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Gewalt in Charlottesville : Das verstörende Flüstern des Donald Trump

Inzwischen hat sich das Verhältnis zwischen Trump und der Alt-Right-Bewegung deutlich abgekühlt. Letztere sieht ihre Felle davon schwimmen. Zwar bedient Trump rhetorisch weiter ihre Vorstellungen. Doch umgesetzt hat er von ihren Wünschen nach über 200 Tagen denkbar wenig. Der „politische Sumpf“ in Washington existiert fort. Die Ausweisung von Latinos geschieht aus ihrer Sicht zu schleppend, vom stockenden Vorhaben einer Mauer an der Grenze zu Mexiko ganz zu schweigen. Die Abriegelung des Landes gegenüber sämtlichen Muslimen ist gescheitert und auf eine Miniversion zusammengeschrumpft. Von einer Abwendung von der Welt und Hinwendung auf die Probleme des wütenden, mittelalten Mannes im mittleren Westen ist nur wenig zu erkennen. Das Wichtigste aber: Trumps Wahlkampfslogan „America first“, den viele Anhänger rassistisch oder religiös interpretieren, interpretiert der Präsident nun so, dass er für alle Amerikaner gilt. In den Augen zahlreicher Alt-Right-Anhänger kommt das Verrat gleich. Charlottesville ist ein Signal, dass so mancher von ihnen sich damit nicht zufriedengeben will.

Ku-Klux-Klan-Chef: Darum haben wir Trump gewählt

Der ehemalige Ku-Klux-Clan-Chef David Duke sprach am Samstag wohl für viele der Demonstranten, die da bereits mit Fackeln, Helmen, Knüppeln und teils im Gleichschritt durch die Stadt marschierten, als er sagte: „Das ist ein Wendepunkt“, sagte er. „Wir sind entschlossen, uns unser Land zurückzuholen. Wir werden die Versprechen Donald Trumps erfüllen. Daran glauben wir. Darum haben wir ihn gewählt.”

Was das bedeutet, davon bekamen die Vereinigten Staaten an den beiden Tagen einen Eindruck. Die Kundgebung „Vereinigt die Rechte“, an der mehrere Tausend Menschen teilnahmen, war angekündigt als friedlicher Protest gegen die Entfernung einer Statue des Bürgerkriegsgenerals Robert E. Lee. Die Konföderierten, für die er stritt, waren Anhänger der Sklaverei. Die Veranstaltung endete in Schlägereien, bei denen nach jüngsten Angaben 35 Menschen verletzt wurden, allein 19 davon bei der Autoattacke eines offenkundig rechtsextremen Teilnehmers. Auch eine 32 Jahre Jahre alte Frau kam ums Leben. Die mutmaßlich gezielte Attacke erinnerte an Amokfahrten islamistischer Terroristen. Das FBI ermittelt. Das Wiesenthal-Zentrum verurteilte die Gewalt als Terror.

Den Präsidenten hat die Eskalation in eine schwierige Situation gebracht. Mit seinem wachsweichen Statement versuchte er offenkundig, allen seinen Anhängern gleichzeitig gerecht zu werden – und scheiterte. Der „Daily Stormer“, eine Webseite amerikanischer Neonazis, die die Demonstration mit propagiert hatte, jubelte: „Er hat uns nicht attackiert. Gott segne ihn.“ Das Gros der Amerikaner dürfte das anders sehen. Nach einer Woche, in der Trump mit wüsten Angriffen von seinen eigenen Problemen abzulenken suchte, droht ihm somit einen neuer Brandherd, den er so schnell nicht austreten dürfte. Es wird spannend sein zu beobachten, wie sich der Präsident angesichts wachsenden öffentlichen Drucks gegenüber der Alt-Right-Bewegung positioniert, von denen viele übrigens mit einem Staat sympathisieren, über den der Präsident diese Woche sich sehr deutlich geäußert hat: Nordkorea.

August 2017 : Tote bei Unruhen in Charlottesville

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