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Amerika vor dem „Super-Dienstag“ : Alle Augen auf Ohio

Lachen für den Sieg: Mitt Romney begrüßt seine Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung in Dayton

Lachen für den Sieg: Mitt Romney begrüßt seine Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung in Dayton Bild: AFP

Regional vielfältig und verschieden, politisch unberechenbar: Von den zehn Staaten, in denen an diesem Dienstag, dem "Super Tuesday", Vorwahlen der Republikaner stattfinden, gilt Ohio als der am härtesten umkämpfte.

          5 Min.

          John D. Hanson aus Dublin in Ohio ist 36 Jahre alt, hat Frau und drei Kinder und braucht einen Job. Der Irak-Veteran ist seit seiner Rückkehr aus dem Zweistromland im Sommer auf Arbeitssuche. Seit Oktober erhält der Soldat der Nationalgarde des Heeres auch keinen Sold mehr. Noch reichen die Ersparnisse; die Raten für das Reihenhaus zahlen die Hansons regelmäßig. „Meine Frau und ich haben während meines Einsatzes im Irak gut gewirtschaftet“, erzählt Hanson. Obwohl das Polster dünner wird, ist Hansons Zuversicht unerschüttert: „Amerika ist noch immer das Land der Möglichkeiten. Vielleicht muss ich auf meine Chance noch ein wenig warten, aber sie kommt gewiss.“

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Um die Zeit zu überbrücken, bildet er sich weiter. Er hat Lehrgänge in Logistik absolviert, den Führerschein für Gabelstapler gemacht. Er hat sich an einer Fernuniversität in Cincinnati eingeschrieben. Mit zwei weiteren Abschlüssen in Betriebswirtschaft und Geschichte will er seine Qualifikation verbessern. Außerdem macht ihm das Lernen Freude. Und das Lehren auch. Die zwei älteren Söhne - acht und sechs Jahre alt - unterrichten die Hansons daheim. Das ist in Amerika in allen 50 Bundesstaaten erlaubt, in Ohio müssen die Eltern formlos bestätigen, dass ihre Kinder pro Schuljahr mindestens 900 Stunden unterrichtet werden. Hansons Frau ist ohnedies Lehrerin. Doch seit der jetzt zwei Jahre alte jüngste Sohn geboren wurde, ist sie zu Hause, versorgt und unterrichtet die Kinder.

          Vorsichtiger Optimismus bei Arbeitssuchenden und Arbeitsvermittlern

          John Hanson trägt ein gestärktes Hemd und eine Krawatte. Er ist zur „Central Ohio Workforce Investment Corporation“ (Cowic) in der Hauptstadt Columbus gekommen, einer aus öffentlichen und privaten Mitteln finanzierten Initiative, die Arbeitgeber und Arbeitssuchende zusammenbringt. Zwar hat er bisher bei drei Jobs, für die er zum Bewerbungsgespräch eingeladen wurde, kein Glück gehabt. Aber er glaubt zu spüren, dass sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt allmählich bessert: „Ich bekomme auf meine Bewerbungsschreiben mehr Rückmeldungen als noch vor drei Monaten.“

          Das sieht auch Suzanne Coleman-Tolbert so. Sie ist die Managerin von Cowic und überblickt die Tätigkeit der Jobcenter in Columbus und den umliegenden Landkreisen. So etwas wie eine Trendwende habe im September eingesetzt. „Damals haben wir uns das Ziel gesetzt, jeden Monat tausend Arbeitsplätze zu vermitteln. Im Dezember haben wir schon 1200 offene Stellen besetzen können“, sagt sie.

          Die jüngste Statistik vom Arbeitsmarkt bestätigt den vorsichtigen Optimismus von Arbeitssuchenden wie Hanson und Arbeitsvermittlern wie Coleman-Tolbert. Im Januar sank die Arbeitslosenquote in Ohio von 7,9 Prozent im Vormonat auf 7,7 Prozent; das ist der niedrigste Wert seit November 2008. Damit steht der Staat im Mittleren Westen, der mit seinen gut 11,5 Millionen Einwohnern nach der Bevölkerungszahl an siebter Stelle unter den 50 Bundesstaaten steht, auch im nationalen Durchschnitt relativ gut da. Doch auch im ganzen Land ging die Arbeitslosenquote seit Dezember um weitere 0,2 Prozentpunkte auf 8,3 Prozent im Januar zurück; das ist der niedrigste Stand seit Februar 2009.

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