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UN-Sondergesandter Jan Pronk : „Die AU hat gute Truppen in Darfur“

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Pronk: „Das Mißtrauen zwischen dem Norden und dem Süden wächst” Bild: AFP

Im Oktober hat die sudanesische Regierung den UN-Sondergesandten Pronk zur unerwünschten Person erklärt und des Landes verwiesen. Der frühere niederländische Umweltminister hatte von Niederlagen der sudanesischen Armee in Darfur berichtet. Mit ihm sprach Hans-Christian Rößler.

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          Im Oktober hat die sudanesische Regierung den UN-Sondergesandten Jan Pronk zur unerwünschten Person erklärt und des Landes verwiesen. Der frühere niederländische Umweltminister, der seit 2004 in Khartum im Amt ist, hatte von Niederlagen der sudanesischen Armee in Darfur berichtet. Mit ihm sprach Hans-Christian Rößler.

          Herr Pronk, der sudanesische Präsident Baschir lehnt eine UN-Mission in Darfur ab. Hat sie noch eine Chance?

          Die Ablehnung ist keine Überraschung. Schon seit Februar sprach sich Baschir gegen die UN-Truppe aus und hat diese Position seitdem vertreten. Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, daß sich daran nichts ändern wird und ein anderer Weg gesucht werden muß.

          Was bleibt dann zu tun?

          Man sollte mit der AU enger zusammenarbeiten. Die AU-Truppe muß gestärkt werden. Es sind gute Soldaten und Kommandeure. Ihnen fehlen aber die nötigen Ressourcen. Geld erhielten sie bisher immer nur für die nächsten drei Monate. Das muß sich ändern. Die AU braucht längerfristige Finanzgarantien. Das eben beschlossene Hilfspaket von rund 20 Millionen Dollar reicht ebensowenig wie die 55 Millionen, die die UN wohl Anfang 2007 zur Verfügung stellen. Zugleich sollten mehr Soldaten nach Darfur: 17.000 statt der bisher etwa 7000. Das würde bis zu eineinhalb Milliarden Dollar pro Jahr kosten.

          Könnten dazu auch Soldaten aus Deutschland und dem Westen gehören?

          Die sudanesische Regierung hat klargestellt, daß die UN bei einer solchen Unterstützung Kontrolle und Kommando über ihr Militärpersonal vollständig der AU unterstellen muß. Dem müßte auch der Sicherheitsrat zustimmen. Das wäre einmalig. Dann müßten Staaten gefunden werden, die bereit sind, Soldaten ohne den Schutz der UN zu stellen. Bisher hat aber kein Land angekündigt, daß es das tun wird.

          Halten Sie eine UN-Bitte an Deutschland für ausgeschlossen?

          Eine solche Bitte wäre möglich, wenn Sudan den gesamten Drei-Phasen-Plan aus abgestufter Unterstützung und einer gemischten Truppe aus UN und AU akzeptiert und der Sicherheitsrat dem zustimmt. Dann könnte der UN-Generalsekretär eine entsprechende Anfrage an alle Staaten in der Welt richten. Einzelne Länder spricht er dabei aber nicht an. Doch das ist nach dem derzeitigen Stand unwahrscheinlich.

          Im Rahmen der beiden Unterstützungspakete wäre eine Hilfe von Logistikfachleuten vorstellbar. Aber das hat nichts mit Einsatztruppen zu tun. Bislang besteht die Regierung in Khartum darauf, daß selbst die unterstützenden Kräfte nicht das blaue Barett der UN tragen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Niederlande oder Deutschland unter diesen Bedingungen Offiziere nach Darfur schicken.

          Aus dem Südsudan werden Kämpfe gemeldet. Wirkt sich der Darfur-Konflikt schon dorthin aus?

          Wir sind mit 10.000 Mann im Süden. Das ist die zweitgrößte UN-Operation nach Kongo, und sie funktioniert. Natürlich gibt es immer wieder Kämpfe. Deshalb sind wir dort. Es sind aber keine Auseinandersetzungen zwischen den Truppen der Regierung im Süden und im Norden, sondern zwischen Einheiten von Stämmen oder regionaler Führer, wie zuletzt in Malakal. Längerfristig wird es keinen Frieden geben, wenn im Land Krieg tobt. Ein andauernder Bürgerkrieg in Darfur wird auch Konsequenzen für den Süden haben. Es wird Flüchtlinge geben, Waffenschmuggel und Milizen, die die Grenzen überschreiten.

          Mit dem geplanten Referendum über die Unabhängigkeit des Südens steht die größte Bewährungsprobe noch aus.

          Das Mißtrauen zwischen dem Norden und dem Süden wächst. Das ist eine Zeitbombe. Wenn es in der Abstimmung in fünf Jahren zur Trennung kommen sollte, gibt es Kräfte im Norden, die das verhindern wollen und auch Krieg führen würden. Im Süden machen viele den Norden für ihre Situation verantwortlich, mit der sie nicht zufrieden sind. Längerfristig kann man nur die Daumen drücken, kurzfristig sollte man in die Entwicklung und Frieden investieren und die UN dort stärken.

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