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„Ich nenne es ein Heilmittel“ : Trump verspricht kostenlose Covid-Behandlung mit Antikörper-Mitteln

  • Aktualisiert am

In einer Videobotschaft vom 7. Oktober 2020 bezeichnet der amerikanische Präsident Donald Trump seine Corona-Infektion als „Gottes Segen“, durch den er ein „Heilmittel“ gefunden habe, dass er allen Amerikanern kostenlos zur Verfügung stellen wolle. Bild: Reuters

Seit Monaten liegt Trump in Umfragen hinter seinem Herausforderer Biden, nach der Corona-Infektion fiel er weiter zurück. Jetzt will der Präsident aus der Not eine Tugend machen: Seine Erkrankung sei „Gottes Segen“, durch den er ein Heilmittel für alle entdeckt habe.

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          Kurz vor dem Duell der Vize-Präsidentschaftskandidaten Mike Pence und Kamala Harris hat der amerikanische Präsident Donald Trump seinen Landsleuten eine kostenlose Covid-Behandlung mit Antikörper-Mitteln versprochen, wie er sie bekommen hat. „Ich nenne es ein Heilmittel“, verkündete Trump in einem am Mittwoch veröffentlichten Video. Er wolle den raschen Einsatz der Arzneien mit einer außerordentlichen Erlaubnis ermöglichen.

          Der Präsident war vergangene Woche mit einem noch experimentellen Mittel der Biotech-Firma Regeneron behandelt worden. Danach habe er sich binnen 24 Stunden „großartig“ gefühlt, schwärmte Trump. „Ich will, dass Sie bekommen, was ich bekommen habe – und ich werde es kostenlos machen.“ Es gebe „hunderttausende Dosen“ davon, und man wolle sie so schnell wie möglich in die Krankenhäuser bringen. Das Militär sei für die Verteilung zuständig, sagte Trump. „Das nennt man Logistik.“ Unklar ist allerdings, ob und wie der Zulassungsprozess für so neue Medikamente beschleunigt werden kann.

          Es sei „Gottes Segen“ gewesen, dass er an Covid-19 erkrankt sei, sagte Trump weiter. Dadurch sei er auf die Antikörper-Behandlung aufmerksam geworden. „Ich hatte von diesem Medikament gehört. Ich sagte, lasst mich das nehmen. Es war mein Vorschlag. Und es war unglaublich, wie es gewirkt hat“, sagte Trump. „Und wenn ich mir das nicht eingefangen hätte, hätten wir es nur in einer Reihe mit anderen Medikamenten betrachtet.“

          Biden: „Es ist eine Tragödie“

          Experten vermuten schon seit längerem, dass eine Antikörper-Behandlung ein effizienter Weg zur Covid-Bekämpfung sein kann. Allerdings gibt es bisher noch wenig Erfahrungen damit. Regeneron hatte wenige Tage vor Trumps Behandlung erst einen Test mit 275 Patienten bekanntgegeben. Die Antikörper richten sich gegen zwei Regionen des Spike-Proteins auf der Oberfläche des Sars-CoV-2-Virus. Dem amerikanischen Präsidenten standen neben dem für gewöhnliche Bürger nicht erhältlichen Medikament auch mehrere Spitzenärzte rund um die Uhr zur Verfügung. In den Vereinigten Staaten sind bereits mehr als 211.000 Menschen nach einer Coronavirus-Infektion gestorben.

          „Es ist eine Tragödie, dass der Präsident mit Covid umgeht, als wäre es etwas, worüber man sich keine Sorgen machen braucht, während bereits 210.000 Menschen gestorben sind“, sagte Trumps Herausforderer Joe Biden. Der Präsident hatte seine Landsleute in den vergangenen Tagen aufgerufen, keine Angst vor dem Coronavirus zu haben – und auch gesagt, dass er sich besser fühle als vor 20 Jahren.

          Trump ist nach seiner Infektion rund einen Monat vor der Präsidentenwahl am 3. November noch weiter in den Umfragen zurückgefallen. In jüngsten landesweiten Erhebungen stieg der Vorsprung des Herausforderers Joe Biden auf bis zu 16 Prozent.

          Abgesehen von seinen eigenen Beteuerungen, es gehe ihm bestens, gibt es über Trumps Gesundheitszustand seit der Rückkehr aus dem Krankenhaus am Montagabend nur wenige Informationen. Am Mittwoch hieß es wie schon am Vortag, dass der Präsident keine Symptome mehr habe.

          Der Präsident verließ am Mittwoch im Weißen Haus sein Wohnquartier und suchte seinen Arbeitsplatz im Oval Office auf. Geht man von dem am Donnerstag bekanntgegebenen positiven Test aus, könnte Trump noch ansteckend sein. Das Weiße Haus will schon seit Tagen keine Auskunft darüber geben, wann der Präsident zuletzt negativ auf das Coronavirus getestet wurde.

          Corona-Ausbruch im Weißen Haus größer als bisher bekannt

          Derweil hat der Corona-Ausbruch im Weißen Haus größere Ausmaße angenommen als bislang bekannt. Der Sender ABC News berichtete am Mittwochabend unter Berufung auf ein internes Dokument der Katastrophenschutzbehörde (Fema), dass sich 34 „Mitarbeiter des Weißen Hauses und andere Kontakte“ in den vergangenen Tagen mit dem Virus infiziert haben. Ob die gelisteten Fälle auch Präsident Donald Trump und First Lady Melania umfassen, ging aus dem Bericht nicht hervor.

          Nach Bekanntwerden der Infektion von Trump am Freitag ist die Liste mit infizierten Vertrauten des Präsidenten immer länger geworden. Neben der Sprecherin des Weißen Hauses sind auch enge Berater Trumps, Hope Hicks und Stephen Miller, positiv getestet worden. Das Weiße Haus hält sich unter Verweis auf Persönlichkeitsrechte äußerst bedeckt bei Angaben zum Umfang des Ausbruchs.

          Unterdessen teilten die amerikanischen Marines mit, dass der stellvertretende Kommandeur, General Gary Thomas, positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Thomas habe sich am Dienstag als Vorsichtsmaßnahme in häusliche Quarantäne begeben, nachdem ein enger Kontakt positiv getestet worden sei. Auch weitere ranghohe Generäle, darunter Generalstabschef Mark Milley, arbeiten derzeit von zuhause, weil sie bei einer Besprechung dem Coronavirus ausgesetzt gewesen sein könnten. Zuvor war der Vizechef der Küstenwache, Admiral Charles Ray, positiv getestet worden.

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