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Das ländliche Amerika : Die Rache der „Erbärmlichen“

Der Besitzer dieses Hauses in Bellmore im Bundesstaat New York hat seine Wahlentscheidung mutmaßlich getroffen. Bild: Reuters

Jott-we-de ist Trumpland. Weiße Trump-Anhänger und weiße Clinton-Anhänger unterscheiden sich am stärksten in ihrer Frömmigkeit, der Bildung und dem Wohnort. Warum die Landbewohner den Hohn der Städter nicht mehr ertragen können.

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          Wer die Stadt Washington, Amerikas Metropole mit dem höchsten Anteil an Sympathisanten der Demokratischen Partei, hinter sich lässt und Richtung Süden fährt, macht sehr bald eine interessante Erfahrung. Die Hillary-Plakate fehlen. Kein Poster, kein Banner, kein Schild erinnert im ruralen Teil Virginias mehr daran, dass sich auch Hillary Clinton zur Wahl stellt, um Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Dafür hängt an Weidezäunen und Straßenlaternen alle paar Kilometer Wahlwerbung für Donald Trump. Das gleiche Erlebnis teilen Amerikaner, wenn sie die Stadtgrenzen von Philadelphia, Denver oder Chicago hinter sich lassen.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Könnte Landschaft wählen, Donald Trump würde unweigerlich ins Weiße Haus einziehen. Die digitalen Landkarten, die Wahlforscher im Fernsehen präsentieren, bestätigen diesen Eindruck. Die urbanen Gebiete um New York, Boston, Philadelphia, Washington, San Francisco, Denver, Atlanta, Charlotte und Los Angeles sind im Blau der Demokraten gefärbt, je blauer, je dichter am Zentrum der Stadt. Doch auf dem Land regiert das Rot der Republikaner. Und die ganze Landkarte sieht aus wie ein roter Ozean mit ein paar blauen Inseln.

          Jott-we-de ist Trumpland. Weiße Trump-Anhänger und weiße Clinton-Anhänger unterscheiden sich am stärksten in drei Kriterien: In der Frequenz des Kirchenbesuchs, in den erreichten Bildungsabschlüssen und darin, ob sie auf dem Lande wohnen oder in urbanen Zentren. Clintons Freunde sind tendenziell weniger fromm, haben eher einen Hochschulabschluss und wohnen in der Großstadt.

          Wo Trump-Anhänger selten wie exotische Tiere sind

          In Washingtons gehobenem Stadtteil Palisades (wo der Autor lebt) sind Trump-Anhänger so selten wie exotische Tiere. Eine Frau im Glitzerfrack, die beim traditionellen Umzug des Nationalfeiertags am 4. Juli mitmarschierend für Trump Werbung machte, erntete Erstaunen, Hohn, Sprüche und auch eine gewisse Anerkennung für den Bekennermut im Feindesland. In Gesprächen stellte sich heraus, dass die Frau von außerhalb war. Das wirkte beruhigend.

          Als aber im Garten eines Hauses an einer stark frequentierten Durchgangstraße ein Werbeschild für Trump auftauchte, war das tagelang ein Gesprächsthema im ganzen Viertel: Wer macht denn so was? Und wie kommt ein Mensch, der so denkt, in unser Viertel? Die Hillary-Schilder, die in nicht wenige Vorgärten verpflanzt worden waren, bedurften keiner Erwähnung, sie waren kulturell bestens integriert.

          Später erschütterte noch ein weiteres Ereignis die Bewohner der Palisades bis ins Mark. Ein Mann aus West-Virginia hatte mitten im Viertel in einem Wäldchen nahe des Spielplatzes einen Hirsch erschossen mit einer Handfeuerwaffe. Das Entsetzen über diese Tat vibrierte förmlich durch den Nachbarschafts-E-Mail-Verteiler. Der Mann wurde unter großer Zustimmung der Bevölkerung abgeführt und später wegen fünf verschiedener Vergehen angeklagt, darunter Tierquälerei und unerlaubter Waffenbesitz. Er kommt aus einem 700-Seelen Dorf in West-Virginia knapp zwei Stunden von Washington entfernt.

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