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Alt-Right-Bewegung : „Heil Trump!“ für den künftigen Präsidenten

Bild: The Atlantic

Mit Steve Bannon als Trumps Chefberater könnte auch die Ideologie der „Alt-Right“-Bewegung ins Weiße Haus einziehen. Sie ist ein Sammelbecken für Rechtsradikale, Libertäre und Rassisten, die ihren Extremismus nach der Wahl offen zur Schau stellen.

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          Die Szene, die sich am vergangenen Samstag im der amerikanischen Regierung gehörenden Ronald-Reagan-Building in Washington abspielte, nur ein paar hundert Meter vom Weißen Haus entfernt, übertraf noch die schlimmsten Befürchtungen vieler Amerikaner. „Heil Trump, heil unserem Volk, Sieg Heil!“ rief Richard B. Spencer, und die rund 300 Zuhörer im Saal applaudierten nicht nur begeistert, sondern reckten vielfach sogar den rechten Arm in die Höhe.

          Oliver Georgi
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Spencer ist Vorsitzender des „National Policy Institutes“ (NPI), einem Think Tank weißer Nationalisten. Er bildet die intellektuelle Dachorganisation der ultrarechten „Alt-Right-Bewegung“, einem schnell wachsenden Sammelbecken für weiße Nationalisten, Libertäre und offen Rechtsradikale. Bei seinem Jahrestreffen diskutiert das NPI jedes Jahr über die neue, weiße Gesellschaft, die seine Anhänger fordern – doch seit Donald Trump gewählt wurde, ist die Bewegung in Champagnerstimmung wie nie zuvor. „Die Wahl von Trump war für alle ein Erweckungserlebnis“, sagte Spencer am Samstag zur Eröffnung des Treffens, bei dem Vorträge wie „Trump und der neue weiße Wähler“ oder „Die Zukunft der Alt-Right-Bewegung“ auf der Agenda standen. „Wir sind noch nicht ganz das Establishment, aber wir sollten damit anfangen, uns so zu verhalten.“

          In seinem Vortrag schilderte Spencer, der von einem „Ethno-Staat als Sammelpunkt für alle Europäer“ träumt und unverhohlen „friedliche ethnische Säuberungen“ fordert, wie er sich das künftige Establishment vorstellt: als Zentrum einer rassistischen Ideologie der weißen Vorherrschaft. Er machte sich über die „Mainstream-Medien“ lustig, die er unter dem Gelächter seiner Zuhörer nach dem „deutschen Original“ lieber als „Lügenpresse“ bezeichnete, sprach von Amerika als einem Land, das „bis zur letzten Generation ein weißes Land“ gewesen sei, „geschaffen für uns und unsere Nachkommen“, das keine anderen Rassen brauche. Auch über die Wahl der Mittel ließ Spencer keine Zweifel: „Für uns gibt es nur Eroberung oder Tod.“

          „America first“ betrifft für die Alt-Right-Bewegung nur die Weißen

          Die Alt-Right-Bewegung, so diffus sie ist, eint die Angst, die schon Kernstück der nationalsozialistischen Ideologie war – auch wenn Spencer eine Nähe zu dieser am Samstag bestritt: Dass die eigene Rasse, in diesem Fall die weiße, unter dem Ansturm der „minderwertigen“ anderen Rassen untergehen könnte. Unter Donald Trumps Haltung „America first“ verstehen Spencer und die Alt-Right-Bewegung ausschließlich das Amerika der Weißen.

          Der Einflüsterer und sein Chef: Steve Bannon Ende Oktober mit Donald Trump auf dem Bürgerkriegsschlachtfeld von Gettysburg
          Der Einflüsterer und sein Chef: Steve Bannon Ende Oktober mit Donald Trump auf dem Bürgerkriegsschlachtfeld von Gettysburg : Bild: AP

          Nun könnte man sagen: Rechtsextreme gab es immer schon. Das Problem ist nur, dass die Nähe zum Weißen Haus womöglich nicht nur räumlich ist wie am Samstag in Washington. Denn mit Steve Bannon, dem früheren Chef der rechtspopulistischen Webseite „Breitbart News“, den Donald Trump zu seinem Chefberater gemacht hat und der Breitbart als Plattform für die Alt-Right-Bewegung bezeichnet hat, könnte die Ideologie der „white supremacy“, der „weißen Vorherrschaft“, ihren Weg bis hinein ins Oval Office finden. Wie sehr Bannon, der als Chefberater den Zugang zum Präsidenten kontrolliert, ein ideologischer Einflüsterer Trumps sein wird – keine Frage treibt Amerika derzeit so um wie diese.

          Bis Trump den 62 Jahre alten Bannon im August 2016 von „Breitbart News" abwarb und zu seinem Wahlkampfchef machte, hatte dieser die für ihre rassistischen Tendenzen ohnehin berüchtigte Seite weiter ideologisch zugespitzt. Feminismus ein „Krebsgeschwür“, Migranten eine “ansteckende Krankheit“, junge Muslime eine “tickende Zeitbombe“: Es gibt kaum eine Gruppe außer der der weißen Männer, die auf „Breitbart“ nicht auf das Übelste attackiert worden wäre. Zwei Wochen nach dem Massaker in Charleston, bei dem der weiße Nationalist Dylan Roof in einer Kirche neun Schwarze erschossen hatte, veröffentlichte Breitbart einen Artikel mit der Überschrift „Lasst sie hoch und stolz wehen: Die Konföderierten-Flagge steht für eine glorreiches Erbe“. Roof hatte zuvor mehrfach mit der Flagge posiert und damit eine Diskussion darüber ausgelöst, ob die Flagge noch auf öffentlichen Gebäuden wehen dürfe.

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