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Corona-Ausbreitung in Amerika : „Das wird die Prüfung unseres Lebens“

  • -Aktualisiert am

Das medizinische Schiff „Comfort“ am Pier 90 in Manhattan Bild: Reuters

Während sich New York auf das Schlimmste einstellt, blickt der Krisenstab schon auf die nächsten Hotspots in anderen Bundesstaaten. Doch Präsident Trump verweigert sich dem nationalen „Lockdown“ noch immer.

          3 Min.

          Das „Walter Reed National Military Medical Center“ verfügt über einen großen Campus. Das bekannte Militärhospital in Bethesda nördlich von Washington steht direkt gegenüber vom „National Institute of Health“, dem Arbeitsplatz Anthony Faucis, Amerikas bekanntestem Immunologen. Vor dem Krankenhaus ist vor einigen Tagen ein großes Militärzelt aufgebaut worden.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Das Pentagon, zu dem das Militärhospital gehört, ist längst eingebunden in das Pandemie-Krisenmanagement der Regierung. Lazarettschiffe wurden nach New York und Kalifornien geschickt. Und am Wochenende gab Präsident Donald Trump bekannt, dass er auch Soldaten in die Bundesstaaten entsenden werde. Den Aktivitäten in Bethesda ist zu entnehmen, dass sich das Verteidigungsministerium auch auf den nicht mehr so fernen Tag vorbereitet, an dem die Welle Washington erreicht.

          Deborah Birx, die Leiterin des Corona-Krisenstabes, zeigte am Sonntag im Weißen Haus auf eine Grafik. „Die ansteigende Kurve, die Sie dort sehen, ist der District of Columbia“, sagte sie. Die Epidemiologin erläuterte, wie der Stab anhand positiv getesteter Personen künftige Hotspots verortet. Im derzeitigen Epizentrum der Pandemie in Amerika, in New York und dem benachbarten New Jersey, beträgt die Rate der positiv Getesteten 35 Prozent. Auf Rang drei folgt Louisiana mit 26 Prozent. Sodann: Michigan (mit dem Epizentrum Detroit), Connecticut (als Teil des Großraums New Yorks City), Indiana, Georgia und Illinois mit 15 Prozent. Schließlich Colorado, Rhode Island, Massachusetts und ebendie Hauptstadt Washington mit dreizehnProzent. „Das zeigt Ihnen, wo die nächsten Hotspots liegen“, sagte Birx.

          „Das wird ein Test unserer Widerstandskraft“

          Aufgabe des Krisenstabes ist momentan zweierlei: der Metropolregion New York helfen, wo es eben geht, und Vorbereitungen für die nächsten Staaten treffen, deren Krankenhäuser das Virus auf die Probe stellen wird. Trump spricht von einer „militärischen Operation“. Man stehe hier in Washington in der Etappe und sei bereit auszurücken, wenn man wisse, wo die nächste Front sei. Der Präsident bezieht sich auf den „nationalen Vorrat“ vor allem an Beatmungsgeräten.

          Ein Teil der Geräte sei schon an bedürftige Bundesstaaten verteilt worden. Der Rest werde zurückgehalten und komme zum Einsatz, wenn man sehe, wo der Bedarf am größten sei. Immer wieder hebt der Präsident dieser Tage hervor, es werde in den beiden kommenden Wochen „viele Tote geben“. Jerome Adams, der „Surgeon General“, der oberste Gesundheitsbeamte der Vereinigten Staaten, spricht gar von einem „Pearl-Harbor-Moment“, der auf die Amerikaner zukomme: „Das wird ein Test unserer Widerstandskraft. Das wird die Prüfung unseres Lebens.“

          Der nächste Hotspot ist Louisiana. In dem Südstaat ist die Zahl der registrierten Fälle zuletzt um zwanzig Prozent auf 13.000 gestiegen. Fast 500 Covid-19-Todesfälle gibt es bislang. Gouverneur John Bel Edwards schlägt Alarm: Statistisch gesehen, werde es am 9. April nicht mehr genug Beatmungsgeräte geben, sagt er mit Blick auf die steigenden Patientenzahlen. Im Großraum New Orleans befürchtet man ein besonders schlimmes Szenario: Hier trifft eine im Landesdurchschnitt überproportional arme Bevölkerung mit einem hohen Anteil typischer Vorerkrankungen (Diabetes, Fettleibigkeit) auf ein veraltetes Gesundheitssystem.

          Keinerlei Alarmsignale aus Washington?

          Dem Demokraten Edwards steht die Verzweiflung ins Gesicht geschrieben. Er gesteht inzwischen freimütig ein, dass der Ausbruch des Coronavirus in seinem Bundesstaat mit den Mardi-Gras-Festivitäten Ende Februar in New Orleans zusammenhängt. Natürlich verweist er darauf, dass es aus Washington auch keinerlei Warnsignale gegeben habe. In der gegenwärtigen Notlage hält sich aber keiner lange mit gegenseitigen Anschuldigungen auf. Dafür wird im Herbst noch genug Zeit sein.

          Hingegen ist das Unverständnis darüber groß, dass es immer noch Bundesstaaten ohne Bestimmungen zur Kontaktvermeidung gibt. In Wyoming, dem Bundesstaat, der nach Alaska die geringste Bevölkerungsdichte in Amerika aufweist, glaubt die Regierung, ihre 580.000 Einwohner seien sicher. Derzeit gibt es 200 registrierte Covid-19-Fälle. An dem Virus gestorben ist in dem Rocky-Mountain-Staat bisher noch niemand.

          Trump lehnt eine nationale Anweisung zum „Social Distancing“ ab. Er wolle dies den Gouverneuren überlassen, sagt der Präsident, der auf die Verfassungslage verweist. Seine Kritiker halten dies für absurd: Niemand würde in der gegenwärtigen Lage einen Rechtsstreit vom Zaun brechen. Wenn der Präsident für eine nationale Lösung einträte, würden sich alle daran halten. Der Immunologe Fauci, der bekannt dafür ist, die Dinge klar zu benennen, fordert jedenfalls einen „National lockdown“.

          „Trumps Kommunikation ist ziemlich verwirrend“

          Welche Folge ein verspätetes Agieren hat, bekommt derzeit Ron DeSantis zu spüren. Der Gouverneur von Florida hat erst am vergangenen Freitag eine „Stay at home“-Order für den gesamten Bundesstaat erlassen. Vorher galten nur in einzelnen Landkreisen Beschränkungen für das Wirtschaftsleben. Der Republikaner DeSantis, ein enger Verbündeter Trumps, glaubte anfangs mit Quarantäne-Bestimmungen für New Yorker auszukommen, die vor dem Virus in ihrem Bundesstaat in den Süden geflohen waren. Inzwischen gibt es in Florida nahezu 13.000 registrierte Covid-19-Fälle – und 221 Tote. Täglich kommen 800 positiv Getestete hinzu.

          In Washington, Virginia und Maryland, vor allem in der Metropolregion um den Distrikt herum, gibt es inzwischen mehr als 7000 registrierte Fälle – und 141 Tote. Muriel Bowser, die Bürgermeisterin von Washington, verschärfte am Sonntag die Bestimmungen zur Kontaktvermeidung. Und Marylands Gouverneur Larry Hogan legt sich nahezu täglich mit Trump an. Der Republikaner, der sich dem Trumpismus verweigert, sagt offen, dass die Behauptung des Präsidenten, es gebe ausreichend medizinisches Gerät, einfach nicht stimme. Im Übrigen sei Trumps Kommunikation ziemlich verwirrend.

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