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Anwalt Michael Cohen : Tricksen für Trump

  • -Aktualisiert am

Michael Cohen vergangenen August beim Verlassen eines Gerichtsgebäudes in New York. Bild: dpa

Der ehemalige Anwalt des Präsidenten soll vor dem Wahlkampf eine Firma bezahlt haben, Online-Umfragen für Trump zu manipulieren. Für Cohen sprang ein Fake-Fanclub heraus, dessen Huldigungen immer noch online sind.

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          Umfragen im Internet sind mit Vorsicht zu lesen: Häufig sind sie nicht repräsentativ, und sie lassen sich manipulieren. Donald Trump soll das noch vor dem Vorwahlkampf der Republikaner versucht haben, in den Jahren 2014 und 2015. Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, sollte Trumps damaliger Anwalt Michael Cohen mehr als 12.000 Dollar gezahlt haben, damit eine Technologiefirma für ihn zwei Befragungen beeinflusst: Der Fernsehsender CNBC fragte 2014 nach den hundert erfolgreichsten Geschäftsleuten im Land – der Versuch, Trumps Wert nach oben zu tricksen, soll aber fehlgeschlagen sein. In einer Umfrage des rechtsgerichteten „Drudge Report“ wurde 2015 nach möglichen republikanischen Präsidentschaftskandidaten gefragt, Trump kam dabei auf den fünften Platz.

          Das Geld für die Manipulationsversuche soll Cohen dem Besitzer der Firma RedFinch Solutions, John Gauger bar in einer Plastiktüte mitgebracht und noch einen Sammler-Boxhandschuh hinzugelegt haben. Cohen wies diesen Teil des Berichts zurück: Alle Zahlungen seien per Scheck erfolgt. Dafür, dass Gauger Trumps Umfrage-Werte steigern sollte, habe der Anwalt ihm 50.000 Dollar angeboten. Doch die zahlte Cohen laut Gauger nie. Trotzdem soll Cohen der Trump Organization 50.000 Dollar für „technologische Dienstleistungen“ in Rechnung gestellt haben. Das Unternehmen RedFinch Solutions ist auch für die private christliche Liberty University in Lynchburg in Virginia tätig – deren Präsident ist Jerry Falwell Jr., ein evangelikaler Führer. Falwells Gefolgschaft erwies sich für Trump später im Wahlkampf als sehr wichtig.

          Das „Wall Street Journal“ beruft sich auf Dokumente der Anklage aus Cohens Strafprozess in New York. Cohen äußerte sich bei Twitter: „Was den WSJ-Artikel über Umfrage-Manipulation betrifft: Was ich tat, habe ich getan auf Anweisung und einzig zugunsten von @realDonaldTrump @POTUS. Ich bereue meine blinde Loyalität zu einem Mann, der sie nicht verdient, zutiefst.“ Trump hatte am Wochenende wieder einmal gegen seinen ehemaligen Anwalt ausgeteilt und diesen bei Fox News als „schwach“ beschimpft.

          Cohen war vergangenen Dezember unter anderem wegen Steuerbetrugs und Falschaussagen vor dem Kongress zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hatte 2016 für Trump Schweigegeldzahlungen an Pornodarstellerin Stormy Daniels und das ehemalige Playboy-Model Karen McDougal eingefädelt, die über mutmaßlichen Sex mit dem Unternehmer schweigen sollten. Den Kongress belog Cohen über die Dauer der Verhandlungen für einen „Trump Tower“ in Moskau, die bis Juni 2016 andauerten.

          Der Anwalt galt lange vor Trumps politischer Karriere als dessen Ausputzer und Mann fürs Grobe, der ihm Gegner vom Hals hielt. Er bereue es heute, Trumps „dreckige Taten“ gedeckt zu haben, sagte Cohen während seines Verfahrens. Inzwischen kooperiert er mit Sonderermittler Robert Mueller, der untersucht, ob Trumps Wahlkampfteam mit Russen zusammenarbeitete. Am 6. März soll der ehemalige Anwalt seine Haft antreten.

          Was weiß Cohen noch?

          Online-Umfragen können einfach manipuliert werden, etwa indem man Menschen dafür bezahlt, Klicks an der gewünschten Stelle zu machen. Natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass Trump nicht der einzige war, der so trickste. Und die bekannt gewordenen Manipulationsversuche fielen nicht in seinen Wahlkampf. Relevant ist die neue Enthüllung vor allem, weil sie daran erinnert, dass noch vieles in den Gerichtsdokumenten und in Cohens Aussagen unbekannt ist und für Trump zum Problem werden könnte. Und Cohens freimütige Reaktion auf die Geschichte könnte ein Hinweis darauf sein, dass er noch mehr erzählen will: Am 7. Februar soll er vor dem Haupt-Untersuchungssausschuss des Repräsentantenhauses, dem Ausschuss für Aufsicht und Reform, aussagen.

          Trumps Anwalt Rudy Giuliani sagte, falls der Bericht über die Umfragemanipulation stimme, habe der Präsident nichts davon gewusst. Giuliani schien in den vergangenen Tagen auch damit befasst zu sein, die Sprachregelung in der Russland-Affäre weiter anzupassen – bislang lautete die: „No Collusion“, keinerlei Zusammenarbeit mit den Russen also. Am Mittwoch sagte Giuliani bei CNN: „Ich habe nie gesagt, dass es keine Zusammenarbeit der Kampagne oder von Leuten aus dem Wahlkampfteam gab. Ich sagte, der Präsident der Vereinigten Staaten. Es gibt nicht den kleinsten Beweis, dass der Präsident der Vereinigten Staaten das einzige Verbrechen begangen hat, das man hier hätte begehen können, eine Verschwörung mit den Russen, um das Demokratische Nationalkommitee zu hacken.“

          Russische Hackerangriffe auf die Demokraten sehen die amerikanischen Behörden als erwiesen an, ohne dass eine Verbindung zu Trumps Wahlkampfteam bekannt wäre. Bei den Ermittlungen von Robert Mueller geht es aber auch um andere mögliche Formen der Zusammenarbeit und um die Frage, ob Trump die Justiz behindern wollte.

          Michael Cohen hatte übrigens nicht nur Trumps Popularität im Auge, als er vorm Wahlkampf mit den Technik-Experten von RedFinch über Internet-Tricks verhandelte und vermeintlich mit einer Tüte voll Bargeld auftauchte. Er wollte auch sich selbst etwas Gutes tun. Die Firma baute nämlich auch einen Twitter-Account mit dem Namen @WomenForCohen auf.

          Dieser Fake-Fanclub, gewidmet dem „Sex-Symbol“ und „Pitbull“ Cohen, twitterte dann zum Beispiel im Mai 2016: „Kein Wunder, dass @realDonaldTrump sich @MichaelCohen212 als rechte Hand ausgesucht hat! Er ist charmant, intelligent und gut aussehend!“ Oder Cohen selbst twitterte im September 2016, jemand habe ihm gesagt er sehe aus wie ein „junger Andy Garcia“. Die „Frauen für Cohen“ versicherten prompt: „Du siehst sogar noch sexier aus!“

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