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Neue Töne von Biden bis Bush : Systemischer Rassismus in Amerika

  • -Aktualisiert am

Besinnungslos? Trump besuchte am Dienstag den „Joahnnes-Paul-II-Nationalschrein“ in Washington. Bild: AP

Als erlebte das Land die Spanische Grippe von 1918, den Börsencrash von 1929 und die Rassenunruhen von 1968 auf einmal – Amerika kann nicht zur Besinnung kommen.

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          Was ist anders? Was unterscheidet die nun in die zweite Woche gehenden Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in Amerika von früheren Wellen der Empörung? Das Besondere ist ja leider nicht die Tat, an der sich die Wut entzündet hat – zu oft sind unbewaffnete Afroamerikaner von Polizisten getötet worden, ohne dass daraufhin in mehr als hundert Städten demonstriert worden wäre.

          Dass die Lage diesmal so explosiv ist, liegt wohl eher an den Krisen, die schon vorher herrschten: die Corona-Epidemie hat schon weit mehr als 100.000 Amerikaner das Leben und Dutzende Millionen den Arbeitsplatz gekostet, und die politische Polarisierung erreicht immer neue Tiefpunkte. Es ist, so formulierte es der demokratische Senator Chris Coons, als erlebe das Land die Spanische Grippe von 1918, den Börsencrash von 1929 und die Rassenunruhen von 1968 alle auf einmal.

          An der Spitze des Staates aber steht ein zu Empathie unfähiger Populist, der um sich kreist und um sich schlägt, dabei viel einreißt, aber wenig aufbaut. Natürlich arbeitet sich der Demokrat Joe Biden, der Donald Trump im November besiegen will, genauso am Amtsinhaber ab, wie das zwischen den Zeilen nun auch der frühere Präsident George W. Bush tat, der seine Republikaner nicht wiedererkennt. Dennoch muss man das bedrückende Fazit beider Spitzenpolitiker ernst nehmen, die in den 1940er Jahren geboren wurden: Amerika leide bis heute unter systemischem Rassismus. Die weiße Mehrheit müsse sich eingestehen, dass in Amerika keine Gerechtigkeit herrsche, dass eine ganze Bevölkerungsgruppe in ihrer Heimat in Angst leben müsse. Dieser Ton ist tatsächlich neu.

          Doch für Nachdenklichkeit bleibt im Wahljahr wenig Raum. Stellt sich doch ein Präsident zur Wiederwahl, der einen Einsatz der Armee im eigenen Land in Aussicht stellte, um nach seiner neuesten Ohnmachtserfahrung in die Offensive zu kommen. Gut, dass Verteidigungsminister Mark Esper seinem Oberbefehlshaber jetzt widersprochen hat. Es gibt auch in der Regierung noch besonnene Personen. Das Land aber dürfte noch lange nicht zur Besinnung kommen.

          Andreas Ross
          Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.

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