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Aussage im Kongress : Trump schießt gegen Cohen zurück

  • Aktualisiert am

Michael Cohen verlässt am 21. Februar 2019 den Capitol Hill in Washington. Bild: AP

Kurz bevor sein früherer Anwalt im amerikanischen Kongress aussagt, bezeichnet Donald Trump ihn als Lügner und Betrüger. Cohen will am Mittwoch dieselben Vorwürfe gegen ihn erheben.

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          Der amerikanische Präsident Donald Trump hat seinen langjährigen Anwalt und Vertrauten Michael Cohen kurz vor dessen öffentlicher Anhörung im Kongress als Lügner bezeichnet. „Michael Cohen war einer von vielen Anwälten, die mich vertreten haben (leider)“, schrieb Trump am Mittwoch vor seinem Gipfeltreffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Vietnam bei Twitter. „Er lügt, um seine Zeit im Gefängnis zu verringern“, fügte Trump hinzu. Wegen früherer
          Lügen vor dem Kongress habe Cohen seine Zulassung als Anwalt verloren.

          Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders, sprach bereits am Dienstag von Cohen als einen „in Ungnade gefallenen Verbrecher“ und einen „überführten Lügner“. Laut der „Washington Post“ hat auch Trumps persönlicher Anwalt Rudolph W. Guiliani die Glaubwürdigkeit Cohens angezweifelt und den Verdacht geäußert, der Anwalt sei mit der russischen Mafia verbandelt: „Wer ihm glaubt, ist ein Narr.“

          Cohen selbst plant, den amerikanischen Präsidenten bei seiner Aussage vor dem Kongress als Betrüger bezeichnen und Belege für seine Vorwürfe liefern. Das geht aus Cohens vorbereiteter Eingangserklärung hervor, die von der „New York Times“ in der Nacht zu Mittwoch veröffentlicht wurde. Demnach will Cohen über Trump sagen: „Er ist ein Rassist. Er ist ein Hochstapler. Er ist ein Betrüger.“ In Cohens Statement heißt es zudem, Trump habe vorab von der Veröffentlichung gehackter E-Mails der Demokraten durch Wikileaks im Wahlkampf 2016 gewusst. Cohen hat schon am Dienstag vor dem Geheimdienstausschuss des Senats ausgesagt, jedoch hinter verschlossener Tür. Nach dem Termin sagte Cohen, er habe die Gelegenheit bekommen, Dinge geradezurücken und „die Wahrheit zu sagen“.

          Cohen nennt es in dem Statement „ironisch“, dass Trump während seiner Aussage vor dem Kongress ausgerechnet in Vietnam sei. Er vermittele den Eindruck, dass Trump sich während des Vietnam-Krieges vor dem Militärdienst gedrückt haben könnte.

          Die Vereinigten Staaten unterstützten Südvietnam während des Vietnamkrieges militärisch. Ab März 1965 entsandte die amerikanische Regierung immer mehr Bodentruppen. 1973 schlossen die Vereinigten Staaten einen Waffenstillstand mit Nordvietnam. Trump soll während des Vietnam-Kriegs wegen eines Fersensporns ausgemustert worden sein, also wegen eines schmerzhaften Auswuchses am Fußknochen. In Cohens Statement heißt es nun, Trump habe ihn im Wahlkampf 2016 damit beauftragt, sich um die schlechte Berichterstattung in den Medien wegen seiner Ausmusterung zu kümmern. Trump habe ihm auf seine Bitten hin aber keine Belege für einen Fersensporn vorgelegt. Er habe ihm stattdessen gesagt: „Denkst Du, ich bin blöd, ich wäre doch nicht nach Vietnam gegangen.“

          In der mit Spannung erwarteten öffentlichen Anhörung will sich der frühere Anwalt von Trump am Mittwoch Fragen von Abgeordneten im Kongress stellen. Der 52 Jahre alte Cohen, der mehr als ein Jahrzehnt für Trump gearbeitet hat, ist eine zentrale Figur in mehreren Affären um den Präsidenten. Cohen sagt in dieser Woche mehrfach vor dem Kongress aus. Am Dienstag hatte er sich hinter verschlossenen Türen vor dem Geheimdienstausschuss des Senats geäußert.

          Cohens Aussage am Dienstagabend dauerte acht Stunden. Senatoren wollten anschließend keine konkreten Angaben zu Cohens Aussagen machen. Trumps langjähriger „Ausputzer“ selbst äußerte sich zufrieden über die Befragung. „Und ich freue mich darauf, morgen mit meiner Stimme der amerikanischen Bevölkerung meine Geschichte erzählen zu können. Und ich werde die Amerikaner entscheiden lassen, wer die Wahrheit sagt“, so Cohen.

          Am Donnerstag wird eine abermalige Vernehmung Cohens hinter verschlossenen Türen folgen, dann vor dem Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses. Cohens Anwalt Lanny Davis hat „erschreckende“ Aussagen über Trump angekündigt.

          In Cohens vorbereiteter Aussage für Mittwoch heißt es, er habe keine direkten Beweise dafür, dass Trump oder sein Wahlkampfteam 2016 Geheimabsprachen mit Russland getroffen hätten. Er habe aber den Verdacht, dass Trump von einem Treffen von Vertretern des Wahlkampfteams mit Russen im Juni 2016 gewusst habe. FBI-Sonderermittler Robert Mueller untersucht, ob es solche Geheimabsprachen gegeben hat. Cohen kooperiert mit Mueller.

          Zum Rassismus-Vorwurf heißt es in Cohens Aussage, Trump habe ihm gesagt, dass Schwarze ihn nie wählen würde, weil sie „zu dumm“ seien. Trump habe ihn außerdem gefragt, ob er ein Land kenne, das von einem Schwarzen regiert werde und das kein „Drecksloch“ sei. Zu dem Zeitpunkt sei Barack Obama Präsident gewesen.

          Cohen sagt dem Statement zufolge, dass Trump übertriebene Angaben zu seinem Vermögen gemacht habe, wenn es seinen Zielen zugute gekommen sei – zum Beispiel bei der Plazierung auf der „Forbes“-Reichenliste. Dann habe Trump sein Vermögen wieder kleingerechnet, um Steuern zu sparen. Zu den Belegen, die Cohen dem Kongress vorlegen will, gehören nach seiner Aussage Kopien von Vermögensbilanzen aus den Jahren 2011 bis 2013, die Trump der Deutschen Bank vorgelegt haben soll.

          Cohen sagt in der Erklärung, zu seinen Aufgaben habe früher gehört, auf Anweisung Trumps Geschäftsleute anzurufen, um ihnen zu sagen, dass Trump sie für ihre Leistungen nicht oder nicht wie vereinbart bezahlen werde. Cohen will dem Kongress zudem Kopien von Briefen übergeben, in denen er auf Anweisung Trumps Schulen mit Klagen gedroht habe, wenn sie dessen Noten veröffentlichten.

          Michael Cohen am Dienstag in Washington nach seiner Befragung durch Senatoren.
          Michael Cohen am Dienstag in Washington nach seiner Befragung durch Senatoren. : Bild: EPA

          Zu den Schweigegeldzahlungen an den Pornostar Stormy Daniels heißt es in Cohens Statement über Trump: „Er bat mich, einen Pornostar zu bezahlen, mit der er eine Affäre hatte, und seine Frau darüber zu belügen, was ich getan habe.“ Cohen hat bereits in der Vergangenheit angegeben, im Auftrag Trumps Schweigegeldzahlungen an Daniels (bürgerlicher Name: Stephanie Gregory Clifford) und an das frühere Playmate Karen McDougal veranlasst zu haben. Beide Frauen geben an, Affären mit Trump gehabt zu haben. Trump bestreitet das.

          In Cohens Aussage heißt es, er wolle dem Kongress eine Kopie eines Schecks von Trumps persönlichem Konto vorlegen, den Trump selber unterzeichnet habe. Dieser Scheck vom 1. August 2017 sei eine der Raten gewesen, mit der Trump ihm die Schweigegeldzahlung an Daniels zurückerstattet habe.

          Cohen hatte 2006 bei der Trump-Organisation angefangen, zuletzt war er dort Vizepräsident. Er wurde oft als Trumps „Ausputzer“ beschrieben. Aber er hat sich von seinem früheren Boss abgewendet und ihn mehr als einmal in Bedrängnis gebracht.

          Im August bekannte er sich vor Gericht wegen Verstößen gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung und anderer Anklagepunkte schuldig. Im November bekannte sich Cohen zudem schuldig, den Kongress belogen zu haben. Dabei ging es um den geplanten Bau eines Trump-Towers in Moskau, der letztlich nicht zustande kam. Zu dem Trump-Tower-Projekt hatte Cohen zunächst erklärt, die Pläne seien im Januar 2016 aufgegeben worden – also noch vor der ersten Abstimmung im Vorwahlkampf der Republikaner.

          Später gab er unter anderem an, noch bis ungefähr Juni 2016 versucht zu haben, eine Genehmigung der russischen Behörden für das Projekt zu erhalten. Seine Bemühungen liefen also in der kritischen Phase von Trumps Wahlkampf weiter. In dem Statement von Mittwoch erklärt Cohen, Trumps Anwälte hätten seine Falschaussage vor dem Kongress vorab gesehen und redigiert.

          Cohen war im Dezember zu drei Jahren Haft verurteilt worden und soll seine Strafe im Mai antreten. Trump und das Weiße Haus sind seit Monaten bemüht, Cohen als Lügner zu diskreditieren. Er steht bei der Anhörung vor dem Kongress unter Eid.

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