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UN-Tribunal : Haftstrafen wegen Massakers in Vukovar

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Neben Mrkši (l.) wurde auch dessen Gehilfe Sljivancanin verurteilt Bild: AFP

Das UN-Kriegsverbrechertribunal für das frühere Jugoslawien hat den serbischen Militärbefehlshaber Mile Mrkši zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er war Hauptangeklagter wegen des Massakers in Vukovar im Herbst 1991.

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          Das Kriegsverbrechertribunal der Vereinten Nationen für das ehemalige Jugoslawien hat am Donnerstag den früheren serbischen Militärbefehlshaber Mile Mrkši zu 20 Jahren Haft wegen Mords und Folter im Fall des Massakers von Vukovar verurteilt. Der Offizier Veselin Sljivancanin wurde wegen desselben Massakers wegen Folter zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Offizier Miroslav Radi wurde freigesprochen.

          Die Angeklagten waren Befehlshaber in der sogenannten Jugoslawischen Volksarmee (JNA), die zum Zeitpunkt der Belagerung der kroatischen Donaustadt Vukovar im Herbst 1991 de facto schon eine serbische Armee war. Mrkši stammt aus Kroatien, Sljivancanin aus Montenegro und der freigesprochene Radi aus Serbien. Der Angriff auf Vukovar war Teil des serbischen Vertreibungskrieges gegen die kroatische Bevölkerung.

          Vor Ausbruch des Krieges waren mehr als 43 Prozent der Bevölkerung in der knapp 85.000 Einwohner zählenden Gemeinde Vukovar Kroaten. Serben stellten laut der letzten Vorkriegsvolkszählung knapp 38 Prozent, etwa sieben Prozent bezeichneten sich als Jugoslawen. Nach dem Fall Vukovars wurde die kroatische Bevölkerung aus der Stadt vertrieben.

          Vukovar im Jahr 1991

          Belagert, beschossen, eingenommen

          Vukovar war seit Ende August von der JNA belagert und beschossen, am 18. November dann eingenommen worden. Schon während der Belagerung waren mehrere hundert Einwohner der Stadt durch den Beschuss getötet worden. Laut Anklageschrift tragen Mrkši und Sljivancanin, aber auch Radi die Verantwortung für Kriegsverbrechen, die nach der Einnahme der Stadt durch die Armee und Freischärlertruppen begangen wurden. Unter ihrem Befehl wurden demnach am 20. November etwa 300 Nichtserben aus dem Krankenhaus Vukovars auf das Gelände eines nahe gelegenen landwirtschaftlichen Großbetriebes verschleppt. Dort sollen sie gefoltert worden sein. Mindestens 264 dieser Gefangenen wurden später erschossen und in Massengräbern verscharrt.

          Zu den in Vukovar eingesetzten irregulären Truppen gehörten auch Einheiten, die von dem ebenfalls vor dem Haager Tribunal angeklagten ehemaligen Freischärlerführer Vojislav Šešelj aufgestellt worden waren. Šešeljs Serbische Radikale Partei stellt heute die größte Fraktion im Parlament Serbiens. Das Verfahren gegen das „Vukovar-Trio“ hatte im Oktober 2005 begonnen. Im Laufe des Prozesses wurden fast 80 Zeugen befragt.

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