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Vorwahlen der Demokraten : Zwischen Reichtum und Revolution

  • -Aktualisiert am

Anhänger von Bernie Sanders am vergangenen Sonntag in Los Angeles Bild: Reuters

Im wohlhabenden Silicon Valley sympathisieren zahlreiche Menschen mit dem „demokratischen Sozialisten“ Bernie Sanders. Vielen geht es um mehr Gerechtigkeit.

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          „Das ist gar nicht so verrückt, wie es klingt“, sagt Carolyn Soroka und lacht. Die Frage, wie schwer es denn sei, als bekennende Anti-Kapitalismus-Aktivistin ausgerechnet hier zu leben, hört die junge Mutter nicht zum ersten Mal. In der Innenstadt von San José, nur ein paar Kilometer von den Firmensitzen von Google, Facebook oder Apple entfernt, haben Soroka und ihre Mitstreiter von den „Demokratischen Sozialisten Silicon Valley“ einen kleinen Infostand aufgebaut.

          Dass an diesem Nachmittag so viele Menschen bei ihnen stehen bleiben, hat vor allem damit zu tun, dass Bernie Sanders etwas später vor tausenden Anhängern nebenan eine Wahlkampfveranstaltung abhält. Der Senator aus Vermont, Präsidentschaftsbewerber der Demokraten, bezeichnet sich selbst auch als „demokratischen Sozialisten“ und will den politischen Status quo im Land mit Hilfe einer „Revolution“ verändern. Allein schon deswegen müsse man ihn unterstützen, sagt Soroka.

          Nun ist es nicht so, dass man im Silicon Valley an jeder Ecke auf demonstrierende Kapitalismus-Kritiker treffen würde. Das berühmte Tal zwischen San Francisco und San José gehört zu den reichsten Gegenden der Vereinigten Staaten, viele Menschen profitieren von den hier entwickelten Geschäftsmodellen der IT- und Hightech-Unternehmen. Im kleinen Städtchen Atherton, gleich neben dem bekannteren Palo Alto gelegen, betrug das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Haushalt zuletzt erstmals mehr als fünfhunderttausend Dollar. Nationaler Rekord.

          Bernie Sanders bei einem Wahlkampfauftritt in Los Angeles am vergangenen Sonntag
          Bernie Sanders bei einem Wahlkampfauftritt in Los Angeles am vergangenen Sonntag : Bild: AFP

          Bemerkenswert ist, dass man im Silicon Valley auch unter gut bezahlten Menschen, die nach der Wahl eines linken Präsidenten wohl deutlich weniger verdienen dürften, jede Menge Sanders-Anhänger findet. „Mir ist es völlig egal, ob ich unter Bernie höhere Steuern bezahlen müsste“, sagt Gunjan Patel, ein junger Mann, der einen begehrten Job bei einer aufstrebenden Biotech-Firma ergattert hat. „Ich stimme ja nicht für einen Kandidaten, weil ich an mein eigenes Konto denke, sondern weil ich an dessen Programm glaube.“

          Untersuchungen zeigen, dass Angestellte der großen Tech-Firmen der Sanders-Kampagne mehr Geld überwiesen haben als allen anderen Präsidentschaftsbewerbern der Demokraten. Dass ihr Favorit angekündigt hat, Firmen im Silicon Valley zerschlagen zu wollen, scheint die Spender dabei nicht weiter zu stören. Was aber auch daran liegen könnte, dass Sanders bei diesem Thema in seinen Ankündigungen bisher kaum über die Schlagwort-Ebene herausgekommen ist.

          Klar ist: Die Befindlichkeiten im Silicon Valley sind nur eine der spannenden Geschichten, auf die am Dienstag das politische Amerika blickt. Erstmals seit 2008 gehört Kalifornien wieder zu den früh abstimmenden Vorwahl-Staaten der Demokraten. Wird die Parteibasis, die im Goldstaat natürlich nicht nur aus Hollywood-Stars und Tech-Bossen, sondern zu einem großen Teil auch aus einkommensschwachen Familien, darunter auch viele Latinos, besteht, dem Linksaußen Sanders tatsächlich einen großen Sieg bescheren? Derzeit sieht alles danach aus.

          Während er selbst in den Umfragen zuletzt konstant über dreißig Prozent lag, bewegten sich Sanders' große Konkurrenten Joe Biden und Michael Bloomberg gerade mal im Bereich der so wichtigen Fünfzehn-Prozent-Linie. Nur wer darüber landet, bekommt überhaupt Delegiertenstimmen zugewiesen. Insgesamt 416 davon werden im bevölkerungsreichsten Staat Amerikas vergeben. So viele wie nirgendwo anders.

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