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Gelöschter Tweet : Bei Trump kommt CNN unter die Räder

  • Aktualisiert am

Er kann das Twittern nicht lassen: Donald Trump Bild: AFP

In Charlottesville fährt ein Rechtsradikaler mit seinem Auto in eine Gruppe friedlicher Gegendemonstranten. Eine Frau stirbt. Tage danach teilt Trump auf Twitter einen umstrittenen Cartoon, und löscht ihn kurz darauf wieder. Was steckt dahinter?

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          Drei Tage nach den Ausschreitungen bei einer Demonstration von Rechtsradikalen in der amerikanischen Stadt Charlottesville hat Donald Trump  auf Twitter Aufsehen erregt. Der amerikanische Präsident teilte einen Cartoon, in dem ein Zug auf eine Person zurollt, deren Kopf von einem CNN-Logo überdeckt wird.

          Wie die „Washington Post“ berichtet, postete er das Bild einer Unterstützerin, die ihren Tweet mit den Worten „Nothing can stop the TrumpTrain“ versehen hatte. Obwohl der Präsident das Bild nach kurzer Zeit wieder löschte, war der Cartoon in der Zwischenzeit hundertfach auf Twitter geteilt worden.

          Das Bild des Zuges, der auf einen Menschen zufährt, erinnert stark an die Attacke des Autofahrers, der am Wochenende in eine Gruppe von Demonstranten in Charlottesville gerast war. Am Samstag hatten sich dort mehrere hundert Angehörige verschiedener rechtsnationalistischer und rassistischer  Gruppen zu einer Kundgebung des Ku-Klux-Klans versammelt. Bereits vor der Versammlung war es zu Gewalt zwischen Rechten und Gegendemonstranten gekommen. Während der Veranstaltung raste ein Autofahrer offenbar absichtlich in eine Menschengruppe. Der 20 Jahre alte Täter soll eine nationalsozialistische Gesinnung gehabt haben. Bei dem Anschlag starb eine 32-jährige Frau und insgesamt 19 Menschen wurden verletzt.

          Donald Trump war in der Öffentlichkeit und auch im Weißen Haus stark dafür kritisiert worden, dass er die rechtsextremen Aktivisten, die sich unter dem Motto „Vereinigt die Rechte“ versammelt hatten, in seinen Äußerungen nicht direkt nach dem Anschlag verurteilte. Erst am Montag hatte der Präsident sich daraufhin bemüht, eine klare Haltung gegenüber den rechten Gruppierungen in Charlottesville zu demonstrieren, indem er Rassismus als „böse“ bezeichnete und sagte, dass rassistisches Verhalten den amerikanischen Werten entgegenstehe.

          Amerika : Trump verurteilt nun doch Gewalt von Rassisten

          Doch gleichzeitig schien der Präsident eifrig bemüht, Reporter für seinen schlechten Stand in der Öffentlichkeit verantwortlich zu machen. Im Fokus seiner Bemühungen stand der amerikanische Nachrichtensender CNN. Am Montag fragte der CNN-Korrespondent Jim Acosta Trump auf Twitter, aus welchem Grund er so lange mit der namentlichen Verurteilung der rassistischen Gruppen gewartet habe und warum er nicht auf die Fragen von Journalisten eingegangen sei. Daraufhin erwiderte der Präsident „I like real news, not fake news“ und bezeichnete Acosta als „Fake News“.

          Vor diesem Hintergrund ist auch die Verbreitung des Cartoons als eine Handlung Trumps zu verstehen, die sich entschieden gegen die amerikanischen Medien richtet. In Reaktion auf die vielen empörten Antworten, die die Zeichnerin des Cartoons auf Twitter erhalten hatte, versuchte sie die Intention des Bildes genauer zu erklären und wies daraufhin, dass die Person im Bild, die einen CNN-Reporter symbolisieren soll, nicht von dem Trump-Zug überrollt werde, sondern sich im Gegenteil so stark mit ihrem ganzen Gewicht gegen den nahenden Zug stelle, dass sogar die Holzbretter der Schienen aus dem Gleisbett fielen. Ob auch Donald Trump die Intention der Zeichnerin so verstanden haben wird, bleibt allerdings fraglich.

          Die Seitenhiebe gegen die Medien sind bereits seit den frühen Tagen von Trumps Präsidentschaft bekannt. Der Sender CNN stand erst vor kurzem auf Twitter im Fokus des Präsidenten. So hatte Trump im Juli auf Twitter ein Video geteilt, in dem auf er eine Figur einschlug, deren Kopf ebenfalls durch das Logo des CNN ersetzt worden war. Wie die New York Times berichtet, war das Video ein bearbeiteter Ausschnitt von älteren Aufnahmen, in denen Trump an einem professionellen Ringkampf teilgenommen hatte.

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