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Ex-DFB-Funktionäre angeklagt : Das ganze Märchen

Franz Beckenbauer, Präsident des Organisations-Komitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, 2004 bei einer Veranstaltung in Basel Bild: dpa

Das Sommermärchen bleibt das Sommermärchen. Aber ein Geschmäckle hat ohnehin der ganze Zirkus der Vergabe von Großveranstaltungen – auch der WM 2006.

          Das Sommermärchen bleibt das Sommermärchen. Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland im Jahr 2006 war in sportlicher Hinsicht, aber vor allem für dieses Land und sein Bild in der Welt, ein großartiger Gewinn. Das Märchen hat aber nicht deshalb Bestand, weil dieser Gewinn um keinen Preis kaputtgemacht werden dürfte. Nein, natürlich muss jedem Vorwurf im Zusammenhang mit der Veranstaltung und ihrer Vergabe nachgegangen werden. Und wenn es dabei zu Straftaten gekommen sein sollte, dann gehörte auch das zur WM und müsste seinen Platz in der Geschichte haben.

          Allerdings haben die Ermittlungen in Deutschland bisher nichts dergleichen erbracht. So hat das Frankfurter Landgericht die Eröffnung des Hauptverfahrens wegen des Vorwurfs der schweren Steuerhinterziehung gegen frühere Spitzenfunktionäre des DFB abgelehnt: Die steuerliche Abzugsfähigkeit jener ominösen 6,7 Millionen Euro sei in jedem Fall gegeben gewesen. Die Schweizer Bundesanwaltschaft hat nun Anklage wegen Betrugs und der Gehilfenschaft dazu erhoben: Die Beschuldigten sollen das Aufsichtsorgan des WM-Organisationskomitees arglistig über den Zweck einer Zahlung jener 6,7 Millionen Euro getäuscht haben. Auch der DFB tritt in diesem Schweizer Strafverfahren als Privatkläger auf – um mögliche Ersatzansprüche durchzusetzen.

          Die ersten Reaktionen der beschuldigten ehemaligen DFB-Altvorderen atmen die alte Arroganz eines wie gewohnt selbstherrlichen Verbands. Andererseits geht es um eine angebliche Trickserei innerhalb der Organisation, deren Strafbarkeit offenbar eine Schweizer Spezialität ist. Zwar kämpft der Verband auch noch vor der deutschen Finanzgerichtsbarkeit dagegen an, dass ihm die Gemeinnützigkeit für das Jahr 2006 aberkannt wurde – aber von Korruption oder Käuflichkeit ist weder vor der deutschen noch vor der Schweizer Justiz die Rede.

          Natürlich aber hat die verschlungene Wanderschaft jener offenbar durch Franz Beckenbauer einst zunächst geleisteten 6,7 Millionen Euro ein Geschmäckle. Der Kaiser genießt auch keine Immunität, auch wenn das Verfahren gegen ihn abgetrennt wurde und er derzeit als verhandlungsunfähig angesehen wird. Aber ein Geschmäckle hat ohnehin der ganze Zirkus der Vergabe von sportlichen Großveranstaltungen. Das ist offenbar die dunkle Seite jedes Märchens.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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