https://www.faz.net/-gpf-c2v

Sudan : In schwierigen Missionen

  • -Aktualisiert am

Gespannter Blick nach Süden: Noch sind Unmis-Soldaten wie dieser Namibier auch in Abyei eingesetzt. Bald kommen die Äthiopier. Bild: Reuters

Wenn am Samstag der Staat Südsudan entsteht, stellt die Unmis in Khartum ihre Arbeit ein und nimmt die Unmiss in Juba ihre Arbeit auf. Nirgends gibt es mehr „Blauhelme“ als in Sudan. Präsident Baschir würde sie am liebsten alle los.

          In keinem Land der Welt sind so viele Blauhelm-Soldaten im Einsatz wie in Sudan. Zu den mehr als 10.000 Soldaten und Polizisten der 2005 gegründeten Mission Unmis, die das Friedensabkommen zwischen Nord- und Südsudan überwacht, kam 2008 die Darfur-Truppe Unamid. Sie war die Frucht zäher Verhandlungen mit der Regierung Omar al Baschirs in Khartum und wurde dadurch ein Zwitter: Hinter dem offiziellen Etikett „Hybridmission“ verbirgt sich ein Gemeinschaftswerk von Vereinten Nationen und Afrikanischer Union, in dessen Rahmen derzeit fast 18.000 Soldaten und etwa 5000 Polizeikräfte Dienst tun (nebst mehr als 1000 aus dem Ausland entsandten Zivilisten).

          Andreas Ross

          Redakteur in der Politik.

          Vor einer Woche nun hat der UN-Sicherheitsrat noch eine dritte Truppe autorisiert: 4200 Blauhelm-Soldaten sollen das kleine, eigentlich demilitarisierte Gebiet von Abyei schützen. Nord- wie Südsudan beanspruchen die ölreiche Region, in der es kürzlich zu so heftigen Kämpfen kam, dass eine Neuauflage des Bürgerkriegs nicht mehr ausgeschlossen schien. Westlichen Staaten sind die immensen Kosten der drei Missionen ein Dorn im Auge. Und trotzdem strebten sie einen vierten Sudan-Einsatz an.

          Dieser Einsatz soll an diesem Freitag auch mandatiert werden - aber dafür darf sich die erste Mission von diesem Wochenende an nur noch mit ihrer Abwicklung befassen. Denn am Samstag wird sich Südsudan für unabhängig erklären. Dann soll es eine Resolution des Sicherheitsrats geben, die wohl den Einsatz von bis zu 7000 Soldaten und 1000 Polizisten in einer neuen „UN-Mission für Südsudan“ genehmigt, die manche Doppel-S-Mission nennen, weil sie wohl Unmiss heißen wird. Doch Baschir hat sich geweigert, für eine Übergangszeit auch noch die alte Unmis fortbestehen zu lassen.

          Aus Unmis wird bald Unmiss

          In drei Jahren soll Unmiss die Lebensfähigkeit Südsudans sichergestellt haben

          Er will, jenseits von Darfur und Abyei, keinen Blauhelm-Soldaten auf dem Territorium seines geschrumpften Staates mehr dulden. Viele in den UN fürchten deshalb Schlimmes für die nördlich der neuen Grenze liegenden Provinzen Südkordofan und Blue Nile, in denen neue Kämpfe aufgeflammt sind. Die dort vorherrschenden Ethnien fühlen sich überwiegend Südsudan verbunden. Schon bisher war die in ihrer Bewegungsfreiheit von Khartum stets eingeschränkte Unmis kaum in der Lage, wirksam gegen die Gewalt vorzugehen. Doch bald werden die UN in diesen Gebieten die Lage nicht einmal mehr gründlich beobachten können.

          Der Ausgang des Referendums im Januar, als sich fast alle Südsudanesen für die Teilung aussprachen, konnte niemanden überraschen. Doch noch am Mittwoch verbrachten die Botschafter der 15 Sicherheitsratsmitglieder in New York mehr als vier Stunden mit Verhandlungen über die Unmiss-Resolution. Auch danach blieb unklar, ob sich die federführenden Amerikaner mit ihrer Forderung durchsetzen würden, der neuen Truppe „alle notwendigen Mittel“ zum Schutz der Zivilbevölkerung zu gewähren.

          Gerade nach der Aufregung über den Nato-Einsatz in Libyen und das robuste Vorgehen Frankreichs und der UN in der Elfenbeinküste lassen sich mächtige nicht-westliche Nationen nicht damit besänftigen, dass die Aufgabe der Mission eher weich formuliert werden soll: Die Unmis ist demnach zur „Erhaltung von Frieden und Sicherheit“ da, um Bedingungen zu schaffen, unter denen die Regierung in Juba den neuen Staat „effektiv und demokratisch“ regieren kann. Sie soll auf Einhaltung der Menschenrechte achten.

          Doch wer kontrolliert die Grenze? Die Amerikaner warnen vor unbemerkten Waffen- und Truppenbewegungen. Robuste Grenzkontrollen wollen viele UN-Staaten ohne Zustimmung Nordsudans aber nicht vorsehen. Am Mittwoch wurde eine Kompromissformel gefunden. Demnach wird der Unmiss eine Berichtspflicht für ihre Patrouillen in den „hot spots“ des Einsatzgebiets auferlegt - mithin auch im Grenzstreifen. In New York kursiert die Vorstellung, dass die Unmiss nach drei Jahren die Lebensfähigkeit des neuen Staates sichergestellt haben soll. Dabei steht in dem Wüstenland noch viel weniger Infrastruktur zur Verfügung als beispielsweise 1999 im Kosovo. Immer wieder haben sich die UN selbstkritisch auferlegt, keine überzogenen Erwartungen an ihre Missionen zu richten. Doch gerade in Sudan haben die UN ihre eigenen Lehren immer wieder in den Wind geschlagen.

          Weitere Themen

          Trump: „Wofür haben Sie den Preis bekommen?“ Video-Seite öffnen

          Friedensnobelpreisträgerin : Trump: „Wofür haben Sie den Preis bekommen?“

          Auf diesen Termin im Weißen Haus hat sich der amerikanische Präsidenten Donald Trump offenbar nicht besonders gut vorbereitet. Als die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad dem Präsidenten berichtet, dass ihre Mutter und ihre sechs Brüder umgebracht wurden, fragt Trump erstaunt: Wo sind sie jetzt?

          Topmeldungen

          Die aufgewendete Energie ist enorm, der Ertrag mager: Geförderte Humboldt-Universität in Berlin.

          Exzellenz-Förderung : Noch so ein Sieg

          Ein Wettbewerb, in dem es nur Sieger gibt, ist eigentlich keiner: Welche Universitäten über die Exzellenzinitiative gefördert werden und welche nicht, sagt so gut wie nichts aus.

          Persischer Golf : Vermisst irgendjemand eine Drohne?

          Ein weiterer Zwischenfall im Golf schafft Verwirrung. Iran dementiert amerikanische Angaben über einen Drohnenabschuss. Zugleich macht Teheran ein neues Gesprächsangebot.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.