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Modell in New Jersey : Eine andere Polizei ist möglich – oder?

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Alles neu? Polizisten auf Streife in Camden im Bundesstaat New Jersey Bild: Reuters

Allenthalben in Amerika fordern Aktivisten: Schafft die Polizei ab! In Camden passierte das schon 2013 – auch, weil die Stadt pleite war. Jetzt gibt es weniger Kriminalität. Oder ist das nur schöner Schein?

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          Ein Mann läuft mit einem Messer in der Hand in einen Schnellimbiss. Als er wieder herauskommt, umzingeln ihn einige Polizisten. Sie reden mit dem Mann, laufen ein paar Meter neben ihm her, fordern ihn auf, das Messer fallen zu lassen. Schließlich überwältigen sie ihn. „Achtzehn Monate zuvor hätten wir auf den Kerl geschossen und ihn getötet, zwei Schritte aus dem Laden raus“, kommentierte Scott Thomson das Video aus dem Jahr 2015 laut dem Magazin „Politico“.

          Thomson war Polizeichef von Camden in New Jersey, als die Stadt im Jahr 2013 ihre Polizeibehörde abschaffte. Und er wurde auch Chef der neuen Polizei, die künftig vom Landkreis überwacht werden sollte. Weil die Stadt damals alle Polizisten entließ und ein neues Modell der Kriminalitätsbekämpfung entwickeln wollte, ist sie heute wieder in den Schlagzeilen. Auf der Suche nach einem Modell für Polizeireformen schauen Aktivisten und Politiker nach New Jersey. Nachdem Polizist Derek Chauvin den Afroamerikaner George Floyd in Minneapolis tötete, hören Hunderttausende Amerikaner nicht mehr auf, für Reformen und gegen Rassismus zu demonstrieren. Und der Stadtrat von Minneapolis kündigte an, die Polizei in ihrer jetzigen Form abschaffen zu wollen.

          An ihre Stelle soll eine bessere Ordnungsmacht treten. So stellten sich das viele Menschen vor sieben Jahren auch in Camden vor. Die Stadt, die nur durch den Delaware Fluss von Philadelphia getrennt ist, tat vordergründig das, was viele Aktivistinnen und Aktivisten fordern. Sie schaffte die alte Polizeibehörde ab. Chris Christie, der damalige republikanische Gouverneur von New Jersey, zählte zu den Unterstützern des Projekts. „Man musste die Prinzipien, die der Ausbildung von Polizisten zugrunde liegen und die Kultur der Polizeibehörde verändern“, sagte er gegenüber „Politico“.

          Vom Krieger zum Beschützer

          Das sei gelungen, weil man ganz von vorn angefangen habe. Thomson, der pensionierte Polizeichef, sagte, die Polizei befinde sich nun in der Rolle von „Beschützern“. Schon die von Präsident Barack Obama gegründete Polizeireform-Taskforce hatte einen Wandel vom „Krieger“ zum „Beschützer“ im Selbstbild von Polizisten empfohlen. Ein Besuch Obamas in Camden im Jahr 2015 sollte diese Verwandlung besiegeln.

          Reformen werden auch heute noch gefordert: Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt am 4. Juni in Camden
          Reformen werden auch heute noch gefordert: Demonstration gegen Rassismus und Polizeigewalt am 4. Juni in Camden : Bild: AFP

          Dass selbst ein konservativer Politiker wie Christie nicht viel Erhaltenswertes in der früheren Polizei von Camden sah, hing mit den bis dato erzielten Ergebnissen zusammen. Früher verglichen Statistiker die Mordrate von Camden mit der von Honduras – im Jahr 2012 wurden hier 67 Menschen getötet. Die 77.000 Einwohner zählende Stadt galt als eine der gefährlichsten des Landes. Der Strukturwandel hatte in der einstigen Industriestadt zu einer hohen Arbeitslosigkeit, weit verbreiteter Armut und einer zerstörten Innenstadt geführt. Camden war einer der vielen Orte in Amerika, wo seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts auf den Zuzug von Afroamerikanern aus dem Süden und die beginnende De-Industrialisierung die „White Flight“ in die Vorstädte folgte.

          Die meisten Weißen sind weg

          Weiße, die es sich leisten konnten und die keine integrierten Schulen akzeptieren wollten, verließen massenhaft die Innenstädte, denen daraufhin ein großer Teil ihrer Steuereinnahmen und Arbeitsplätze abhanden kam. Nur noch sechs Prozent von Camdens Bevölkerung sind „nicht-hispanische Weiße“. Rund 49 Prozent sind Latinos, 41 Prozent Afroamerikaner. Kritiker merken an, dass die Polizei dennoch fast zur Hälfte aus Weißen bestehe.

          Im Jahr 2010 lebten fast 40 Prozent der Menschen in Camden unterhalb der Armutsgrenze und es gab 3000 leerstehende, verfallende Gebäude. Laut den Behörden fanden sich damals 175 Drogen-Umschlagplätze in der Stadt – und die meisten Dealer seien nicht aus Camden gekommen, sondern hätten die heruntergekommenen Straßen nur für ihre Geschäfte genutzt. Wie in vielen anderen amerikanischen Städten vertrauten viele Menschen der Polizei nicht mehr, denn die Polizisten galten als ineffizient und korrupt. Im Jahr 2010 war die Kommune so heruntergewirtschaftet, dass sie ein Haushaltsdefizit von 14 Millionen Dollar hatte und die Hälfte der Polizisten entlassen musste.

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