https://www.faz.net/-gpf-9ooeo

Trumps Militärparade : Patriotismus und Pomp

  • -Aktualisiert am

Panzer vor dem Lincoln Memorial: Vorbereitungen für die Militärparade am Unabhängigkeitstag. Bild: AFP

Donald Trump musste seine Behörden erst überzeugen, aber jetzt ist es soweit. Zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli bekommt er seine Militärparade – und vermutlich eine Gegendemonstration.

          3 Min.

          Seit er vor zwei Jahren beim Nationalfeiertag in Paris sah, was eine französische Militärparade hermacht, ließ Donald Trump der Gedanke nicht mehr los. Auch er wollte vor den nationalen Monumenten Soldaten an sich vorbei defilieren sehen, mit einer Panzer-Parade die Stärke Amerikas demonstrieren, sich von einem glücklichen Volk bejubeln lassen. Nun soll die Vision des Präsidenten wahr werden – der Unabhängigkeitstag an diesem 4. Juli wird umfunktioniert in einen „Salute to America“, den Trump bei Twitter im gewohnten Protz-Ton ankündigte: „It will be the show of a lifetime!“

          Die Amerikaner feiern den 4. Juli eigentlich gern mit Grillparties im Park oder zu Hause und sehen sich abends das Feuerwerk an. Das wird vielerorts von großen Unternehmen wie dem Kaufhaus Macy's in New York gesponsert. Der Unabhängigkeitstag ist eher ein patriotisch dekorierter Ausflugstag für die ganze Familie – das Militär spielt eigentlich keine Rolle, und auch der Präsident tritt bei den Feierlichkeiten in Washington nicht offiziell auf. Dort gibt es normalerweise eine Show mit klassischer Musik und Feuerwerk, die auch im Fernsehen übertragen wird. Beides wird auch diesmal stattfinden – das Feuerwerk soll laut dem Präsidenten aber noch größer werden als sonst.

          Weil Trump es nun also so wollte, brachten sich in den vergangenen Tagen Panzer und andere Militärfahrzeuge in der Nähe der National Mall und des Lincoln Memorial in Stellung. Kräne bauten Leinwände auf und Arbeiter errichteten eine mit den Nationalfarben dekorierte Bühne. Das Spektakel soll mehrere Millionen Dollar kosten. Trump lässt eine Kulisse für einen telegenen Auftritt bauen, der vor allem die militärische Macht des Landes demonstrieren soll. Es wird auch einen Überflug der Air Force One mit Trump an Bord, eine Demonstration von Jagdbombern und 21 Salutschüsse geben. Etwa 800 Soldaten sollen teilnehmen.

          Militärparaden sind selten

          Große Militärparaden waren in den letzten Jahrzehnten in den Vereinigten Staaten eher selten. Traditionell folgten sie auf Siege in Kriegen, Dwight D. Eisenhower und John F. Kennedy wurden auch mit marschierenden Soldaten ins Amt eingeführt. Die letzte große Parade gab es, als George H.W. Bush im Juni 1991 den Sieg über Saddam Hussein im Irak-Krieg feierte. Damals marschierten 8800 Soldaten auf der Constitution Avenue. Zu dem acht Millionen Dollar teuren Ereignis kamen 200.000 Bürger, am folgenden Tag gab es eine noch größere Feier in New York. Auch Bush wurde damals eine Selbstinszenierung für den kommenden Wahlkampf vorgeworfen.

          Trump prahlt gern damit, dass er durch die hohen Militärausgaben die Armee schlagkräftiger gemacht habe. Er ist bekanntlich auch sehr beschäftigt mit „crowd size“, der tatsächlichen oder behaupteten Größe seines Publikums. Der Streit zwischen Trump und manchen Journalisten um die Zuschauermenge bei seiner Amtseinführung 2017 zog sich über Monate hin – der Präsident erwähnt wider besseren Wissens gern heute noch, dass er das größte Vereidigungs-Publikum aller Zeiten gehabt habe. Das Magazin „Politico“ berichtete unterdessen, Trumps Mitarbeiter machten sich Sorgen, dass der Präsident die selbst gesetzten Erwartungen an das Großereignis am 4. Juli nicht werde erfüllen könne. Es sei schlecht und hastig geplant – und viele Trump-Spender hätten zu spät erfahren, dass es überhaupt stattfinde. Der Kongress macht um den Unabhängigkeitstag herum Sitzungspause, viele Menschen haben die feuchtheiße Stadt längst Richtung Strand verlassen.

          Kritik am Spektakel

          Amerikanischen Medienberichten zufolge werden aber viele ranghohe Militärs an den Feierlichkeiten teilnehmen. Manche von ihnen äußerten sich im Vorfeld skeptisch über die Vermischung von Politik und Militär: Republikanische Politiker und Spender bekommen VIP-Eintrittskarten. Und Trump wird am Abend eine, vermutlich politische, Rede halten. Für Kritik sorgten auch die Ausgaben für das Spektakel. Die amerikanische Luftwaffe erklärte gegenüber dem Sender CNN, sie könne einen Teil der Kosten decken, indem sie die Überflüge zu Trainingseinheiten erkläre. Die „Washington Post“ berichtete, dass der National Parks Service angewiesen worden sei, mindestens 2,5 Millionen Dollar für das Ereignis umzuleiten. Diese Gelder kommen zum Beispiel aus Eintritten in die Nationalparks und werden besonders in jenen fehlen, die von Naturkatastrophen wie den jüngsten Feuern in Kalifornien betroffen waren. Trump behauptete in einem Tweet, die Kosten für die Parade seien „sehr gering“ im Vergleich zu dem, was die Feierlichkeiten „wert“ seien.

          Während der Präsident sich und seine Regierung also auf diese Weise feiern lassen will, fanden in den vergangenen Tagen in vielen Städten Proteste gegen den Umgang der Behörden mit Flüchtlingen an der Südgrenze statt, wo Tausende unter oft menschenunwürdigen Umständen interniert sind. Trump will mit fernsehfreundlichen Ereignissen wie der Parade oder auch dem Handschlag mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un die von ihm immer wieder behauptete „Großartigkeit“ Amerikas dagegen halten.

          Seine Gegner sehen darin einen zunehmend autoritären und rücksichtslosen Nationalismus. Muriel Bowser, die demokratische Bürgermeisterin von Washington, sagte laut „Politico“, als „Amerikanerin, die es liebt, den vierten Juli als unpolitisches Ereignis zu feiern“ sei sie in „Sorge angesichts eines Präsidenten, der nicht das Militär ehrt, sondern militärische Macht glorifiziert. Das macht mir am meisten Angst“. Am Rande der Trump-Parade soll es auch Gegendemonstrationen geben. Dem von anderen Protesten bekannten orangefarbenen Trump-Baby-Ballon wurde zumindest schon eine begrenzte Startgenehmigung erteilt.

          Weitere Themen

          Biden verfehlt sein Impfziel

          Kampf gegen Corona : Biden verfehlt sein Impfziel

          Bis zum Unabhängigkeitstag am 4. Juli wollte Joe Biden siebzig Prozent der Amerikaner impfen lassen. Doch viele Bürger ziehen nicht mit – nicht einmal, wenn man sie mit Millionengewinnen lockt.

          Angela Merkels letzte Befragung Video-Seite öffnen

          Im Bundestag : Angela Merkels letzte Befragung

          Bei ihrer Befragung im Bundestag hat Bundeskanzlerin Angela Merkel unter anderem das ungarische Gesetz deutlich kritisiert, das Materialien über Homosexualität und Geschlechtsumwandlungen an Schulen zensiert.

          Topmeldungen

          2:2 gegen Ungarn : Ein denkwürdiges deutsches Drama

          Es ist ein Abend des puren Nervenkitzels: Lange droht dem DFB-Team ein Debakel wie bei der WM. Der eingewechselte Leon Goretzka verhindert das EM-Vorrundenaus mit dem späten Ausgleich gegen Ungarn.
          Britney Spears will sich mit nunmehr 39 Jahren von der Vormundschaft ihres Vaters befreien. (Archivbild von 2019)

          Anhörung vor Gericht : Britney Spears fordert Ende von Vormundschaft

          Seit 13 Jahren verwaltet ihr Vater als Vormund das Vermögen von Popstar Britney Spears. Nun äußerte sich die 39-Jährige vor einer Richterin zu dieser Situation: Sie sei nicht glücklich, deprimiert, vor allem aber wütend.
          Hoffnung auf Herdenimmunität: Menschen in der Fußgängerzone der Münchener Innenstadt

          Neue RKI-Zahlen : Immer mehr Delta-Infektionen

          Die Inzidenzen sinken weiter. Doch laut RKI hat sich der Anteil der Delta-Variante bei den Neuinfektionen seit vergangener Woche fast verdoppelt. Dennoch: Die Bundesländer bleiben gelassen.
          Der Berliner Erzbischof Heiner Koch am 29. Januar bei der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens für das Erzbistum Berlin

          Missbrauch im Erzbistum Berlin : Ein Erzbischof ringt um Worte

          Die Beschäftigung mit dem Trauma sexualisierter Gewalt höre nie auf, berichtet ein Opfer. Sie müsse sich dafür rechtfertigen, für die Kirche zu arbeiten, berichtet eine Seelsorgerin. Eine Anhörung in Berlin erschüttert Erzbischof Koch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.