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Sicherheitspolitik : Nordkorea löst mit Raketenstart Kritik aus

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Die angebliche Flugbahn der Rakete, gesehen auf einem Fernsehbildschirm in Tokio Bild: dpa

Nordkorea hat sich über Warnungen der internationalen Gemeinschaft hinweggesetzt und eine Langstreckenrakete gestartet. Entgegen den Behauptungen aus Pjöngjang schlug der Start eines Satelliten aber anscheinend fehl. Trotzdem kam der UN-Sicherheitsrat am Sonntagabend zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

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          Nordkorea hat sich über Warnungen und Appelle aus der internationalen Gemeinschaft hinweggesetzt und am Sonntag eine Langstreckenrakete gestartet. Die Rakete flog nach südkoreanischen und japanischen Berichten über Japan; die erste Raketenstufe stürzte in das japanische Meer, die zweite in den Pazifik. Der Test wurde von den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten scharf kritisiert.

          Über den Verlauf des Starts gab es widersprüchliche Meldungen. Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA verkündete, der Fernmeldesatellit „Kwangmyongsong-2“ (Helles Licht) sei durch eine mehrstufige Trägerrakete in eine Umlaufbahn gebracht worden. Der Satellit funktioniere normal und sende Messdaten, aber auch revolutionäre Lieder über Staatsgründer Kim Il-sung und den derzeitigen Machthaber Kim Jong-il zur Erde.

          „Kein Objekt in die Umlaufbahn eingetreten“

          Die nördliche Kommandostelle der amerikanischen Streitkräfte teilte dagegen mit, es sei kein Objekt über Japan in eine Erdumlaufbahn eingetreten. Der südkoreanische Verteidigungsminister Lee Sang-hee sagte, es seien vermutlich alle drei Stufen der Rakete ins Meer gestürzt.

          Demonstranten in Südkorea protestieren gegen den Raketenstart

          Die Vereinigten Staaten und Südkorea glauben, dass Nordkorea unter dem Deckmantel eines Satellitenstarts eine ballistische Langstreckenrakete testen wollte. Der Raketentest verschärft die Spannungen in der Region, die durch das kriegerische Gebaren Nordkoreas in den letzten Monaten und durch die Weigerung des Regimes in Nordkorea, seinen Verpflichtungen zum Abbau seines Atomprogramms nachzukommen, bereits zugenommen hatten.

          In New York wollte der UN-Sicherheitsrat der Vereinten Nationen noch am Sonntag über den Raketenstart beraten. Nordkorea hatte bereits vor dem Start wissen lassen, dass es sich aus den Sechser-Gesprächen über sein Atomprogramm zurückziehen werde, falls der Sicherheitsrat sein Verhalten kritisieren würde. Nach Raketentests und einem Atomtest im Jahr 2006 hatten die UN Nordkorea dazu aufgerufen, sein Raketenprogramm einzustellen, und Sanktionen verhängt.

          Von der Gemeinschaft der Völker isoliert

          Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten kritisierten den Raketenstart scharf, China und Russland mahnten zur Zurückhaltung. Der amerikanische Präsident Obama bezeichnete den Raketenstart als Akt der Provokation. Nordkorea habe seine internationalen Verpflichtungen missachtet und sich damit weiter von der Gemeinschaft der Völker isoliert.

          Südkorea verurteilte den Raketenstart als gewissenlos und kündigte an, es werde entschieden reagieren. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon äußerte sich besorgt über die Auswirkungen des Starts auf die Region.

          Der japanische Ministerpräsident Aso nannte den Raketenstart für Japan völlig inakzeptabel. Er verstoße gegen die UN-Resolution, die von Nordkorea verlangt, sein Raketenprogramm einzustellen. Die japanische Regierung versuchte aber nicht, die Rakete abzuschießen. Tokio hatte vor dem Start angekündigt, es werde „Objekte“ abschießen, die auf Japan fallen und seine Sicherheit gefährden könnten. Ebenfalls hatte Japan vor dem Raketenstart angekündigt, seine Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea verlängern zu wollen.

          Die chinesische Regierung appellierte an alle Parteien, Ruhe zu bewahren und angemessen zu reagieren, damit Frieden und Stabilität in der Region gewahrt blieben. Der UN-Sicherheitsrat wollte am Sonntagabend bei einer Dringlichkeitssitzung über die Reaktion auf den Abschuss beraten.

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