https://www.faz.net/-gpf-t152

UN-Generaldebatte : Chávez beschimpft Bush als „Teufel“

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Mißtöne in New York: Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat dem amerikanischen Präsident George W. Bush vor der UN-Vollversammlung als „Teufel“ beschimpft. Die Vereinigten Staaten lehnten es ab, dieses „Mätzchen“ zu kommentieren.

          Der für seine Attacken gegen Amerika bekannte venezolanische Präsident Hugo Chávez hat dem amerikanischen Präsident George W. Bush vor der UN-Vollversammlung als „Teufel“ beschimpft. „Gestern war der Teufel hier, genau hier“, sagte Chávez am Mittwoch und deutete auf das Pult, an dem Bush zum Auftakt der Generaldebatte 24 Stunden zuvor seine Rede gehalten hatte. „Und es riecht hier noch immer nach Schwefel“, fügte Chávez hinzu und bekreuzigte sich dabei.

          Von demselben Podium wie er habe der amerikanische Präsident, „der Herr, den ich den Teufel nenne, ganz genau so gesprochen, als gehöre ihm die Welt. Ich denke, wir sollten einen Psychiater bestellen, um die Rede (von Bush) analysieren zu lassen“, erklärte der Venezolaner weiter.

          Bolton: „Wir gehen nicht auf diese Mätzchen ein“
          Chávez empfahl den Staats- und Regierungschefs im Plenum der Vereinten Nationen, die Ausführungen des Linguisten und amerikanischen Regierungskritikers Noam Chomsky über die imperialistischen Strategien der Vereinigten Staaten zu lesen. Dann würden auch sie erkennen, daß Amerika „die größte Gefahr für unseren Planeten ist“ und das Überleben der Spezies Mensch bedrohe.

          Der amerikanische UN-Botschafter John Bolton lehnte eine Stellungnahme zu der Attacke auf Bush ab. „Wir gehen nicht auf diese Art von Mätzchen ein, mit der Chávez an internationale Angelegenheiten herangeht. Worum es hier wirklich geht ist, daß er weiß, daß er auf diesem Podium sein Recht auf Redefreiheit ausüben kann. Wie wäre es damit, dem Volk von Venezuela dieselbe Freiheit einzuräumen?“, sagte Bolton.

          Chavez: „Es riecht noch immer nach Schwefel”

          Ahmadineschad: UN-Sicherheitsrat als Instrument

          Unter Bezug auf die vielen Opfer des Irakkrieges forderte Chávez später auf einer Pressekonferenz, Präsident Bush vor einem internationalen Gericht wegen Völkermordes anzuklagen. Tausende Soldaten und Zivilisten hätten durch den Krieg ihr Leben oder auch nur Beine, Arme oder ihr Augenlicht verloren. Dabei gehe es der amerikanischen Regierung nur ums Öl und nicht, wie behauptet, um die Demokratisierung des Nahen Ostens.

          Venezuela werde armen US-Bürgern in Harlem und der Bronx in diesem Winter wieder kostenlos venezolanisches Öl zur Verfügung stellen, damit diese nicht frieren müßten.

          In der Nacht zum Mittwoch hatte Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad vor der Vollversammlung die USA und den Westen scharf angegriffen. In seiner Rede klagte er, Amerika und Großbritannien mißbrauchten den UN-Sicherheitsrat als Instrument der Bedrohung und Nötigung. Damit büße der Rat seine Glaubwürdigkeit und Wirksamkeit ein. Das Ergebnis sei an dem zunehmenden Vertrauensverlust der Weltgemeinschaft abzulesen. Ahmadinedschad führte die Spannungen in der Welt auf den Nahostkonflikt sowie den Irakkrieg zurück.

          Weitere Themen

          Das Geschäft mit der Armut

          FAZ Plus Artikel: Lebensmittelnot in Venezuela : Das Geschäft mit der Armut

          Dubiose Geschäftsleute kontrollieren den Import subventionierter Lebensmittel nach Venezuela. An den Schnittstellen des sozialistischen Regimes und der Privatwirtschaft verdienen sie viel Geld, und auch Präsident Nicolás Maduro profitiert mutmaßlich davon.

          Joe Biden tritt offiziell als Präsidentschaftskandidat an Video-Seite öffnen

          Trump beleidigt Ex-Vize schon : Joe Biden tritt offiziell als Präsidentschaftskandidat an

          Ex-Vizepräsident Joe Biden steigt in den Präsidentschaftswahlkampf der Demokraten ein. Es ist bereits der dritte Anlauf des inzwischen 76-Jährigen auf das höchste Staatsamt. Er dürfte vor allem die Demokraten begeistern, die denken, nur ein Kandidat könne Trump schlagen, der bei weißen Arbeitern punkten kann.

          Worum es bei ihrem Treffen geht Video-Seite öffnen

          Kim und Putin : Worum es bei ihrem Treffen geht

          Beim Gipfel mit Russlands Präsident Wladimir Putin hat sich Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un um eine Vertiefung der Beziehungen bemüht. Nordkorea ist dringend auf Rohstoff- und Energielieferungen aus dem Ausland angewiesen, Moskau wiederum will Amerika in Ostasien in ihre Schranken weisen.

          Topmeldungen

          Einladung angenommen : Putin fährt zu Kim nach Nordkorea

          Kim Jong-un kann in seiner Heimat wohl bald einen neuen Staatsgast begrüßen: Nach ihrem Treffen in Wladiwostok soll Russlands Präsident Wladimir Putin die Einladung zum Gegenbesuch angenommen haben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.