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Oleander-Extrakt : Trumps neues Corona-Wundermittel?

Im Kampf gegen das Coronavirus setzt Amerikas Donald Trump auf Mittel, deren medizinischer Nutzen nicht erwiesen ist. Bild: dpa

Donald Trump setzt sich angeblich für die Zulassung eines pflanzlichen Produkts ein. Einer seiner reichen Unterstützer hat in die Firma investiert, die es als Heilmittel gegen Covid-19 vermarkten will.

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          Im Kampf gegen das Coronavirus ist seine Vorliebe für Chloroquin bekannt. Nun hat der amerikanische Präsident offenbar ein weiteres angebliches Wundermittel für sich entdeckt. Oleandrin, ein Extrakt aus der Oleanderpflanze, mit dem sein finanzkräftiger Unterstützer Mike Lindell bald Geld verdienen will. Dem Nachrichtendienst Axios sagte Lindell, nachdem er Donald Trump von dem pflanzlichen Produkt zur angeblichen Heilung von Covid-19 berichtete, habe dieser ihm „im Prinzip gesagt“, dass die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA es zulassen sollte. Hohe Regierungsmitarbeiter bestätigten gegenüber Axios, dass es im Weißen Haus Gespräche über Oleandrin gebe.

          Tim Niendorf

          Politikredakteur.

          Trump soll Lindell im Juli im Oval Office empfangen haben. Mit dabei waren demnach Wohnungsbauminister Ben Carson, ein Neurochirurg und Mitglied der Coronavirus-Taskforce des Präsidenten, sowie Andrew Whitney, ein Vorstand des Unternehmens Phoenix Biotechnology, das Oleandrin herstellt. Trumps Freund Lindell ist Gründer und Chef des Unternehmens My Pillow und ein großer Werbetreibender bei Fox News. Er hat sich finanziell an Phoenix Biotechnology beteiligt und Whitney dann das Treffen mit Trump arrangiert.

          Gegenüber Regierungsmitarbeitern soll Whitney behauptet haben, Oleandrin heile Covid-19 innerhalb von zwei Tagen. Einen Beweis lieferte er dafür bisher nicht. In einem Interview mit Axios verteidigte Whitney sich: Oleandrin sei am Menschen auf seine Wirksamkeit gegen Covid-19 getestet worden, die Studie sei aber noch nicht öffentlich.

          Für Whitney gibt es nun zwei Wege zum Erfolg. Zum einen könnte Oleandrin als Medikament anerkannt werden. Das würde aber eingehende Prüfungen voraussetzen. Eine andere Möglichkeit, die Whitney nach eigenen Angaben prüft, ist es, Oleandrin als Nahrungsergänzungsmittel anerkennen zu lassen. Das würde schneller gehen. In dem Fall dürfte das Unternehmen aber nicht mehr damit werben, dass das Mittel gegen Covid-19 wirkt. Umso hilfreicher könnte es für die Firma und ihre Investoren sein, wenn der Präsident diese Behauptung öffentlich aufstellen sollte.

          Es heißt, dass sich Bauminister Carson in der Regierung und bei Trump engagiert für Oleandrin einsetze. Auch Carson ist mit Lindell befreundet. Doch das Ansinnen, den Pflanzenextrakt als Mittel gegen Covid-19 zu vermarkten, stößt in der Bundesverwaltung auf Widerspruch. Stephen Hahn, der Kommissar für die Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde FDA, ist dem Vernehmen nach von dem angeblichen Wundermittel nicht überzeugt. Auch an dem besagten Treffen im Oval Office nahm er offenbar nicht teil.

          Im März hatte die FDA nachgegeben, nachdem Trump sie aufforderte, Hydroxychloroquin zur Behandlung von Covid-19 freizugeben. Erst im Juni zog die Behörde die Zulassung für diese Anwendung zurück, weil sie Herzrhythmusstörungen verursache. Trump hatte im Mai versichert, das Medikament selbst einzunehmen.

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