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Studie zur Gemeinschaftsschule : Schwäbisches Himmelfahrtskommando

Positiv ist, dass die Eltern miteinbezogen werden

Während leistungsstärkere Schüler mit der Selbständigkeit gut umgehen können und auch Lernstrategien beherrschen, geraten die schwächeren noch mehr ins Hintertreffen als ohnehin schon. Den Lehrern fehlt der Überblick, welcher Schüler woran arbeitet, welche Fortschritte er macht und die Kontrolle der Ergebnisse kommt zu kurz. Wenn überhaupt, schauen die Lehrer nach Vollständigkeit, Orthographie, Grammatik und Seitenzahl, während „die inhaltliche Qualität der Schülerarbeiten hintangestellt wurde“. Und das an einer Schule, die derlei Lernmodelle schon seit langem praktiziert?

Fragwürdig ist in den Augen der Forscher auch die in Tübingen praktizierte Leistungsmessung. Schüler, deren Gesamtergebnis in der Klassenarbeit unter 40 Prozent liegt, können die Klassenarbeit in neu konzipierter Form wiederholen und das Ergebnis der schlechten Arbeit ersetzen. Doch eigentlich verbietet die Notenbildungsverordnung, dass bereits benotete Leistungsergebnisse gestrichen oder ersetzt werden. So müssten also beide Noten in die Gesamtbewertung einfließen. Hinzu kommt, dass die Benotung in unterschiedlichen Niveaustufen nach Angaben der Forscher zu wenig individuell ist und sich mit den Anforderungen der Bildungsstandards für die drei Schularten Gymnasium, Realschule, Hauptschule nicht deckt. Es wird auf diese Weise zwar annähernd ein Leistungsstand in einem Fach in der Bewertung abgebildet, aber keine Lernentwicklung.

Für die Inklusionsklassen in jedem Jahrgang gibt es keine Vorstellungen und keine zentrale Koordination, und die Schulleitung fühlt sich unter den derzeitigen Bedingungen schlicht überfordert. Es fehle eine Konzeption, die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten regele, Schulbegleiter für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden kaum einbezogen. Insgesamt seien noch mehr Gymnasial-, Haupt- und Sonderschullehrer an der Gemeinschaftsschule nötig, um Schüler überhaupt ihren Leistungsvoraussetzungen gemäß zu fördern. Mit anderen Worten: Der Unterrichtsalltag vollzieht sich mehr oder weniger ungeordnet, bei den Lehrern mit mehr „Klassenführungskompetenz“, wie die Forscher so schön schreiben, störungsärmer, bei anderen weniger.

Auch die von Grün-Rot angeprangerte frühe Schullaufbahnentscheidung, die durch die Gemeinschaftsschule überwunden werden sollte, ist durch die Hintertür wiedergekommen. Da Französisch nur noch von der 6. Klasse an unterrichtet wird (vorher in den Klassen 6 oder 7) und auf der Schiene mit Technik und Mensch und Umwelt liegt, müssen sich die Schüler doch schon früh entscheiden. Ein Teil der Schüler wird dann zusammen mit weiteren gymnasialen Kindern aus dem Schulverbund für drei Wochenstunden in Französisch unterrichtet, der Rest der Lerngruppen teilt sich in Technik und Mensch und Umwelt auf. Die Unruhe ist trotz der Doppelstundenstruktur unvermeidlich. Positiv wird notiert, dass die Eltern einbezogen werden und das Kollegium motiviert und kritikfähig sei.

Gegendarstellung

Auf www.faz.net heißt es in einem Artikel vom 16. August 2015 mit der Überschrift „Studie zur Gemeinschaftsschule Schwäbisches Himmelfahrtskommando“:

„Nun wurde ein vernichtendes Gutachten über die Gemeinschaftsschule bekannt, das vom Kultusministerium bisher unter Verschluss gehalten wird…“

 

Hierzu stelle ich fest:

Das Kultusministerium hält kein Gutachten über die Gemeinschaftsschule unter Verschluss. Ein solches Gutachten liegt dem Ministerium auch nicht vor.

 

Stuttgart, den 9. September 2015

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, vertreten durch den Minister Andreas Stoch.

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