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Trump-Berater warnen Trudeau : Die Ecken der Hölle

  • -Aktualisiert am

Alles in Ordnung? Donald Trump und Justin Trudeau beim G-7-Gruppenfoto am vergangenen Freitag. Bild: AP

Die Wirtschaftsberater Trumps sind angriffslustig und teilen gegen den kanadischen Premierminister Trudeau aus. Auf die Vorwürfe reagiert dessen Umfeld typisch kanadisch.

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          Donald Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow und Peter Navarro führten in drei Fernsehinterviews am Sonntag inhaltliche, persönliche und taktische Gründe dafür an, dass sie den kanadischen Ministerpräsidenten Justin Trudeau heftig attackierten. Inhaltlich ging es um die Zölle auf amerikanische Produkte, die Kanada zum 1.Juli verhängen will, um sich für Trumps Zölle auf Stahl und Aluminium zu rächen, sowie um die Abschottung des kanadischen Milchmarkts.

          Andreas Ross

          Verantwortlicher Redakteur für Politik Online und stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Nachrichten.

          Persönlich geben sich die Amerikaner abgrundtief beleidigt, weil der smarte Trudeau als G-7-Gastgeber so freundlich dahergekommen sei, dann aber die Stirn hatte, zu verkünden, Kanada lasse sich „nicht herumschubsen“. Es gebe „in der Hölle eine besondere Ecke“ für Politiker, die Trump erst mit Diplomatie zum Narren hielten, ihn dann aber „hinterrücks erdolchen“ wollten, sagte Navarro. „Und das hat der schwache, unehrliche Justin Trudeau getan.“

          In den Mittelpunkt rückten Navarro und Kudlow das taktische Motiv: So kurz vor seinem historischen Treffen mit Kim Jong-un habe sich Trump keine Blöße geben dürfen. „Stunden vor dem Gipfel“, so Kudlow im Sender CBS, „wird dieser Präsident es sich gewiss nicht gefallen lassen, dass ihn irgendwelche Leute plötzlich unter Beschuss nehmen.“ Um nicht die Entwaffnung des nordkoreanischen Diktators zu gefährden, so das Argument, habe Trump „gar keine Wahl gehabt“, als sich wieder vom bereits gebilligten G-7-Kommuniqué zu distanzieren.

          Groteske Silben-Feilscherei

          Navarro beschrieb Trudeau als undankbaren Bengel. Trump habe ihm erstens einen „Gefallen“ getan, indem er die Reise trotz seiner historischen Aufgabe in Singapur angetreten habe. Mehr noch: „Er war sogar bereit, dieses sozialistische Kommuniqué zu unterzeichnen.“ Der „Amerika-zuerst“-Präsident hatte zunächst also ein „sozialistisches Kommuniqué“ unterzeichnet – nur dem kanadischen Gastgeber zuliebe? Daraus dürften Kim Jong-un und andere Verhandlungspartner Trumps tatsächlich ihre Schlüsse ziehen.

          Umso grotesker wirkt im Rückblick die Feilscherei um Silben beim G-7-Gipfel. Die Amerikaner hatten in Kanada durchgesetzt, dass sich die Gruppe nicht mehr zu „der“, sondern nur noch zu „einer regelbasierten Welthandelsordnung“ bekennt. Obwohl seine Leute die G-7-Partner gleichsam dafür schalten, den Friedensstifter Trump auf seinem Weg nach Singapur mit ihrem Palaver abgelenkt zu haben, nahm Trump sich dort selbst Zeit für eine neuerliche Twitter-Eskalation.

          Trump verursacht kanadischen Burgfrieden

          Er beschwerte sich, dass „die Vereinigten Staaten beinahe die gesamten Kosten der Nato tragen – um viele derselben Länder zu schützen, die uns beim Handel abzocken (sie zahlen einen Bruchteil der Kosten und lachen!)“. Die EU und besonders Deutschland müssten einen viel höheren Anteil ihres Bruttoinlandsprodukts beitragen. „Deutschland zahlt 1Prozent (langsam) des BIP an die Nato, während wir 4 Prozent eines viel größeren BIP zahlen. Glaubt irgendwer, dass das Sinn ergibt? Wir beschützen Europa (was gut ist) bei hohen finanziellen Verlusten, und dann werden wir beim Handel geschröpft.“

          Navarro hatte vor Wochen im Fernsehen versichert, auf keinen Fall würden andere Nationen Vergeltungszölle erheben. Die Kanadier aber rücken in ihrer Empörung und Entschlossenheit zusammen. Nicht nur Trudeaus konservativer Amtsvorgänger Stephen Harper kritisierte Amerikas Politik. Sogar der Rechtspopulist und „kanadische Trump“ Doug Ford, der vorige Woche zum Premier der Provinz Ontario gewählt wurde, versprach dem linksliberalen Trudeau, „Schulter an Schulter“ gegen Trumps Zölle zu kämpfen.

          Kanadische Nettigkeit fehlinterpretiert

          Trudeau äußerte sich gar nicht zu dem Eklat. Mitarbeiter wiesen aber den von Trump geschürten Eindruck zurück, er habe mit gespaltener Zunge geredet. Dass es „etwas beleidigend“ sei, wenn Amerika Schutzzölle mit einer kanadischen Sicherheitsbedrohung begründe, habe Trudeau Trump mehrmals ins Gesicht gesagt.

          Der Zeitung „Toronto Star“ wiederum ist zu entnehmen, dass vielleicht eher Trump mit gespaltener Zunge sprach. Gleich dreimal soll Trump bei seinem bilateralen Treffen mit Trudeau am Freitagabend Variationen dieses Satzes gesagt haben: „Die Leute vergessen, wie nah wir uns stehen, Justin. Sie haben uns fotografiert, als wir lächelnd miteinander redeten, und sofort schoss der Markt 200Punkte hoch.“

          Trudeau sei immer so höflich wie klar in der Sache geblieben. Vielleicht, spekulieren viele Kanadier, habe der Amerikaner die typisch kanadische Nettigkeit falsch interpretiert – ein ewiger Topos, wenn sich Kanadier von ihren südlichen Nachbarn abgrenzen. Also gab Trudeaus Außenministerin am Sonntag etwas Nachhilfe: „Kanada hält persönliche Angriffe nicht für ein sonderlich angemessenes oder nützliches Mittel in unseren Außenbeziehungen“, sagte Chrystia Freeland. „Erst recht nicht in unseren Beziehungen zu Verbündeten.“

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