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Obama wirbt für Clinton : Die große Kuschel-Show

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Große Einigkeit, große Inszenierung: Obama, der seiner Partei bei den Zwischenwahlen vor zwei Jahren noch als Klotz am Bein galt, ist mittlerweile wieder ein gern gesehener Gast im Wahlkampf.
Große Einigkeit, große Inszenierung: Obama, der seiner Partei bei den Zwischenwahlen vor zwei Jahren noch als Klotz am Bein galt, ist mittlerweile wieder ein gern gesehener Gast im Wahlkampf. : Bild: Reuters

„Das Amerika, das ich kenne, ist voll des Mutes, voll des Optimismus und voll des Einfallsreichtums“, sagt Obama in seiner Rede am Mittwochabend. „Das Amerika, das ich kenne, ist anständig und großzügig.“ Fest steht: Der Auftritt in Philadelphia ist für Obama eine der letzten Möglichkeiten, vor einem Millionenpublikum für sich und seine Agenda zu werben und er nimmt die Rolle des befreit aufspielenden Einpeitschers für Hillary Clintons Kampagne gerne an, vor allem wenn es gegen Donald Trump geht. Der, so Obama, biete keine Lösungen an, „nur Slogans und Angst“. Als das Publikum zu buhen beginnt, als Obama Trumps Namen nennt, winkt der Präsident ab. „Buht nicht! Wählt einfach!“

Biden gibt den lockeren Redner

Auch Vize-Präsident Joe Biden, der lange selbst als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat galt, sich aber nach dem Tod seines Sohnes gegen eine Kandidatur entschied, steht am Mittwochabend in Philadelphia auf der Bühne und macht seinem Ruf als nie um einen lockeren Spruch verlegener Redner alle Ehre. „Trump sagt uns, dass er sich um die Mittelschicht kümmert“, ruft Biden in den Saal, „aber das ist doch großer Quatsch“. Nein, Trump habe „keine Ahnung, was Amerika großartig macht, ach was, er hat überhaupt keine Ahnung. Punkt“. Bei den Zuschauern kommt das gut an. „Keine Ahnung, keine Ahnung“, skandieren die Delegierten, die auch dann laut klatschen, als Biden den von Trump angeblich so geschätzten russischen Präsidenten Putin einen „Diktator“ nennt.

Natürlich gibt es aber auch von Biden jede Menge lobende Worte für die aktuelle demokratische Präsidentschaftskandidatin, wobei er sich vor allem auf ihr wirtschafts- und sozialpolitisches Programm konzentriert. Für alle Amerikaner, die sich um ihren Job, eine anständige Bezahlung oder die Bildung ihrer Kinder sorgten, gebe es „nur eine Person bei dieser Wahl, die euch helfen wird, nur eine Person im Rennen, die für euch da ist, die immer für euch da gewesen ist“: Hillary Clinton. „Jeder weiß, dass sie schlau ist, jeder weiß, dass sie zäh ist“, so Biden, aber er kenne sie vor allem als leidenschaftliche Politikerin, die sich kümmere. „Wir wissen alle, was es für unsere Töchter und Enkeltöchter bedeutet, wenn sie das Oval Office als Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika betreten wird. Es wird ihre Leben verändern. Meine Tochter, meine Enkeltöchter können all das erreichen, was jeder Sohn oder Enkelsohn erreichen kann.“

Hillary Clinton dürfte die Worte der beiden ranghöchsten Regierungsmitglieder nicht nur mit großem Wohlwollen verfolgt, sondern dabei vor allem gehofft haben, dass die Botschaften und Empfehlungen von Obama und Biden auch bei deren Wählerbasis angekommen sind. Die gewonnenen Präsidentschaftswahlen von 2008 und 2012 waren schließlich das Resultat einer Wählermobilisierung, wie es sie zuvor in den Vereinigten Staaten nicht gegeben hatte. Obama und Biden konnten vor allem Schwarze, Latinos und junge Menschen, die bei früheren Abstimmungen noch in großer Zahl zuhause geblieben waren, für ihre Politik begeistern. Zählt man dann noch die Gruppe der überdurchschnittlich gebildeten Weißen dazu, sprechen Politikwissenschaftler und Wahlforscher von der „Obama Coalition“, der Obama-Koalition.

Diese heterogene Plattform muss, da sind sich nahezu alle Beobachter und Kommentatoren einig, auch Clinton gewinnen, wenn sie das Rennen gegen Trump im November für sich entscheiden will. Der Auftritt von Obama und Biden an diesem dritten Abend der insgesamt viertägigen Nominierungsshow in Philadelphia könnte ein erster Schritt in diese Richtung gewesen sein.

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