https://www.faz.net/-gpf-13qq8

UN-Vollversammlung : Krieg der Worte zwischen Israel und Iran

  • Aktualisiert am

Rede vor leeren Rängen in New York? Ahmadineschad am Dienstag in Teheran Bild: AP

Der verbale Schlagabtausch zwischen Israel und Iran hat unmittelbar vor Beginn der UN-Vollversammlung in New York an Härte zugenommen. Israel bemüht sich offenbar, einen Boykott der Rede Ahmadineschads am Mittwoch zu organisieren.

          2 Min.

          Der verbale Schlagabtausch zwischen Israel und Iran hat unmittelbar vor Beginn der UN-Vollversammlung in New York an Härte zugenommen. Israels Staatspräsident Schimon Peres nannte den iranischen Präsident Mahmud Ahmadineschad am Dienstag „einen der bösartigsten und schlimmsten Menschen der Gegenwart“.

          hmadineschad hatte zuvor gesagt, sein Land werde hart reagieren, sollte Israel die iranischen Atomanlagen angreifen. „Das Land wird entschieden sein Territorium und seine Rechte verteidigen“, sagte er bei einer Militärparade zum Jahrestag des Beginns des iranisch-irakischen Krieges (1980-1988).

          Aschkenasi: „Alle Optionen sind offen“

          „Teufelsanbeter und Kriminelle“ hätten den Nahen Osten „verschmutzt“, sagte Ahmadineschad einen Tag vor seiner Rede vor den Vereinten Nationen in New York mit Blick auf Israel. Die politische und militärische Stärke des Iran erlaube es „diesen Elementen“ nicht einmal, an eine militärische Option zu denken.

          Vereint gegen Iran: Israel Präsident Peres mit einem Luftwaffesoldaten im Juni

          Ahmadineschad reagierte auf eine Äußerung von Israels stellvertretenden Außenminister Danny Ajalon, der die seit Jahren übliche Floskel wiederholte, wonach im Hinblick auf das iranische Atomprogramm „alle Optionen auf dem Tisch liegen“. Diese diplomatische Formel bedeutet, dass ein Militärschlag seines Landes gegen die umstrittenen Atomanlagen des Erzfeindes nicht ausgeschlossen ist.

          Auch der israelische Generalstabschef Gabi Aschkenasi sagte dem Armeesender: „Wir sind uns alle einig, dass der beste Weg internationale Sanktionen sind. Ich hoffe, der Iran wird dies verstehen. Ich denke, wenn nicht, hat Israel das Recht, sich zu verteidigen und alle Optionen offen sind.“ Zuvor hatte Russlands Präsident Dmitri Medwedew im US-Sender CNN erklärt, Peres habe ihm versichert, Israel habe keine Pläne für einen Angriff gegen Iran. Der israelische Präsident habe ihm gesagt: „Israel plant keinerlei Angriffe auf Iran. Wir sind ein friedfertiges Land und werden dies nicht tun.“

          Netanjahu will Iran in den Fokus stellen

          Laut Medwedew wäre eine militärische Auseinandersetzung zwischen Israel und Iran „das Schlimmste, was man sich vorstellen kann.“ Russland will den Iran beim Bau von Atomanlagen unterstützen, sofern die Islamische Republik bereit ist, mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA zusammenzuarbeiten.

          Israel bemüht sich unterdessen, einen Boykott der Rede Ahmadineschads vor der UN-Generalversammlung zu organisieren. Israel habe sich in den vergangenen Tagen an die Außenministerien mehrerer Länder mit der Bitte gewandt, dass deren höchste Vertreter die Tagungshalle während der Rede Ahmadineschads am kommenden Donnerstag in New York verlassen, sagte die israelische UN-Botschafterin Gabriela Schalev am Dienstag dem israelischen Rundfunk. Danach werden Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Außenminister Avigdor Lieberman und Verteidigungsminister Ehud Barak auf alle Fälle den Raum verlassen.

          Ahmadineschad hatte mit seiner jüngsten Äußerung, der Holocaust sei „eine falsche Behauptung, ein Märchen, das als Vorwand für Verbrechen gegen die Menschheit benutzt wird“, für große Empörung in Israel und weltweit gesorgt. Israels Ministerpräsident Netanjahu will nach Angaben hochrangiger Mitarbeiter am Donnerstag „eine dramatische Rede“ halten und sich dabei auf Iran konzentrieren. Netanjahu will seit Amtsantritt Ende März die Welt davon überzeugen, dass ein Stopp des iranischen Atomprogramms höhere Priorität habe als die Nahost- Friedensverhandlungen mit den Palästinensern.

          Weitere Themen

          Eine Art Geiselnahme

          Russland inhaftiert Israelin : Eine Art Geiselnahme

          In Russland ist eine Israelin zu einer langen Haftstrafe verurteilt worden, weil sie etwas Haschisch im Gepäck hatte. Um die Droge geht es dabei nur vordergründig – der Fall folgt einem politischen Drehbuch.

          Topmeldungen

          Sogenannte Fußballfans in Bulgarien, einem „der tolerantesten Länder der Welt“?

          Gegen den Hass : Die Strafen müssen weh tun

          Im Fußball hat sich ein Klima entwickelt, in dem sich Rassisten und Nazis ungeniert ausleben. Sanktionen schlugen bislang fehl. Ohne Punktabzüge und Disqualifikationen wird es nicht gehen. Aber selbst das reicht nicht.
          Zögern in Wolfsburg: VW dürfte doch kein neues Werk in der Türkei bauen.

          F.A.Z. exklusiv : Bulgarien lockt VW mit mehr Geld

          Wegen der türkischen Offensive in Syrien legt VW Pläne für ein Werk nahe der Metropole Izmir auf Eis. Nun hofft Sofia, doch noch das Rennen um die begehrte Milliardeninvestition zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.