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Biden über Trump : „Mehr an Macht interessiert als an Prinzipien“

  • Aktualisiert am

Übt heftige Kritik an Donald Trump: der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden Bild: AFP

In einer Rede übt der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden scharfe Kritik an Donald Trump. Dessen Besuch bei einem Schrein für Johannes Paul II. stößt auf heftige Kritik der katholischen Kirche.

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          Der designierte Präsidentschaftskandidat der amerikanischen Demokraten, Joe Biden, hat den Umgang von Präsident Donald Trump mit den Anti-Rassismus-Protesten im Land abermals scharf kritisiert. „Donald Trump hat dieses Land in ein Schlachtfeld verwandelt, das von alter Verbitterung und neuen Ängsten getrieben wird“, sagte der frühere Vizepräsident am Dienstag bei einer Ansprache in Philadelphia. „Er denkt, Spaltung hilft ihm.“ „Wir befinden uns in einer Schlacht um die Seele dieser Nation“, sagte Biden und wiederholte damit einen seiner Wahlkampfslogans. Trump warf er vor, die „Flammen des Hasses anzufachen“.

          Der 77-Jährige kritisierte zudem abermals Trumps Besuch einer Kirche in Washington am Montag, die bei Ausschreitungen beschädigt worden war. Die Sicherheitskräfte hatten eine friedliche Protestversammlung vor der nahe des Weißen Hauses gelegenen Kirche gewaltsam aufgelöst, damit der Präsident zu dem Gotteshaus laufen konnte. Dies zeige, dass es Trump mehr um „Macht als um Prinzipien“ gehe, sagte Biden. Der Demokrat verwies  zudem auf einen Moment, an dem Trump vor der Kirche eine Bibel in die Höhe hielt. „Ich wünschte, er würde sie ab und zu öffnen, anstelle mit ihr zu wedeln. Wenn er sie öffnen würde, könnte er etwas lernen.“

          Für den Fall eines Siegs bei der Präsidentschaftswahl im November kündigte der einstige Stellvertreter von Präsident Barack Obama an, den „systemischen Rassismus“ im Land bekämpfen zu wollen. Notwendig sei unter anderem eine Polizeireform. „Ich wünschte, ich könnte sagen, dass der Hass mit Donald Trump begonnen hat und mit ihm enden wird“, sagte Biden. „Aber das tat er nicht und das wird er nicht.“

          Biden: Rassismus „tiefe, offene Wunde“

          Im Gespräch mit Mitgliedern der Bethel African Methodist Episcopal Church von Wilmington im Bundesstaat Delaware (Montag Ortszeit) hatte Biden zuvor bereits eine Auseinandersetzung mit „institutionalisiertem Rassismus“ gerfordert. Dieser sei eine „tiefe, offene Wunde“ in den Vereinigten Staaten. Zu Beginn seiner politischen Karriere habe er daran geglaubt, den Hass besiegen zu können, so Biden. Heute sei ihm klar, dass sich der Hass nur versteckt habe und gerade neu angefacht werde.

          Trumps Besuch bei einem Schrein für den verstorbenen Papst Johannes Paul II. in Washington ist derweil auf scharfe Kritik der katholischen Kirche gestoßen. Der Erzbischof von Washington, Wilton Gregory, teilte am Dienstag mit, er finde es „verwerflich“, dass sich eine katholische Einrichtung auf eine Weise missbrauchen und manipulieren lasse, die gegen katholische Prinzipien verstoße. Johannes Paul II. sei ein Verfechter von Menschenrechten gewesen.

          Gregory: Johannes Paul II. hätte Einsatz von Tränengas nicht gutgeheißen

          Seit dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz am Montag vergangener Woche in Minneapolis werden die Vereinigten Staaten von Unruhen erschüttert. Donald Trump und First Lady Melania legten am Dienstag einen Kranz am Denkmal des verstorbenen Papstes nieder. Der Schrein in der amerikanischen Hauptstadt wird nicht vom Erzbistum, sondern von der Laienvereinigung Kolumbusritter betrieben.

          Bereits am Montagabend hatte ein Besuch Trumps bei einer Kirche scharfe Kritik ausgelöst. Nachdem er in einer Ansprache mit dem Einsatz des Militärs wegen der Unruhen gedroht hatte, ging Trump zur St.-John-Kirche nördlich des Weißen Hauses, um vor dem Gotteshaus mit einer Bibel zu posieren. Die Umgebung ließ er zuvor gewaltsam von Demonstranten räumen. Gregory teilte mit, Papst Johannes Paul II. hätte den Einsatz von Tränengas gegen Demonstranten für einen Foto-Termin vor einer Kirche sicherlich nicht gutgeheißen.

          Die Bischöfin der Episkopal-Diözese Washington, Mariann Edgar Budde, hatte Trumps Vorgehen bereits am Montagabend kritisiert. Sie sagte dem Sender CNN, der Präsident habe eine der Kirchen ihrer Diözese „ohne Erlaubnis als Hintergrund für eine Botschaft verwendet, die den Lehren Jesu und allem widersprechen, wofür unsere Kirchen stehen“. Er habe den Einsatz von Tränengas gebilligt, um den Weg zur Kirche zu räumen, und er ignoriere den Schmerz der Menschen im Land.

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