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Verfassungsschutz : Salafistenszene in Deutschland wächst rasant

  • Aktualisiert am

Salafisten verteilen den Koran auf der Frankfurter Zeil Bild: Fricke, Helmut

7000 Salafisten, schätzt der Bundesverfassungsschutz, wird es bis Jahresende in Deutschland geben. Angezogen von den Radikalen fühlen sich demnach vor allem junge Männer: muslimisch, aus dem Ausland stammend – und erfolglos.

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          Die radikalislamische Salafistenszene in Deutschland wächst nach Erkenntnissen des Bundesverfassungsschutzes stark an. Inzwischen zählten 6300 Menschen zu diesen Gruppen, sagte Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Samstag im RBB-Inforadio. Am Ende des Jahres könnten es schon 7000 sein. Vor wenigen Jahren seien es noch 2800 gewesen. Maaßen bezeichnete die Entwicklung als „besorgniserregend“.

          Hans-Georg Maaßen, der Präsident des Bundesverfassungsschutzes
          Hans-Georg Maaßen, der Präsident des Bundesverfassungsschutzes : Bild: Pein, Andreas

          Vor allem junge Leute zwischen 18 und 30 Jahren fühlten sich vom Salafismus angezogen. „Salafisten sagen, was schwarz und was weiß ist. Und Salafisten sagen, dass, wenn man salafistisch denkt und lebt, ist man Avantgarde, ist man im Grunde genommen Vorreiter.“ Junge Menschen, die gescheitert und orientierungslos seien, fielen auf so etwas herein „und haben den Eindruck, vom Underdog zum Topdog aufzuwachsen“, sagte Maaßen.. Salafisten vermittelten vor allem Jugendlichen mit den vier „M - männlich, muslimisch, Migrationshintergrund, Misserfolge in der Pubertät, der Schule oder in der sozialen Gruppe“, das Gefühl, zu einer Avantgarde zu gehören.

          Aus der Salafistenszene heraus sind Maaßen zufolge bereits mehr als 450 vorwiegend junge Menschen in den Krieg nach Syrien gezogen. „Das sind Personen, die wir namhaft machen können. Unser Problem besteht darin, dass es immer wieder Personen gibt, die in Syrien und im Irak auftauchen, die wir vorher gar nicht kannten“, berichtete Maaßen. „Also die Dunkelziffer ist sehr groß.“

          Alarmierend sei, dass es in der Szene bereits als „Jugendkultur“ angesehen werde, nach Syrien oder in den Irak in den Dschihad zu ziehen. „Dass es cool ist, dorthin zu gehen; dass es cool ist, morgens einen Twitter zu empfangen aus Aleppo; dass es cool ist, Freunde zu haben bei Facebook, die dort tätig sind.“ Der Verfassungsschutz gehe davon aus, dass sieben bis zehn Islamisten aus Deutschland in Syrien und im Irak Selbstmordanschläge verübt haben. Rund 150 Islamisten seien inzwischen aus den Kampfgebieten wieder nach Deutschland zurückgekehrt. „Von vielen Personen wissen wir nicht, was sie da gemacht haben. Wir gehen davon aus, dass mindestens 25 Personen in Kampfhandlungen verwickelt waren.“ Diese würden „sehr sorgfältig gecheckt“.

          Der Ursprung der Radikalisierung dieser Islamisten liege nicht im Internet, sagte Maaßen. „Nach unserer Erfahrung, wir haben eine ganze Reihe von Fällen analysiert, ist der Ursprung der Radikalisierung im familiären oder im freundschaftlichen Umfeld zu suchen.“ Die jungen Menschen würden zum Beispiel bei Koran- und Flugblatt-Verteilaktionen oder bei Predigtveranstaltungen „angefixt“ und in die Szene eingeführt. Die weitere Radikalisierung erfolge dann oft über Twitter und Facebook.

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