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Vereitelter Anschlag : Die konkrete Gefahr

Nach dem vereitelten Anschlag in Oberursel ist die Gefährdungslage nicht mehr abstrakt. Nun kommt es auch auf die Wachsamkeit der Bürger an.

          Deutschland ist mit hoher Wahrscheinlichkeit einem terroristischen Anschlag entkommen. Noch immer sind viele Fragen offen. So wissen die Ermittler nicht mit letzter Sicherheit, was genau das Ehepaar Halil und Senay D. aus Oberursel geplant hatte. Doch die Tat hätte wohl die Dimension des Anschlags auf den Boston Marathon gehabt.

          Das traditionelle Radrennen ist das, was die Sicherheitsbehörden als „weiches Ziel“ bezeichnen. Das Szenario, Anschläge auf sportliche Großveranstaltungen zu verüben, haben die Ermittler schon lange im Blick. Doch nie war die Gefahr so gegenwärtig wie in diesen Tagen.

          Das ist auch schon der Punkt: Während immer mehr Details aus den Ermittlungen bekannt werden – vom Bomben- und Waffenfund bis hin zu islamistischen Gewaltvideos und konspirativen Treffen –, sprechen Politiker noch immer von einer „abstrakten Gefahr“. Der Begriff ist aber angesichts des aktuellen Falles überholt. Und das war er auch schon davor.

          Dass die Behörden vor acht Jahren Anschläge der Sauerland-Gruppe verhindern konnten, bedeutet nicht, dass die Gefahr danach weniger konkret gewesen wäre. Es gab die Kofferbombenversuche und erst im Februar die Absage des Braunschweiger Karnevalszuges, ebenfalls mit der Begründung, man habe Hinweise auf eine geplante Gewalttat aus der islamistischen Szene.

          Es wird der Situation demnach nicht mehr gerecht, die Bedrohung als „abstrakt“ zu bezeichnen. Den einen oder anderen Bürger mag das vielleicht beruhigen, aber die meisten lassen sich schon lange nicht mehr durch Begriffe wie diese verwirren. Das ist auch richtig so. Denn offenbar spielt im Kampf gegen den Terrorismus die Aufmerksamkeit jedes Einzelnen eine immer stärkere Rolle.

          In diesem Fall war es eine Baumarkt-Mitarbeiterin, das nächste Mal könnte es ein Nachbar sein. Aus den Staatsschutzkommissariaten der Polizei ist seit Jahren zu hören, sie kämen mit den Ermittlungen gegen die salafistische Szene kaum nach. Allein die Syrien-Ausreisenden drohen Polizei und Verfassungsschutz zu überfordern.

          Wie der Fall von Oberursel zeigt, gibt es aber auch eine fast „vergessene Generation“. Jene Mittdreißiger, die nicht viel gemeinsam haben mit jenen, die in Syrien einer Art „Terror-Tourismus“ nachjagen. Der aktuelle Fall zeigt, dass unter dem Radar offenbar noch weitere Dschihadisten agieren, denen mindestens die gleiche Aufmerksamkeit gelten muss.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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