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Röttgen über Kim-Trump-Gipfel : „Ein sichtbarer Mangel an Professionalität“

Norbert Röttgen (CDU) ist als Bundestagsabgeordneter Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Bild: Wolfgang Eilmes

Was ist bloß schiefgelaufen in Hanoi? Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen wirft der amerikanischen Regierung Unprofessionalität im Umgang mit Nordkorea vor.

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          Herr Röttgen, es sind ein paar Stunden vergangen, seit der Gipfel zwischen Kim Jong-un und Donald Trump in Vietnam ein abruptes Ende fand. Sind Sie enttäuscht?

          Martin Benninghoff
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ich habe vorher gesagt, dass alles dafür spricht, skeptisch zu sein und keine zu großen Erwartungen an den Fortgang dieser Gespräche zu haben. Dass sie nun gleich in der Art scheitern würden, habe ich allerdings auch nicht vermutet. Das widerspricht ja den großspurigen Erwartungen, die der amerikanische Präsident gegenüber seinem „Freund“ Kim Jong-un geäußert hat.

          Normalerweise versuchen doch die Unterhändler, Gipfel derart vorzubereiten, dass es eben nicht zu einem solchen Abbruch kommt. Was ist schief gelaufen?

          Das lässt darauf schließen, dass die Vorbereitung nicht besonders qualifiziert war, denn an sich weiß man ja vor einem solchen Treffen, welche Bandbreite an Ergebnissen möglich ist – um genau das zu vermeiden, was nun passiert ist. Das lässt auf einen inzwischen sichtbaren Mangel an Professionalität schließen. Politik kann nicht nur mit Tweets betrieben werden, sondern es braucht diplomatische professionelle Vorbereitungen. Der Stil von Donald Trump geht auf Kosten der Professionalität der amerikanischen Diplomatie.

          Haben die innenpolitischen Probleme Trumps – die Vorwürfe von Michael Cohen – ihren Anteil daran? Stand Trump unter Druck, etwas Großartiges im Ausland abzuliefern, um seinen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen?

          Trump hat diese Erwartungen selbst geschürt, auch mit der Maßlosigkeit seiner Sprache im Umgang mit seinem „Freund“ Kim, dem brutalen Diktator. Die Forderungen Kim Jong-uns nach einem Ende der Sanktionen, genau weiß man das nicht, haben Trump möglicherweise unter Druck gesetzt. Das hätte er sich innenpolitisch nicht leisten können, mit einseitigen Zugeständnissen an Nordkorea nach Hause zu kommen. Alleine schon die Tatsache eines Treffens auf Augenhöhe ist ja schon eine große einseitige Konzession, für die Trump bislang nichts bekommen hat. Er hat Kim Jong-un Reputation verschafft, indem er sich so freundlich über ihn geäußert hat.

          Wie kann man denn an dieses Ergebnis anknüpfen?

          Das ist ein Rückschlag, und Rückschläge sind nie gut. Allerdings haben die übertriebenen Erwartungen im Vorfeld dazu beigetragen, dass kleinere Fortschritte möglicherweise sogar verhindert wurden. Da ist der Stein den Berg wieder herunter und nun zurück gerollt.

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