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OECD-Wirtschaftsbericht : Kritik am deutschen Schulsystem

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Schulerfolg: Gefahr von Fehlurteilen bei der frühen Selektion

Schulerfolg: Gefahr von Fehlurteilen bei der frühen Selektion Bild: picture-alliance/ dpa

Im OECD-Wirtschaftsbericht wird abermals das dreigliedrige Schulsystem kritisiert. In keiner anderen vergleichbaren Industrienation sei der Bildungserfolg eines Kindes so abhängig von seiner sozialen Herkunft sei wie in Deutschland.

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          Die größten Wirtschaftsnationen der Welt haben ihr OECD-Partnerland Deutschland zu umfassenden Bildungsreformen aufgefordert. Zur Verbesserung des Fachkräftenachwuchses sollten künftig alle Haupt- und Realschulen zusammengelegt werden.

          Auch sollte Deutschland davon Abstand nehmen, Kinder schon im Alter von zehn Jahren auf verschiedene Schulformen aufzuteilen. Dies geht aus dem „Wirtschaftsbericht für Deutschland“ der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hervor, der am Mittwoch in Berlin Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) übergeben wurde.

          Empfohlen wird zudem die Einführung von Studiengebühren mit einkommensabhängiger Rückzahlung, mehr Qualität der Lehrerausbildung und eine Berufsvorbereitung für die Erzieher in Kindergärten auf Hochschulniveau.

          Frühkindliche Bildung entscheidend

          Der Bund sollte zudem sein Vorhaben überdenken, ein monatliches Betreuungsgeld an diejenigen Eltern auszuzahlen, die ihre Kinder nicht in Kindergärten schicken. Gerade frühkindliche Bildung sei entscheidend für den späteren Schulerfolg - besonders für Schüler aus armen Familien und von Ausländern.

          Bei dem Wirtschaftsbericht handelt es sich um abgestimmte Empfehlungen der anderen 29 OECD-Mitgliedsstaaten an Deutschland - und nicht um den üblichen Bildungsbericht des Pariser Sekretariats der Wirtschaftsorganisation. Es werden darin zudem Aussagen zur deutschen Konjunkturentwicklung und zur Steuerpolitik gemacht. (Siehe auch: OECD-Bericht: „Arbeitszeit verlängern, mehr Ehrgeiz in der Bildung“)

          Fehlende Chancengleichheit

          Die im weltweiten Vergleich nur noch in Deutschland und Österreich übliche frühe Aufteilung zehnjähriger Kinder auf verschiedene Schulformen wie Gymnasium oder Hauptschule sei wesentlicher Grund für die fehlende Chancengleichheit in der deutschen Bildung, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf mehrere neue Studien.

          Verwiesen wird darauf, dass in keiner anderen vergleichbaren Industrienation der Bildungserfolg eines Kindes so abhängig von seiner sozialen Herkunft sei wie in Deutschland. Je jünger aber Kinder nach ihrer vermeintlichen Begabung auf verschiedene Schulformen verteilt würden, desto größer sei die Gefahr von Fehlurteilen durch Lehrer wie Eltern, heißt es in dem Bericht. Auch sei das deutsche Schulsystem nicht durchlässig.

          Geringe Studentenzahlen

          Für 60 Prozent der Schüler bedeute ein späterer Schulwechsel einen Abstieg. Nur 20 Prozent der späteren Wechsler schafften hingegen den Aufstieg in eine höhere Schulform. Positiv wird vermerkt, dass in vielen neuen Bundesländern und künftig auch in Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Hamburg „der untere und der mittlere Bildungsgang“ von Haupt- und Realschule in einem einzigen Schultyp angeboten werde.

          Damit werde die in Deutschland besonders stark ausgeprägte Gliederung des Schulsystems aufgelockert. Der Bericht verweist zugleich auf die im internationalem Vergleich geringen deutschen Studentenzahlen.

          Auch bei der beruflichen Basisqualifikation, der sogenannten Sekundar-II-Abschlüsse (entweder Abitur oder Abschluss einer Lehre), falle Deutschland inzwischen international zurück. So seien in der Bundesrepublik die 45- bis 64- Jährigen mit ihren Bildungsabschlüssen besser qualifiziert als die Generation der heute 25- bis 34-Jährigen.

          Die Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses, Ulla Burchardt (SPD), forderte Bund und Länder auf, die Empfehlungen ernst zu nehmen. Der Fachkräftemangel und die fehlende Vorbildung vieler Erwerbspersonen sei „das größte Hindernis in der deutschen Wirtschafts- und Innovationspolitik“.

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