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Sudan : Widersprüchliche Friedenssignale

Überfordert: Die AU-Truppe in Sudan Bild: AFP

Sudans Präsident Bashir hat seine Rhetorik gemäßigt, aber die Gewalt in Darfur dauert an. Mittlerweile gibt es so viele Rebellengruppen, dass selbst die UN den Überblick verloren haben. Nun soll eine Truppe mit robustem Mandat einrücken. Aus Khartum berichtet Hans-Christian Rößler.

          6 Min.

          Wie viele Rebellengruppen es in Darfur gibt, kann in der sudanesischen Hauptstadt Khartum niemand sagen - selbst die UN-Mission hat den Überblick verloren. Um die 20 sollen es mindestens sein, und immer noch kommen neue hinzu. Einige tun sich nicht gerade mit Bescheidenheit hervor. Die vergangene Woche aufgetauchte „Gerechtigkeitsfront“ verlangt zum Beispiel von der Regierung 22 Milliarden Dollar - als eine Art Honorar für den Kampfeinsatz im Süden Darfurs an der Seite Khartums.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In der sudanesischen Hauptstadt können manche dieser Forderung sogar etwas Positives abgewinnen: Sie schließen daraus, dass die Rebellen darauf hoffen, dass es während des neuen Anlaufs zu Darfur-Gesprächen etwas zu verteilen gibt. Denn für den 2. August haben UN und Afrikanische Union (AU) die Rebellen zu Gesprächen nach Arusha in Tansania eingeladen. Einigen sich die wichtigsten Gruppen auf eine gemeinsame Linie, könnten im September Friedensverhandlungen mit der sudanesischen Regierung folgen.

          „Es ist schwer, in Darfur Optimist zu sein“

          Ein erstes Darfur-Abkommen hatte im Mai 2006 nur die Fraktion der „Sudan Liberation Army“ (SLA) unter Minni Minawi unterzeichnet. Die andere Hälfte der SLA hat die Einladung nach Arusha schon abgelehnt. „Es ist schwer, in Darfur Optimist zu sein. Auch wenn nicht alle Rebellen nach Arusha kommen werden, glaube ich nicht, dass sie und die Regierung in Khartum ein großes Interesse daran haben, den Krieg weiterzuführen“, sagt Peter Schumann. Der Deutsche ist seit vielen Jahren für die UN in Sudan und leitet derzeit die Vertretung im Süden des Landes. In der Nationalen Kongresspartei (NCP) von Präsident Bashir beobachtet er zwar noch „interne Widersprüche“, im Prinzip sei man aber auch dort bereit, eine Lösung zu finden.

          Posten der Amis (African Union Mission in Sudan)

          Zumindest rhetorisch stehen in Sudan die Zeichen nicht mehr auf Sturm. Noch im vergangenen Jahr hatte Bashir damit gedroht, dass die westsudanesische Krisenprovinz zu „einem Friedhof für UN-Truppen“ werden würde, sollten sie es wagen, dorthin zu kommen. Mittlerweile hat er sich offenbar damit abgefunden, dass UN-Blauhelme die überforderte AU-Mission in Darfur mit Tausenden Soldaten und Logistik unterstützen werden. Am Dienstagabend verabschiedete der UN-Sicherheitsrat das Mandat für die gemischte Truppe, die insgesamt etwa 26.000 Mann stark sein soll. (Siehe auch: UN-Sicherheitsrat beschließt Friedensmission in Darfur)

          Bashirs große Gesten

          Dass Bashir diese Verstärkung aber weiter für unnötig hält, machte er vor einer Woche mit einer großen Geste deutlich: Zum ersten Mal seit dem Beginn der Gewalt im Jahr 2003 besuchte er die Provinz in Westsudan und nahm gleich sein ganzes Kabinett mit. Er habe den Eindruck gewonnen, dass dort die Menschen in Frieden und Sicherheit lebten, fasste er seine Beobachtungen zusammen. Nur Amerika und Großbritannien dramatisierten die Lage, um ihr „Scheitern im Irak“ zu kaschieren.

          „Mehr als achtzig Prozent Darfurs sind heute sicher“, ist auch der stellvertretende sudanesische Außenminister Ali Karti überzeugt. Schon vergangene Woche zeichnete sich nach seiner Ansicht eine Einigung über das Mandat der neuen gemischten Truppe ab. „Wir sind schon nahe beieinander, aber haben noch ein paar Anmerkungen“, sagte Ali Karti, der als der eigentliche starke Mann im sudanesischen Außenministerium gilt, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Doch diese Anmerkungen haben es offenbar in sich.

          Abschwächen durch Weglassen

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