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Verharmlosung des Coronavirus : Früherer Behördenchef klagt gegen Trump-Regierung

  • Aktualisiert am

Der abgesetzte Direktor der amerikanischen Gesunheitsbehörde HHS, Rick Bright, will gegen die Trump-Regierung wegen Verharmlosung des Coronavirus klagen. Bild: AP

Er habe bereits im Januar vor Corona gewarnt, sagt der abgesetzte Direktor der amerikanischen Gesundheitsbehörde. Zudem habe er mit Vetternwirtschaft und Korruption zu kämpfen gehabt. Nun soll er im Kongress aussagen.

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          Der abgesetzte Direktor der amerikanischen Gesundheitsbehörde (HHS), Rick Bright, hat eine Beschwerde gegen die Regierung von Präsident Donald Trump eingereicht. Bright wirft der amerikanischen Regierung vor, dass seine Warnungen vor dem Coronavirus im Januar nicht Ernst genommen worden seien und er Feindseligkeiten des Gesundheitsministers Alex Azar sowie anderen ranghohen Mitarbeitern der Behörde ausgesetzt war.

          „Dr. Bright handelte mit Dringlichkeit, um mit dieser Pandemie umzugehen, stieß aber auf Widerstand von der HHS-Führung, einschließlich Azar, der darauf bedacht zu sein schien, diese katastrophale Bedrohung herunterzuspielen“, heißt es in der Klage, die seine Anwälte einreichten, am Dienstag. Brights Anwälte argumentierten, dass seine darauffolgende Abberufung als Direktor der „Biomedical Advanced Research and Development Authority“, einer Abteilung der HHS, gegen ein Bundesgesetz zum Schutz von Informanten („Whistleblowern“) der Regierung verstoße.

          HHS-Sprecherin Caitlin Oakley erklärte, dass Bright in seiner neuen Position mit rund einer Milliarde Dollar für die Entwicklung diagnostischer Tests betraut worden sei. „Wir sind zutiefst enttäuscht, dass er seinen neuen Job nicht angetreten ist, um für das amerikanische Volk zu arbeiten und bei diesem kritischen Unterfangen eine führende Rolle zu übernehmen“, sagte Oakley.

          Gegen Einsatz von Malaria-Medikament

          Bright hatte zuvor gesagt, dass er mit seiner ungewollten Versetzung degradiert worden sei, weil er sich widersetzte, Hydroxychloroquin als Heilmittel für COVID-19, zu unterstützen. Die amerikanische Regierung habe seiner Ansicht nach die Medikamente als „Wundermittel“ angepriesen, obwohl sie „eindeutig keinen wissenschaftlichen Wert“ hätten. Trump hatte die Malaria-Medikamente wiederholt als Behandlung für Covid-19 beworben, obwohl nur wenige Studien einen möglichen Nutzen nahelegten.

          In seiner Beschwerde sagt Bright, dass bereits vor der Coronakrise Spannungen mit der HHS-Führung bestanden hätten. Seit 2017 habe er gegen „Vetternwirtschaft und Vergabe von Aufträgen an Unternehmen mit politischen Verbindungen zur Regierung“ protestiert, heißt es in der Klage. Bright, ein Fachmann für Impfstoffe und Therapeutika, wurde 2016 vor Trumps Amtsantritt als Präsident in den Posten berufen. Er werde am 14. Mai vor einem Gremium des amerikanischen Repräsentantenhauses aussagen, sagte eine Sprecherin von Bright am Dienstag auf Twitter. Bright fordere seine Wiedereinstellung und eine vollständige Untersuchung.

          Die Zahl der Todesopfer des Coronavirus in den Vereinigten Staaten ist mit inzwischen mehr als 70.000 die höchste weltweit. Demokratische Politiker und einige andere Republikaner kritisierten Trump dafür, dass er die Bedrohung durch das Virus anfänglich herunterspielt habe.

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