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Angst vor Terror : Amerikaner fürchten zweiten 11. September

Ein Migrant, der die amerikanische Staatsbürgerschaft erhält, im Gedächtnispark für die Opfer des 11. Septembers 2001 in Jersey City. Bild: AFP

Die Amerikaner haben Angst vor einem großen Terroranschlag - so sehr wie seit 2002 nicht mehr. Beim Thema Einwanderung ist die Nation ein Jahr vor der Präsidentenwahl gespalten.

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          Drei von vier Amerikanern fürchten einen Terroranschlag katastrophalen Ausmaßes, verübt von islamistischen Terroristen im eigenen Land. Das geht aus einer Umfrage des Chicago Council on Global Affairs hervor, die kürzlich veröffentlicht wurde.

          Lorenz Hemicker
          Redakteur in der Politik

          Demnach sorgen sich 72 Prozent der Befragten, dass sich in den Vereinigten Staaten ein zweiter Anschlag wie am 11. September 2001 ereignen könnte. Bei den Anschlägen mit vier Zivilflugzeugen waren in New York und Washington knapp 3.000 Menschen getötet worden. 69 Prozent haben zudem generell Angst vor Internationalem Terrorismus. 64 Prozent zeigen sich besorgt hinsichtlich des Erstarkens radikal-islamistischer Gruppen wie des „Islamischem Staats“ (IS) in Syrien und im Irak.

          Neben den unterschiedlichen Ausprägungen von Terrorangst, die im Falle konkreter Anschläge so groß ist wie seit 2002 nicht mehr, eint die Mehrheit der Amerikaner die Sorge vor Cyberangriffen auf Computernetzwerke (69 Prozent) sowie vor gegnerischen Staaten, die entweder nach atomaren Waffen streben (59 Prozent) oder im Falle Nordkoreas schon besitzen (55 Prozent).

          Chinas außenpolitische Ambitionen und Russlands militärische Muskelspiele, wie sie im jüngsten Strategiebericht des Pentagon zum Ausdruck kommen, scheinen die Amerikaner hingegen kaum zu beeindrucken. In der Anfang Juli veröffentlichten jüngsten Auflage der nationalen Sicherheitsstrategie hatte das amerikanische Verteidigungsministerium die beiden Staaten als Gefahr für die nationalen Sicherheitsinteressen eingestuft. Der designierte Generalstabschef der Vereinigten Staaten, General Joseph Dunford, bezeichnete Russland sogar als größte Gefahr für die Sicherheit Amerikas. 

          Migranten spalten Amerikaner

          Unter den befragten Amerikanern messen den Rüstungsambitionen Chinas indes nur vier von zehn Befragten Gewicht bei, Russlands territorialen Ambitionen sogar nur jeder Dritte.

          Ob die Amerikaner sorgenvoll auf die Flüchtlingskrise in Europa schauen, lässt sich aus der Befragung nicht einwandfrei ablesen. Sie erfolgte bereits im Mai und Juni dieses Jahres. Wohl aber geht aus ihr hervor, dass das Thema Migration die Nation mit Blick auf die Grenze zu Mexiko grundsätzlich spaltet. Knapp zwei Drittel der befragten Republikaner halten große Zahlen von Flüchtlingen und Migranten, die in die Vereinigten Staaten kommen, für eine kritische Bedrohung. Bei den Demokraten sieht das nicht einmal jeder Dritte so. Unter unabhängigen Wählern teilt knapp jeder Zweite die Einschätzung.

          Eine Mehrheit der Unabhängigen und zwei Drittel der Republikaner halten es daran anknüpfend für eines der wichtigsten außenpolitischen Ziele, die illegale Zuwanderung in die Vereinigten Staaten zu kontrollieren und zu reduzieren.

          Waffen an die Ukrainer? - eher nicht

          Trauen die Amerikaner den Europäern zu, die Flüchtlingskrise zu bewältigen? Auch hier lässt sich nur eine Tendenz ablesen. „Sie glauben, dass die EU globale Probleme verantwortungsvoll bewältigen kann“, sagte Craig Kafura, Forscher des Chicago Council on Global Affairs vor deutschen Journalisten in Chicago auf einer Reise, die vom amerikanischen Außenministerium organisiert wurde. Das zeige sich exemplarisch in der Ukraine-Krise. Die Situation beunruhige die Amerikaner. „Aber sie unterstützten das diplomatisches Engagement der Europäer genauso wie Sanktionen und die amtierende Regierung in Kiew." Auch ansonsten geben sich die Amerikaner zurückhaltend.

          Jeder Zweite kann sich zwar vorstellen, dass Amerika die ukrainischen Streitkräfte trainiert. Für Lieferungen von Waffen und sonstigen Militärgütern an die ukrainische Regierung aber findet sich unter ihnen keine Mehrheit.

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