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Donald Trump : „Eine Amtsenthebung wird zum Krieg führen“

Sonderermittler : Ex-FBI-Chef soll Trumps Russland-Verbindungen untersuchen

Wie tief der Graben ist, der zwischen glühenden Trump-Anhängern und erbitterten Gegnern mitten durch Amerika verläuft, zeigte sich in dieser Woche auch einmal mehr auf dem rechten Nachrichtenportal Breitbart. „Mit seinem Gerede von der Amtsenthebung erklärt das Establishment den Trump-Wählern den Krieg“, schrieb der Kommentator Joel Pollak auf der Seite, die als Sprachrohr der rechten Alt-Right-Bewegung gilt und früher von Trumps nur halb entmachtetem Chefstrategen Steve Bannon geleitet wurde. „Die Trump-Wähler verstehen sehr wohl, was da gerade passiert. Trump hat erklärt, dass er den Sumpf austrocknen will. Jetzt wehrt sich der Sumpf.“

„Die Trump-Wähler werden zurückschlagen“

Dann zitierte Pollak Bannon, der im Februar in einem Interview gesagt hatte, wer glaube, dass das Establishment das Land dem Volk ohne Kampf zurückgeben werde, habe sich getäuscht – jeder einzelne Tag werde ein Kampf werden. „Das Establishment hat einen künstlichen Notstand geschaffen, der gerade jene Institutionen bedroht, die das Establishment zu schützen vorgibt“, schrieb Pollak und prophezeite: Die Trump-Wähler würden zurückschlagen, spätestens bei den Mid-Term-Wahlen 2018. „Bis jetzt waren sie versucht, Trumps langsame Fortschritte in einigen Bereichen zu bestrafen, indem sie nicht wählen gehen“, so Pollak. „Aber dieses grundlose Gerede von einer Amtsenthebung bewirkt, dass sie wieder einmal für ihr Land kämpfen werden.“

Er soll die Verbindungen von Trumps Team nach Russland als Sonderermittler untersuchen: der frühere FBI-Chef Robert Mueller
Er soll die Verbindungen von Trumps Team nach Russland als Sonderermittler untersuchen: der frühere FBI-Chef Robert Mueller : Bild: afp

Damit kommt es, wie manche es vorhergesagt hatten: Die massive Kritik an Trump, der wegen der Russland-Affäre längst mit dem Rücken zur Wand steht, hat bei seinen ergebenen Anhängern nicht zu plötzlichen Zweifeln an ihrem Heilsbringer geführt. Im Gegenteil: Je brenzliger es für ihn wird, desto geschlossener versammeln sich diejenigen hinter ihm, die die Angriffe auf den Präsidenten nur als weiteren Beleg für die Verderbtheit des Establishments sehen und es nun umso entschlossener bekämpfen wollen.

Gräbt wieder einmal ganz tief in der Anschuldigungskiste: Donald Trump beklagt eine „Hexenjagd“
Gräbt wieder einmal ganz tief in der Anschuldigungskiste: Donald Trump beklagt eine „Hexenjagd“ : Bild: Reuters

Noch im April, als Trump überraschend einen Militäreinsatz in Syrien befahl und gegenüber Nordkorea Härte demonstrierte, war mancher unter seinen Anhängern entsetzt. Mancher, auch der Vormann der rechtsextremen Alt-Right-Bewegung Richard B. Spencer, hatte plötzlich ernsthafte Zweifel, ob Trump tatsächlich der richtige Mann sei. Doch jetzt, da das „System“ ihn so attackiert und schon öffentlich den Ablauf seines möglichen Sturzes diskutiert, sind diese Zweifel weitgehend vergessen.

Ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump, so sehr viele Amerikaner es sich derzeit wünschen, dürfte die Spaltung in der amerikanischen Gesellschaft deshalb nur noch vertiefen. Eine Kostprobe, wie Trumps Anhänger eine mögliche Amtsenthebung umdeuten und sein Scheitern ins Gegenteil verkehren könnten, gab Anfang der Woche schon Roger Stone, einer seiner engsten Berater aus dem Wahlkampf. In einem Video, das bei Youtube binnen kurzer Zeit fast 300.000 Mal geteilt wurde, erläuterte er den Hebel, mit dem die Medien des „Establishments“ seiner Meinung nach Trumps „Vernichtung“ rechtfertigen wollten: mit dem 25. Verfassungszusatz. Danach kann der Vizepräsident das Amt des Präsidenten übernehmen, wenn der nicht mehr in der Lage ist, es auszuüben.

„Sie werden sagen, dass Donald Trump Alzheimer hat, das ist der Spielplan“, sagte Stone und riet den Trump-Anhängern: „Seht genau hin.“

Das werden sie. Dessen kann man sich sicher sein.

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