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Amerikanischer Wahlkampf : Und der Sieger heißt? Carly Fiorina!

Die einzige noch verbleibende weibliche Kandidatin im Lager der Republikaner: Cary Fiorina Bild: AFP

Ihr gelang es als Erste, Donald Trump alt aussehen zu lassen. Carly Fiorina startete als absolute Außenseiterin in den Vorwahlkampf der Republikaner, doch die einstige Hewlett-Packard-Chefin überrascht mit Fachkenntnis und Härte.

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          Im Schatten von Donald Trump ist eine neue Kandidatin aufgestiegen, die gerne Präsidentin der Vereinigten Staaten werden will. Sie heißt Cara Carleton „Carly“ Fiorina. Mit dem Immobilien-Unternehmer eint die 61-jährige, dass sie aus der Wirtschaft kommt. Sie hat bis zu ihrem Rauswurf den Computer- und Druckerkonzern Hewlett Packard geleitet.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Genau wie Trump und wie der ebenfalls populäre Arzt Ben Carson kann sie keine Erfahrungen in einem bedeutenden politischen Amt vorweisen. Was ihr als Nachteil ausgelegt werden könnte bei einer Bewerbung für den höchsten Posten der amerikanischen Politik, ist in dieser frühen Phase des Wahlkampfes ein echter Trumpf. Die Basis der Republikanischen Partei in Iowa und New Hampshire, die aufgrund seltsamer Fügungen ein entscheidendes Wort bei der Kandidaten-Vorauswahl spricht, drückt ihre Abneigung gegenüber dem politischen Establishment in Washington aus, indem sie Außenseitern Flügeln verleiht.

          Noch etwas macht ihren Sonderstatus aus: Schließlich ist sie die einzige Frau im noch 16 Kandidaten umfassenden Republikaner-Lager. Das erste Problem, das sie lösen muss ist allerdings, dass sie bisher kaum einer kennt.

          Als Erste ließ sie Trump alt aussehen

          Fiorinas Kampagne startete im Mai und zwar ziemlich schlecht. Ein Gegner hatte die Domain Carlyfiorina.org gekapert und auf der Website lauter 30.000 traurige Strichmännchen-Gesichter gezeigt. Sie sollten die Arbeitnehmer repräsentieren, die Fiorina während ihrer Dienstzeit als Chefin von Hewlett Packard gefeuert hatte.

          Spätestens seit der ersten Debatte der Republikaner-Kandidaten beim konservativen Fernsehsender Fox zeigte sie aber, dass sie so schnell nicht aufsteckt. Angesichts der großen Menge an Aspiranten für das Präsidentenamt sah sich Sender gezwungen, zwei Debatten zu veranstalten. Eine für die Umfrage-Favoriten zur Primetime, eine für die eher unbekannten Kandidaten zur so genannten Happy Hour. Fiorina gewann diese Debatte nach der Überzeugung von Beobachtern und Meinungsforschern deutlich. Das beflügelte ihre Kampagne offenkundig, sie durfte jetzt auf CNN in der ersten Liga mitspielen und sich mit den bekannteren Republikaner-Kandidaten messen. Aus dieser Debatte ist sie ebenfalls siegreich hervor gegangen, sagen Beobachter.

          Ihr gelang es als eine der Ersten, Donald Trump alt aussehen zu lassen. Zum einen überzeugte sie durch Schlagfertigkeit und sie erzeugte erfolgreich den Eindruck, dass sie sich vor allem in der Sicherheits- und Außenpolitik gut auskannte und einen Plan hat, Amerika zu alter Stärke zu führen. Sie sprach von der Sechsten Flotte, Manövern im Baltikum und nannte den Namen eines Generals, ohne sich zu verhaspeln. Im Vergleich dazu wirkte Trump wie ein Problemschüler am Vorabend einer wichtigen Klausur, der seinen besorgten Eltern sagt: „Keine Sorge, ich ziehe mir den Stoff noch rein.“

          Wenn man Fiorinas Aussagen aber genau beleuchtet, wird einem doch etwas mulmig. Mit Putin würde sie nicht reden, den Iran-Deal würde sie aufkündigen, aggressive Militärübungen im Baltikum veranstalten, die Sechste Flotte aufrüsten und  vermutlich ein paar tausend zusätzliche Streitkräfte nach Deutschland schicken. Was an Fiorina noch auffällt, ist die Brutalität, mit der sie nicht nur Barack Obama angeht, sondern auch Hillary Clinton.  

          21 Millionen Dollar zum Abschied

          Ihre Chancen, Präsidentin zu werden stehen nicht gut, aber eine Beförderung zur Vizepräsidentin trauen ihr viele zu. Was ihr in den kommenden Wochen und Monaten zu schaffen machen dürfte, sind die notorischen Verweise, sie habe als CEO 30.000 Arbeitsplätze gestrichen und zugleich gut gelebt. Just am Tag der CNN-Debatte verkündete ihre alte Firma Hewlett Packard weitere Stellenstreichungen. Ihre Gegner streuen die Botschaft, der Konzern habe sich nicht nie von Fiorinas Amtszeit erholt. Wahrscheinlich ist das ungerecht. Als sie an die Spitze der Firma kam, steckte die ganze Branche in einer tiefen Krise, die viele nicht überlebten.

          Fiorina kürzte Stellen und leitete gleichzeitig gegen heftige interne Widerstände eine Großfusion ein. Sie hat sich vermutlich nicht bezahlt gemacht, aber sie zeigt auch, dass die Frau Widerstände überwindet und Mut hat. Sie wurde 2005 gefeuert und bekam zum Abschied 21 Millionen Dollar. Der Börsenkurs von HP stieg unmittelbar nach ihrer Entlassung kräftig. 

          2010 kämpfte sie in Kalifornien um einen Senatssitz für Washington. Sie unterlag. Eine Rolle spielten die Massenentlassungen, und dass sich ihre Familie in jener Zeit eine Yacht zugelegt hatte. Diese Botschaft verbreitete ihre Gegnerin unablässig in einem giftigen Werbespot.

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