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Kommentar : Zerbricht die Partei an Trump?

Donald Trump hat mit der Pose des Volkstribuns viele Wähler für sich gewonnen. Bild: AP

Donald Trump stachelt den Hass der Menschen auf die politischen Eliten noch an und ist damit erfolgreich. Nichts deutet darauf hin, dass die zornigen Wähler die Lust am „Aufstand“ verlieren.

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          Die Hoffnung, welche die Parteiführung der Republikaner volens nolens, also zuletzt voller Verzweiflung, in Marco Rubio gesetzt hatte, hat sich ausgerechnet in dessen Heimatstaat in Nichts aufgelöst. Der junge Senator erlitt eine böse, demütigende Niederlage – nach einer schwachen, alles andere als mitreißenden Kampagne zog er die logische Konsequenz und gab seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner auf. Und so muss man sich langsam wirklich mit dem Gedanken anfreunden, dass bis zum Nominierungsparteitag im Juli Donald Trump die meisten Delegiertenstimmen gewonnen haben wird; ob relativ oder absolut, das wird sich allerdings noch zeigen.

          Klaus-Dieter Frankenberger
          Redakteur in der Politik.

          Denn auch am zweiten, nicht ganz so großen „Super-Dienstag“ fuhr der Immobilienmilliardär die größte Ernte ein. Der Senator Ted Cruz, auch er ganz gewiss kein Liebling des „Establishments“, sondern ebenso verhasst, sammelte Stimmen ein, aber zu einem Sieg in einem Bundesstaat reichte es nicht. Das gelang zwar ziemlich deutlich dem politisch gemäßigten Gouverneur John Kasich in seinem Heimatstaat Ohio, aber für den Ausgang der Vorwahlen spielt er keine Rolle; es ist auch nicht klar, welches Ziel Kasich, der ein Mann der Vernunft ist, eigentlich verfolgt.

          Die Republikaner haben nun den Salat, den sie mit ihrer sturen Obstruktionspolitik in Washington wenigstens zum Teil selbst gepflanzt haben. Die beiden Bewerber, welche den Vorwahlkampf beherrschen, sind der Populist und Demagoge Trump, der vor allem, und mit gehörigem Abstand der erzkonservative Cruz. Auf diese beiden läuft es jetzt hinaus. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass in den kommenden Wochen die zornigen republikanischen Vorwähler plötzlich innehalten und die Lust auf den „Aufstand“ verlieren. Auch künftig wird Trump mit seinen großspurigen Parolen Erfolg haben, bei jenen Weißen aus der Arbeiterschaft und der unteren Mittelschicht, die sich abgehängt fühlen in einem Amerika, das geprägt ist von raschem sozialen und wirtschaftlichen Wandel; und die, das ist eine andere Wahrheit, von ihrer Loyalität zur republikanischen Politik in den vergangenen Jahren wenig hatten.

          Trump verspricht das zu ändern – warum sollten sie ihn weniger attraktiv finden als jene, die politisch und symbolisch bislang für sie nicht so viel getan haben? Es kann sein, dass an diesem Konflikt die Partei noch zerbricht. Man sollte sich weniger über Trump aufregen und empören, der unbestritten durch seine üble Rhetorik aus dem Repertoire des demagogischen Spalters den Hass der Leute noch anstachelt, als nach den Gründen fragen, warum so viele in ihm den Heilsbringer sehen.

          Bei den  Demokraten hat sich Hillary Clinton durchgesetzt, aber mit großen Sprüngen abgesetzt von ihrem hartnäckigen Verfolger Bernie Sanders hat sie sich auch wieder nicht. Selbst wenn ihr, der Favoritin gestern und der Favoritin morgen, die Präsidentschaftskandidatur nicht zu nehmen sein dürfte, so spielt sich auch bei den Demokraten eine Art Aufstand ab. Auch traditionell ihnen zugeneigte Wähler, zum Beispiel Industriearbeiter, sehen sich als Verlierer der Globalisierung der amerikanischen Wirtschaft; sie sind empfänglich für die handelspolitische Kritik des selbsternannten Sozialisten. Und wer weiß, ob sie nicht im November die Seiten wechseln würden, so wie sie das schon früher, als „Reagan-Democrats“, getan haben.

          Die frühere Außenministerin Clinton ist jedenfalls das ultimative Geschöpf des Apparats und des demokratischen Establishments, unabhängig davon, dass sie von den sogenannten Minderheiten in ihrer Wählerkoalition verehrt und auf Händen getragen wird. Aber jene Wähler, die es zu Sanders und auf der anderen Seite zu Trump zieht, tun das nicht zuletzt in einer Gegenreaktion zu Politikern wie ihr. Die Probleme, welche diese Wähler frustriert und in Wut versetzt, würde auch eine Präsidentin Clinton erben.

          Amerikanische Vorwahlen : Donald Trump triumphiert am kleinen „Super-Dienstag”

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