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Nigeria : Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Taylor in Sierra Leone

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Taylor gilt als einer der schlimmsten Kriegsverbrecher Afrikas Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der frühere liberianische Präsident Charles Taylor ist in Nigeria festgenommen und über Liberia nach Sierra Leone zum Sitz des UN-Kriegsverbrechertribunals gebracht worden. Taylor wollte sich nach Kamerun absetzen.

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          Nach seiner Festnahme in Nigeria ist der ehemalige liberianische Präsident Charles Taylor in Sierra Leone eingetroffen. Der Hubschrauber mit dem wegen Kriegsverbrechen angeklagten früheren liberianischen Staatschef landete am Mittwoch abend vor dem Sitz des UN-Sondertribunals in der Hauptstadt Freetown, wie ein britischer Diplomat der Nachrichtenagentur AFP sagte. Der ehemalige Staatschef sei sofort in Haft genommen worden.

          Ein Beamter der nigerianischen Einwanderungsbehörde sagte, Taylor habe versucht, frühmorgens in einem goldfarbenen Geländewagen mit Diplomatenkennzeichen die Grenze nach Kamerun zu überqueren. Dabei sei Taylor zusammen mit dessen Frau festgenommen worden. Als die Beamten Taylor kontrollieren wollten, seien die Fahrer der Motorradeskorte geflohen.

          Vorwurf: Verbrechen gegen die Menschlichkeit

          Taylor wurde umgehend an Liberia ausgeliefert. Das ordnete der nigerianische Präsident Olusegun Obasanjo noch während seines Staatsbesuchs in den Vereinigten Staaten an. Die liberianische Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf hatte sich zuvor wegen Sicherheitsbedenken dagegen ausgesprochen. In Liberia gebe es noch zu viele Unterstützer Taylors, die Unruhe bringen könnten, sagte Johnson-Sirleaf. Sie hatte gefordert, Taylor direkt an das UN-Tribunal für Sierra Leone zu überstellen.

          Aus dieser Villa in Nigeria war Taylor geflohen

          Taylor werden Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vorgeworfen. Er soll unter anderem die Rebellenbewegung RUF in Liberias Nachbarstaat Sierra Leone unterstützt haben, die dafür bekannt war, ihren Opfern beide Arme abzuschlagen oder die Lippen abzuschneiden. Die Rebellen wollten durch Terror ganze Landstriche entvölkern, in denen Diamantvorkommen vermutet wurden. Taylor soll sich am illegalen Handel mit Diamanten massiv bereichert haben.

          Amerika will Taylor vor Tribunal bringen

          Taylor war am Montag abend aus seiner Villa im nigerianischen Exil verschwunden, nachdem es Anzeichen für eine baldige Auslieferung an das UN-Tribunal gegeben hatte.

          Der UN-Sicherheitsrat in New York hatte sich darüber am Dienstag „besorgt“ gezeigt. Die Vereinigten Staaten hatten von Nigeria Auskunft über den Verbleib Taylors verlangt und die Forderung bekräftigt, ihn an das von den UN unterstützte Sondergericht für Sierra Leone zu überstellen.

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