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Truppe für Darfur : UN-Generalsekretär Ban in Sudan

  • Aktualisiert am

Ban: „einmalige Gelegenheit” für UN-Mission in Sudan Bild: AFP

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen Ban ist in Sudans Hauptstadt Khartum eingetroffen. Während seiner Reise will er vor allem für die Stationierung einer internationalen Friedenstruppe im Landesteil Darfur werben.

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          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ist am Montag in der sudanesischen Hauptstadt Khartum eingetroffen, wo er unter anderem für die Stationierung von insgesamt 26.000 Blauhelmsoldaten in der Krisenregion Darfur werben will. Diese aufgrund ihrer Kommandostruktur „hybride Truppe“ genannte Friedenstruppe war am 31. Juli vom Sicherheitsrat genehmigt worden und wird - sollte sie denn tatsächlich in Darfur stationiert werden - die größte UN-Mission der Welt sein.

          „Hybrid“ wird die Truppe deshalb genannt, weil der Befehlshaber auf Drängen der sudanesischen Regierung ein Afrikaner sein wird, den die Afrikanische Union stellt, während die Operation an sich unter der Flagge der Vereinten Nationen laufen wird. Zwar hatte die sudanesische Regierung nach jahrelanger Hinhaltetaktik ihren Widerstand gegen diese Truppen im Sommer aufgegeben, gleichwohl herrscht nach wie Skepsis, ob die Truppen bis Mitte kommenden Jahres in Darfur eintreffen werden.

          „Falsche Anschuldigungen“

          Ban hatte das aus Sudan signalisierte Einverständnis als „einmalige Gelegenheit“ bezeichnet, die „nicht ungenützt bleiben darf“. Gleichwohl beeilten sich ein Sprecher der Vereinten Nationen in New York zu versichern, dass Bans Reise keinen „Durchbruch“ zeitigen werde. Vielmehr sei der Generalsekretär auf einer „Informationsreise“. Ban und die sudanesische Regierung waren unlängst aneinander geraten, als der Koreaner angesichts neuer Kämpfe in Darfur die Regierung dazu aufgefordert hatte, sofort alle militärischen Aktionen einzustellen, was in Khartum als „falsche Anschuldigungen“ abgetan worden war.

          Zudem hatte die sudanesische Regierung vor zehn Tagen einen europäischen Diplomaten und eine kanadische Diplomatin wegen „Einmischung in innere Angelegenheiten“ ausgewiesen, was allgemein als schärfere Gangart gegenüber dem Westen und damit als eine potentielle Gefährdung der UN-Mission gewertet worden war. Der Krieg in Darfur dauert seit vier Jahren, hat je nach Quellen bis zu 200.000 Tote gefordert sowie zwei Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht.

          Polizeitruppe für Tschad

          Vor seiner Weiterreise nach Tschad und Libyen wird Ban die südsudanesische Stadt Juba besuchen. Im Süden Sudans unterhalten die Vereinten Nationen eine 10.000 Mann starke Truppe namens „United Nations Mission in Sudan“ (Unmis), die den 2005 zwischen Khartum und den ehemaligen Rebellen in Südsudan geschlossenen Friedensvertrag überwachen.

          Beide Seiten waren in diesem als historisch bezeichneten Friedensvertrag übereingekommen, dem Süden nach einer Übergangszeit von sechs Jahren das Recht zuzugestehen, per Referendum für oder gegen den Verbleib in der Republik Sudan abzustimmen. Die für ein Referendum erforderliche Volkszählung aber wurde Ende vergangener Woche erst einmal auf kommendes Jahr vertagt, womit sich der Eindruck verfestigte, dass auch in diesem Teil Sudans kaum Fortschritte erzielt werden.

          In Tschad will sich der UN-Generalsekretär anschließend ein Bild von den logistischen Schwierigkeiten bei der Versorgung der Flüchtlingslager machen. Zudem wollen die Vereinten Nationen in Tschad eine Polizeitruppe stationieren, um die Überfälle aus Darfur heraus zu unterbinden. Bei der letzten Station seiner Reise in Libyen will Ban nicht nur die diplomatischen Bemühungen von Revolutionsführer Gaddafi beim Umgang mit Sudan loben, sondern auch ganz praktische Dinge wie Transportgenehmigungen klären. Der kürzeste Weg zu den Flüchtligen sowohl in Darfur als auch in Tschad führt nämlich über libysche Mittelmeerhäfen und anschließend mit Lastwagen quer durch die Sahara.

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