mehr auf dem rechten Nachrichtenportal Breitbart. „Mit seinem Gerede von der Amtsenthebung erklärt das Establishment den Trump-Wählern den Krieg“, schrieb der Kommentator Joel Pollak auf der Seite, die als Sprachrohr der rechten Alt-Right-Bewegung gilt und früher von Trumps nur halb entmachtetem Chefstrategen Steve Bannon geleitet wurde. „Die Trump-Wähler verstehen sehr wohl, was da gerade passiert. Trump hat erklärt, dass er den Sumpf austrocknen will. Jetzt wehrt sich der Sumpf.“

          „Die Trump-Wähler werden zurückschlagen“

          Dann zitierte Pollak Bannon, der im Februar in einem Interview gesagt hatte, wer glaube, dass das Establishment das Land dem Volk ohne Kampf zurückgeben werde, habe sich getäuscht – jeder einzelne Tag werde ein Kampf werden. „Das Establishment hat einen künstlichen Notstand geschaffen, der gerade jene Institutionen bedroht, die das Establishment zu schützen vorgibt“, schrieb Pollak und prophezeite: Die Trump-Wähler würden zurückschlagen, spätestens bei den Mid-Term-Wahlen 2018. „Bis jetzt waren sie versucht, Trumps langsame Fortschritte in einigen Bereichen zu bestrafen, indem sie nicht wählen gehen“, so Pollak. „Aber dieses grundlose Gerede von einer Amtsenthebung bewirkt, dass sie wieder einmal für ihr Land kämpfen werden.“

          Er soll die Verbindungen von Trumps Team nach Russland als Sonderermittler untersuchen: der frühere FBI-Chef Robert Mueller
          Er soll die Verbindungen von Trumps Team nach Russland als Sonderermittler untersuchen: der frühere FBI-Chef Robert Mueller : Bild: afp

          Damit kommt es, wie manche es vorhergesagt hatten: Die massive Kritik an Trump, der wegen der Russland-Affäre längst mit dem Rücken zur Wand steht, hat bei seinen ergebenen Anhängern nicht zu plötzlichen Zweifeln an ihrem Heilsbringer geführt. Im Gegenteil: Je brenzliger es für ihn wird, desto geschlossener versammeln sich diejenigen hinter ihm, die die Angriffe auf den Präsidenten nur als weiteren Beleg für die Verderbtheit des Establishments sehen und es nun umso entschlossener bekämpfen wollen.

          Gräbt wieder einmal ganz tief in der Anschuldigungskiste: Donald Trump beklagt eine „Hexenjagd“
          Gräbt wieder einmal ganz tief in der Anschuldigungskiste: Donald Trump beklagt eine „Hexenjagd“ : Bild: Reuters

          Noch im April, als Trump überraschend einen Militäreinsatz in Syrien befahl und gegenüber Nordkorea Härte demonstrierte, war mancher unter seinen Anhängern entsetzt. Mancher, auch der Vormann der rechtsextremen Alt-Right-Bewegung Richard B. Spencer, hatte plötzlich ernsthafte Zweifel, ob Trump tatsächlich der richtige Mann sei. Doch jetzt, da das „System“ ihn so attackiert und schon öffentlich den Ablauf seines möglichen Sturzes diskutiert, sind diese Zweifel weitgehend vergessen.

          Ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump, so sehr viele Amerikaner es sich derzeit wünschen, dürfte die Spaltung in der amerikanischen Gesellschaft deshalb nur noch vertiefen. Eine Kostprobe, wie Trumps Anhänger eine mögliche Amtsenthebung umdeuten und sein Scheitern ins Gegenteil verkehren könnten, gab Anfang der Woche schon Roger Stone, einer seiner engsten Berater aus dem Wahlkampf. In einem Video, das bei Youtube binnen kurzer Zeit fast 300.000 Mal geteilt wurde, erläuterte er den Hebel, mit dem die Medien des „Establishments“ seiner Meinung nach Trumps „Vernichtung“ rechtfertigen wollten: mit dem 25. Verfassungszusatz. Danach kann der Vizepräsident das Amt des Präsidenten übernehmen, wenn der nicht mehr in der Lage ist, es auszuüben.

          „Sie werden sagen, dass Donald Trump Alzheimer hat, das ist der Spielplan“, sagte Stone und riet den Trump-Anhängern: „Seht genau hin.“

          Das werden sie. Dessen kann man sich sicher sein.

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