https://www.faz.net/aktuell/politik/von-trump-zu-biden/boltons-enthuellungsbuch-trump-soll-xi-um-wahlhilfe-gebeten-haben-16820233.html

Boltons Enthüllungsbuch : Trump soll Xi um Wahlhilfe gebeten haben

  • Aktualisiert am

Es sind explosive Vorwürfe. Trumps frührerer Berater Bolton zeichnet in seinem Buch ein vernichtendes Bild von Trump. Bild: Reuters

Amtsmissbrauch und teils gravierende Unwissenheit: Der frühere Nationale Sicherheitsberater von Donald Trump holt in einem Enthüllungsbuch gegen den Präsidenten aus – ein Amtsenthebungsverfahren wäre nicht nur wegen der Ukraine-Affäre gerechtfertigt gewesen.

          2 Min.

          Donald Trumps früherer Nationaler Sicherheitsberater John Bolton wirft dem Präsidenten in einem Enthüllungsbuch wiederholten Amtsmissbrauch und teils gravierende Unwissenheit vor. Die „New York Times“ berichtete am Mittwoch unter Berufung auf das noch nicht veröffentlichte Buch über die Vorwürfe. Bolton schreibt demnach, dass ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump nicht nur wegen der Vorwürfe in der Ukraine-Affäre, sondern auch wegen anderer Fälle gerechtfertigt gewesen wäre.

          Er habe mehrfach „Diktatoren“ in Aussicht gestellt, in Verfahren der amerikanischen Justiz einzugreifen, schreibt Bolton etwa mit Blick auf China und die Türkei. „Das Verhaltensmuster sah nach Behinderung der Justiz als Alltagsgeschäft aus, was wir nicht akzeptieren konnten“, schrieb Bolton demnach. Er habe seine Bedenken damals auch schriftlich an Justizminister William Barr gerichtet, hieß es weiter. Trump habe Chinas Staatsoberhaupt Xi Jinping um Hilfe bei der Wiederwahl gebeten. Dies sei bei einem Treffen hinter verschlossenen Türen im Juni 2019 geschehen, zitierte die „Washington Post“ am Mittwoch aus Boltons Buch. Trump habe auf Chinas Wirtschaftsmacht angespielt „und Xi angefleht, seinen Sieg  sicherzustellen“, hieß es. „Er betonte die Bedeutung von Landwirten und höheren chinesischen Käufen von Sojabohnen und Weizen für den Ausgang der Wahl", wird Bolton weiter zitiert.
          Stellungnahmen Boltons, der amerikanischen Regierung und Chinas zu dem Zeitungsbericht lagen zunächst nicht vor.

          Bolton, der als Sicherheitsberater eng mit dem Präsidenten zusammengearbeitet hatte, warf Trump auch vor, seine Außenpolitik häufig auf Bauchgefühl und Unwissenheit zu basieren. So habe der Präsident zum Beispiel nicht gewusst, dass Großbritannien eine Atommacht ist und einmal auch gefragt, ob Finnland zu Russland gehöre, wie Bolton in dem Buch der „New York Times“ zufolge beschreibt. Bolton erklärte auch, es sei klar gewesen, dass Trumps persönliche Diplomatie mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un nie zu einem befriedigenden Ergebnis führen würde. Zudem soll Trump einen Nato-Austritt sehr ernsthaft erwogen haben.

          Die amerikanische Regierung hatte am Dienstag eine Klage gegen die Veröffentlichung des Buchs eingereicht. Bolton verbreite geheime Informationen und gefährde mit der Veröffentlichung auch die nationale Sicherheit, hieß es zur Begründung. Der Verlag Simon & Schuster kritisierte die Klage scharf und sprach von Bemühungen, dem Präsidenten unliebsame Informationen zu unterdrücken. Bislang gab es kein Buch aus Trumps engstem Führungszirkel im Weißen Haus, bei dem der Autorenname bekannt war – es gab ein anonymes Buch.

          Trump hatte seinen Vertrauten Bolton im September nach knapp eineinhalb Jahren als Sicherheitsberater geschasst – wegen Meinungsverschiedenheiten. Bolton kündigte bereits damals an, er werde zu gegebener Zeit seine Sicht auf die Dinge darlegen. Bolton hatte sich allerdings Anfang des Jahres geweigert, im Amtsenthebungsverfahren gegen Trump wegen der Ukraine-Affäre vor dem Repräsentantenhaus ohne Vorladung unter Strafandrohung auszusagen. Kritiker werfen ihm daher vor, scheinheilig zu agieren und nur möglichst viel Profit aus seinem Buch schlagen zu wollen.

          Das Werk mit dem Titel „The Room Where It Happened“ (etwa: Der Raum, in dem es geschah), sollte ursprünglich im März erscheinen, die Veröffentlichung wurde aber vom Weißen Haus gestoppt. Nun sollte es eigentlich am Dienstag rauskommen. Bolton wollte sich auch am Sonntag in einem ausführlichen Fernsehinterview dazu äußern. In der Klage vom Dienstag hieß es, Bolton habe vom Verlag rund zwei Millionen Dollar (1,78 Millionen Euro) für das Buch erhalten.

          Justizminister William Barr hatte am Montag gesagt, Bolton habe nicht den vorgeschriebenen Prozess durchlaufen, sich Passagen des Buchs durch das Weiße Haus freigeben zu lassen. Trump sagte, Bolton sei bekannt dafür, nicht immer die Wahrheit zu sagen. Nach Angaben des Verlags zeichnet das Buch das Bild eines Präsidenten, der „süchtig nach Chaos“ ist. Trump sei es immer nur um seine Wiederwahl gegangen.

          Weitere Themen

          Bloß keine Retrospektive

          Karl-Lagerfeld-Ausstellung : Bloß keine Retrospektive

          Das größte amerikanische Kunstmuseum bereitet eine Ausstellung über Karl Lagerfeld vor. Schon für die Ankündigung in Paris wird ein enormer Aufwand betrieben. Dabei mochte der Modeschöpfer Rückblicke gar nicht.

          Bulgarien wählt abermals neues Parlament Video-Seite öffnen

          Streitthema Russland : Bulgarien wählt abermals neues Parlament

          Zum vierten Mal in anderthalb Jahren müssen die Bulgaren an die Wahlurnen. Wieder handelt es sich um ein Rennen zwischen dem langjährigen konservativen Regierungschef und dem liberalen Kiril Petkov.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.