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Verteidigung : Amerika plant Testanlage für Raketenabwehr

  • Aktualisiert am

Amerikaner treiben Raketenabwehr voran Bild: dpa

Trotz internationaler Kritik: Im kommenden Jahr wollen die Amerikaner eine Testanlage zur Raketenabwehr bauen.

          Die Vereinigten Staaten wollen die Entwicklung eines Raketenabwehrsystems trotz internationaler Bedenken energisch vorantreiben. Im April des kommenden Jahres wollen sie nach Mitteilung des stellvertretenden Verteidigungsministers Paul Wolfowitz mit dem Bau einer Testanlage beginnen.

          Erste Vorarbeiten sollen in Alaska nach Angaben von Regierungsbeamten bereits im kommenden Monat anfangen. Dies soll der „Startschuss“ für ein System sein, das seegestützte Abfangwaffen ebenso wie auf Flugzeugen stationierte Laserwaffen einschließt. Es soll zum Teil schon 2004 einsatzbereit sein.

          Verstoß gegen den ABM-Vertrag?

          Das amerikanische Außenministerium rechnet nach Medienberichten vom Donnerstag damit, dass Washington als Folge schon „in Monaten, nicht Jahren“ mit dem ABM-Vertrag zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen in Konflikt geraten wird. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und sein Stellvertreter Wolfowitz versicherten dagegen, dass Washington nicht die Absicht habe, den 1972 mit Moskau geschlossenen Vertrag zu verletzen. „Wir hoffen und erwarten, dass wir eine Verständigung mit dem Russen erreicht haben, wenn das Entwicklungsprogramm an die Behinderungen des ABM-Vertrags stößt“, sagte Wolfowitz am Donnerstag vor dem Streitkräfteausschuss des Senats.

          Das Abkommen erlaubt es beiden Seiten, jeweils ein regional begrenztes landgestütztes Abwehrsystem zu errichten. Es verbietet die Entwicklung von Waffen auf Schiffen oder im Weltraum. US-Präsident George W. Bush will den Vertrag aufkündigen oder ändern.

          Signal an Genua

          Kurz vor einem mit Spannung erwarteten neuen Raketenabwehrtest am kommenden Sonntag machte die Bush-Regierung damit klar, dass dessen Ergebnis keinen Einfluss auf ihre Pläne haben wird. Sie sandte somit auch eine klare Botschaft an die Teilnehmer des G-8-Gipfels der wichtigsten Industriestaaten und Russlands vom 20. bis 22. Juli in der italienischen Stadt Genua.

          Im Haushaltsjahr 2002, das im Oktober beginnt, sind für die Raketenabwehr 8,3 Milliarden Dollar vorgesehen. Das ist eine Erhöhung um 57 Prozent. Nach Angaben des Pentagons wird auch erwogen, an anderen Orten als Alaska Testanlagen zu bauen. Daraus könnten eines Tages die ersten „groben Züge“ einer Raketenabwehr entstehen. In Alaska soll ein Testzentrum bereits 2004 als Kommandozentrale für einen Abwehrschild mit zunächst 10 Abwehrraketen zur Vernichtung anfliegender Sprengköpfe dienen. Ziel des Testprogrammes ist es, diverse Raketenabwehr-Komponenten intensiv zu erproben. Im August sollen nach Medienberichten vorerst nur vorbereitende Arbeiten wie die Herrichtung des Baugrundstücks anfangen.

          Test über dem Pazifik

          Für die Nacht zum kommenden Sonntag hat das Pentagon einen neuen Raketenabwehr-Test angekündigt - den ersten unter der Regierung Bush. Bei dem Test soll ein so genanntes „Killer-Vehikel“ über dem Pazifik mit einer anfliegenden Sprengkopf-Attrappe kollidieren und sie durch den Aufprall zerstören. Zwei von drei voraus gegangenen ähnlichen Tests waren fehlgeschlagen.

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