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Trump schadet Amerika : Das Ego wichtiger als das Bündnis

Donald Trump verlässt am15. April das Podium im Rosengarten des Weißen Hauses. Bild: AFP

Berlin hat es Trump leicht gemacht, im Wahlkampf die deutsche Karte zu spielen. Doch schadet er mit dem Truppenabzug auch den Interessen Amerikas.

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          Der größte Beifall kam aus Moskau. Begleitet wurde das Lob für Trumps Entscheidung, die amerikanischen Truppen in Deutschland um ein knappes Drittel zu verringern, von der Forderung, auch gleich noch die taktischen Atomwaffen abzuziehen. Versuchen kann man es ja, schließlich verlangt das auch die SPD. Und der amerikanische Präsident ist offensichtlich zu allem fähig. Auch seine Bündnis- und Sicherheitspolitik, so man von einer solchen sprechen will, wird nicht von strategischen Überlegungen geleitet, sondern von seinem Geltungsbedürfnis.

          Höchste Befriedigung erführe es durch die Wiederwahl. Weil diese gefährdet erscheint, spielt Trump jetzt alle Trümpfe aus, von denen er hofft, sie könnten noch stechen. Die deutsche Karte drosch er schon immer gerne auf den Tisch, obwohl sie in Amerika bei weitem nicht so gut zieht wie etwa die chinesische.

          Freilich ist Trump dieses Spiel auch leichtgemacht worden durch den Unwillen der großen Koalition, die Verteidigungsausgaben auf den Nato-Zielwert zu erhöhen. Und auch in Sachen Nord Stream 2 kann man anderer Ansicht sein als die Regierung Merkel. Doch mit der Brüskierung oder gar „Bestrafung“ der Verbündeten, die nicht nach seiner Pfeife tanzen, ob beim Handel, der Rüstung oder auch nur in einer G-7-Gipfel-Show, schadet Trump auch den Interessen Amerikas.

          Dessen Soldaten sind nicht nur in Deutschland, um die „delinquenten“ Deutschen bei ihren Deals mit Moskau zu beschützen. Bis zu Trumps Amtsantritt war es in Washington herrschende Meinung, dass Amerikas Freiheit, Wohlstand und Sicherheit schon in Europa und vor allem in dem Land in seinem Herzen verteidigt werden. Trump hat das offenbar bis heute nicht verstanden. Die Pflege seines Egos scheint ihm jedenfalls wichtiger zu sein als die des Bündnisses.

          Darauf zu setzen, dass der Spuk nach der Präsidentenwahl vorbei und alles wieder so sein werde wie früher, wäre jedoch grob fahrlässig. Auch wenn Biden gewinnt, wird Washington sich auf die wachsende chinesische Herausforderung konzentrieren – und Europa stärker als bisher selbst für seine Sicherheit sorgen müssen.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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