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Verschleppt im Jemen : Freiheit für Familie Chrobog am Silvesterabend?

  • Aktualisiert am

Außenminister Steinmeier: Die Zuversicht überwiegt Bild: dpa/dpaweb

Die Verhandlungen zur Freilassung des verschleppten früheren Staatssekretärs Jürgen Chrobog und dessen Familie sind wohl in eine entscheidende Phase getreten. Der Krisenstab in Berlin hofft auf eine „Lösung bis morgen abend“. Die Geiselnehmer ließen allerdings mitteilen, sollte kurzfristig kein Ergebnis erzielt werden, „behalten wir unsere Gäste so lange wir können“.

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          Die Verhandlungen zur Freilassung des im Jemen verschleppten früheren Staatssekretärs im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, und dessen Familie sind am Freitag möglicherweise in eine entscheidende Runde gegangen.

          Der Internetdienst des „Yemen Observer“ meldete unter Berufung auf einen für die Geiselnehmer aktiven Vermittlers, sollte am Freitag kein Ergebnis erzielt werde, „werden wir unsere Gäste so lange bei uns behalten, wie wir können“. Das Auswärtige Amt wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. In Berlin tagte der Krisenstab am Vormittag.

          Jemenitische Medien meldeten unter Berufung auf Quellen aus dem Kreise der Entführer, bislang seien zwei Verhandlungsversuche zu Freilassung der Familie Chrobog gescheitert Zuvor hatten jemenitische Behörden abermals Optimismus verbreitet und den Eindruck erweckt, ein friedliches Ende der Geiselnahme stehe kurz bevor

          Jürgen Chrobog: Kontakt mit dem Mobiltelefon

          „Hoffen auf Lösung bis morgen abend“

          Außenminister Frank-Walter Steinmeier will im Bemühen um die Freilassugn der Familie Chrobog noch am Freitag mit dem jemenitischen Präsidenten telefonieren. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte in Berlin: „Wir hoffen, daß wir bis morgen Abend zu einer Lösung kommen.“

          Darüberhinaus stehe der deutsche Botschafter in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa mit dem dortigen Innenminister in Kontakt und Steinmeier habe ein weiteres Mal mit seinem jemenitischen Kollegen Abu Bakre Al Kirbi telefoniert. Der Minister habe dringend gebeten, möglichst bald eine Verhandlungslösung anzustreben. Das Leben und die körperliche Unversehrtheit der Entführten, zu denen neben Chrobogs Frau und seinen drei erwachsenen Söhnen auch der Fahrer gehört, müßten bei allen Bemühungen unbedingte Priorität haben. Die jemenitische Seite habe dies zugesichert sagte der Sprecher.

          Zwar würden die Chrobogs „wie Gäste behandelt“, hieß es auch aus dem Auswärtigen Amt. Die Familie gilt offenkundig aber auch als Druckmittel. Der als Vermittler eingeschaltete Stammesführer Awadh bin el Wasir äußerte sich zuversichtlich. Die Verhandlungen würden wohl nicht lange andauern. Er sei optimistisch, daß die Familie freigelassen werde, sagte er, ohne einen Zeitraum zu nennen.

          Hintergrund Stammesfehde

          Nach seinen Angaben beziehen sich alle Forderungen der Geiselnehmer auf eine örtliche Stammesfehde und richten sich an die jemenitischen Behörden. Die jemenitische Justiz solle entweder fünf inhaftierte Angehörige der Entführer freilassen oder aber den Prozeß gegen die fünf Männer aus ihrer Heimatregion Schabwa an einen anderen Gerichtsort verlegen.

          Die Geiselnehmer vom Stamm Bin Dahha wären seinen Worten zufolge aber auch zufrieden, wenn neben ihren Angehörigen auch fünf Mitglieder des rivalisierenden Stammes Al Maraqscha festgenommen und vor Gericht gestellt würden. Die inhaftierten Bin-Dahha-Mitglieder sollen zwei Angehörige des Al-Maraqscha-Clans getötet haben.

          FDP-Generalsekretär Dirk Niebel rief die Deutschen zu intensiver Anteilnahme am Schicksal des Exdiplomaten auf. „Jürgen Chrobog war für zahlreiche Deutsche, die in fernen Ländern als Geiseln genommen wurden, ein kluger Lebensretter“, sagte Niebel. „Wir Deutsche können ihm jetzt unsere Dankbarkeit erweisen, indem wir in diesen schweren Stunden seiner Geiselhaft an ihn und seine Familie denken und alles unternehmen, um ihn freizubekommen.“

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