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UN-Kriegsverbrechertribunal : Srebrenica-Kommandeur Oric auf freiem Fuß

  • Aktualisiert am

Naser Oric ist wieder frei Bild: AP

Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den bosnisch-muslimischen Kommandeur Oric zu zwei Jahren Haft verurteilt. Da Oric aber schon länger in Untersuchungshaft saß, ordnete das Tribunal seine Freilassung an.

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          Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den ehemaligen Kommandeur bosnischer Milizen in Srebrenica, Naser Oric, zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Diese habe er schon verbüßt. Oric wurde auf freien Fuß gesetzt.

          Die Richter betrachteten die Anklage wegen Mordes, grausamer Behandlung und willkürlicher Zerstörung größtenteils als nicht bewiesen und machten mildernde Umstände geltend. Im Jahr 1990 war der (muslimische) Bosniake Oric, der 1967 geboren wurde, als Angehöriger einer dem serbischen Innenministerium unterstehenden Sondereinheit der Polizei im Kosovo eingesetzt. Vor Ausbruch des Krieges in Bosnien-Hercegovina, Ende 1991, wurde er in seine Heimatregion nach Srebrenica versetzt. Nach Kriegsbeginn wurde er von der bosnischen Regierung zum Leiter der Verteidigung der muslimischen Enklave Srebrenicas ernannt.

          Prügeln mit Metallstangen und Ziehen von Zähnen

          Die Anklageschrift des Haager Tribunals warf ihm vor, bei Ausfällen aus Srebrenica im Zuge der Verteidigung des Ortes Kriegsverbrechen an Serben begangen oder geduldet zu haben. In der Anklageschrift war von „willkürlicher Zerstörung“ von serbisch bewohnten Orten die Rede, die nicht durch militärische Notwendigkeiten begründet gewesen seien.

          So heißt es, Militärpolizisten unter Orics Befehl hätten Serben verhaftet und in der Polizeistation von Srebrenica so brutal mißhandelt, daß einige an den Folgen dieser Mißhandlungen starben. Zu den Foltermethoden gehörten demnach das Prügeln mit Metallstangen und das Ziehen von Zähnen mit verrosteten Instrumenten.

          Bei Ausfällen aus Srebrenica sollen die Männer Orics zwischen Mai 1992 und Februar 1993 zudem in den ostbosnischen Gemeinden Bratunac und Skelani mindestens 50 serbische Dörfer geplündert und zerstört und so die Flucht von mehreren tausend Serben aus der Region bewirkt haben. Einer der bekanntesten Fälle war der Überfall und die Ausplünderung das Dorfes Kravica und der umliegenden Siedlungen im Januar 1993. Im Juli 1995 nahmen bosnisch-serbische Truppen unter General Mladic Srebrenica ein und töteten etwa 8000 bosniakische Männer und Jungen. Oric hatte den Ort vorher verlassen.

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