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Verhältnis zu Amerika : Die Präsidenten gefielen den Deutschen nur selten

  • -Aktualisiert am

Ronald Reagan mit Bundestagspräsident Philipp Jenninger (links) und Bundeskanzler Helmut Kohl am 12. Juni 1987 in Berlin vor dem Brandenburger Tor, wo er forderte: „Mr. Gorbachev, tear down this wall! " Bild: AP

Carter verärgerte die Deutschen mit seiner Unterstützung der Neutronenbombe, Reagan mit seiner Schauspieler-Vergangenheit und Bush mit dem Irakkrieg: Auch vor Donald Trump gab es Tiefpunkte in den deutsch-amerikanischen Beziehungen. Ein Gastbeitrag.

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          In meiner fünfzigjährigen Tätigkeit für die deutsch-amerikanischen Beziehungen bin ich immer wieder einer Sichtweise der deutsch-amerikanischen Beziehungen begegnet, die man als einen Zwangszustand beschreiben könnte – meist aus deutscher Perspektive. Oft hatte dies mit der Wahrnehmung des amerikanischen Präsidenten zu tun. Angesichts des Charakters, des Verhaltens und des Kommunikationsstils des derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten ist es wenig überraschend, dass die deutsche Sicht der deutsch-amerikanischen Beziehungen auch jetzt wieder in einem Zustand des Zwangs, der Unzufriedenheit und sogar der Verzweiflung zu sein scheint. Mir ist dieses Bild wohlbekannt.

          Im vergangenen halben Jahrhundert gab es zehn Präsidenten im Weißen Haus. Die Hälfte von ihnen war in der deutschen öffentlichen Meinung während ihrer Amtszeit aus verschiedenen Gründen, die mit der amerikanischen Außenpolitik in Europa oder anderswo zu tun hatten, nicht sehr beliebt. Johnson und Nixon waren unbeliebt wegen ihrer Politik in Vietnam. Jimmy Carter verärgerte durch seine Unterstützung von Initiativen wie der Neutronenbombe, seinen eifrigen Fokus auf die Menschenrechte und seine Abneigung gegen Bundeskanzler Helmut Schmidt – ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruhte. Ronald Reagan kam 1981 ins Amt und missfiel den Deutschen sofort, als er von der Sowjetunion als einem bösen Imperium sprach, aber auch, weil ihnen ein ehemaliger Filmschauspieler als Präsident fragwürdig erschien. Dabei war er zuvor schon zwei Amtszeiten lang Gouverneur von Kalifornien gewesen.

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